DTM: AMG Petronas

DTM Norisring mit Petronas: 50 Jahre AMG und viele Geschichten

Mercedes AMG C 43

Als ich in den Kalender schaue, steht fest: Es soll ein sternenklares Wochenende werden. Nein, hier ist nicht der Nachthimmel gemeint, sondern alles das, was mich umgibt und beschäftigt. Eine Einladung von Petronas zum DTM-Rennen am Norisring verlangt einfach nach dem standesgemäßen Gefährt(en) zum Hinfahren. Mein Anspruch: Er sollte einen Stern auf der Haube haben und schnell sein, damit ich bequem und dennoch rasant zum Norisring (Nürnberg) kommen kann. 

Der Testwagenpark ist gut nachgefragt und so konnte ich mir Farbe und Modell nicht mehr komplett nach meinen Vorstellungen aussuchen. Wobei die Farbe eigentlich sehr gut (historisch gesehen) passt: Rot! Die Auflösung findet ihr in der Historie von AMG. Mir schwirrte auf jeden Fall zu diesem Wochenende etwas wie „50 Jahre AMG“ im Kopf herum. Das haben wir sehr gut mit dem Mercedes-AMG C 43 hinbekommen. Auch wenn manche „Kollegen“ meinen, es wäre ja „kein richtiger AMG“. Näheres zur Nomenklatur und Beurteilung der Modellpolitik überlasse ich den Fachleuten, wie dem MBpassionblog. Ich hatte jedenfalls Spaß mit meiner roten Rennsemmel – liebevoll gemeint.

Mercedes AMG C43 - Blick unter die Haube

Kleine AMG-Anekdote von der Raststätte

Interessant für mich ist die Reaktion der Leute, wenn sie einen (irgendeinen) AMG in freier Wildbahn sehen. Bemerken sie, dass beispielsweise keine „normale C-Klasse“ vor ihnen steht? Wie reagieren sie? Schauen sie hin oder weg – oder sind sie hin und weg? Nach dem Rennen (auf der Rückfahrt) waren die Fans ganz aufgeheizt von den ganzen PS um sie herum. Die Wahrnehmung von Mercedes-AMG bei der DTM ist sehr hoch. Es gibt sehr viele Fans, das war schön zu sehen.

DTM 50 Jahre AMG

Ich schlendere also während meiner Rückreise  – zurück vom Kaffeekauf in der Raststätte – auf den Parkplatz zurück, den To-Go-Becher in der Hand.  Um das geparkte feuerrote Spielmobil schleichen mittlerweile 5 „Jungs“, die – laut T-Shirts und Lanyards – bis eben noch auf der DTM waren. Zuerst dachte ich sogar, sie wollten das Auto vielleicht knacken, aber dafür war zu viel los drumherum. Schnell verwerfe ich diesen Gedanken, als ich genauer in die Gesichter blicke. Ich sehe Kopfnicken, Anerkennung und ein bisschen „Me-Too-Denke“ und „Habenwollen“. Wie gern wären sie in den Mercedes-AMG gestiegen und hätten eine Runde gedreht. 

Als ich aus einiger Entfernung auf die Fernbedienung drücke, um den Wagen zu öffnen, recken sich die Köpfe wieder nach oben – weg von den gewaltigen Auspuffrohren. Weiterhin betont lässig gehe ich auf den AMG zu und öffne wie beiläufig die Fahrertür. Ein kleines ungläubiges Raunen und Gemurmel ging durch die Menge. Tja, das hätten sie jetzt nicht gedacht, dass eine Frau einsteigt. Erwartungsgemäß wäre jetzt ein langsames und bedächtiges Losfahren gewesen. Ist ja schließlich eine Frau … aber das ließ ich mir natürlich nicht nehmen, die Jungs mal zu beeindrucken. 

Mercedes AMG C43

Ich fahre also gekonnt rangierend rückwärts aus der knappen Parklücke und lege den Select-Wahlhebel wieder auf „D“. Ich hatte gleich nach dem Platznehmen im Auto alles vorbereitet: Der Fahrmodus war nach wie vor auf Sport Plus und somit für den Sound gesorgt. Ich schaue also noch aufmerksam nach links, bevor ich Gas gebe. Alles frei, kein Pace Car in Sicht, vor mir auf der zu fahrenden Strecke ist auch keiner. Perfekt, es kann losgehen. Da der AMG schon warmgefahren war, gibt es kein Halten mehr. Ich setze an und spurte los, ein sportlicher Motorensound erklingt und ich hätte wirklich zuuu gern die Gesichter gesehen. Dazu gab es jedoch keine Möglichkeit mehr, denn ich bin schon längst wieder auf der Autobahn – fädele mich ein und muss wieder auf die linke Spur, da ich auf einige „Pace Cars“ treffe.

Reisen mit dem C 43

Langstrecke? Kann er. Spaß? Macht er. Sicherheit? Gutes Gefühl. Da ich ja wirklich zu einem Großteil der Strecke schnell auf der Autobahn mit dem roten Stern unterwegs war, hier eine rasante und kurze Einschätzung: 

Mercedes AMG C43

Womit hat man am meisten zu tun? Mit dem Lenkrad und den dazugehörigen „Fahr-Funktionen“. Das erste, worüber der geübte Mercedes-Benz-Fahrer nicht stolpert, ist die Lenkradschaltung (9G-Tronic mit Direct Select Wählhebel). Ich gebe zu, ich brauchte zwei- bis dreimal, dass ich beim Umschalten in den Rückwärtsgang nicht in Richtung Mittelkonsole fasste. Doch dann hatte ich es wieder abgespeichert. Hebel rauf, Hebel runter. Lief bei mir. Zum Schalten (wenn man im Modus Manuell ist), gibt es dann die Paddles am Lenkrad. Passte so für mich.  

Autobahngefühl: Das sind ja immer gemischte Gefühle – also vom Fahrkomfort, der Geschwindigkeitsbegrenzung oder -freigabe sowie der Verkehrsdichte. So bin ich in verschiedenen Modi vorangekommen:

  • Bequemer Oma-Modus mit Hut: Fahrwerk auf Comfort wegen der schlechten Fahrbahn und Tempomat auf 80-120 km/h – je nachdem – mit dem Fahrassistenz-Paket Plus. 
  • Racer Style mit allem: Alles auf Sport Plus, AMG Performance-Abgasanlage an, wenn die Geschwindigkeit freigegeben war und die Straße trocken. 
  • Sportlich-sicherer Reisetyp: Einstellung Sport mit Distance Control und Tempomat maximal.

Was ich damit sagen will: Man muss mit einem AMG nicht unbedingt heizen. Man muss auch nicht den Energiespar-Rekord brechen. Man kann gemütlich fahren, so viel Komfort bietet er. Wobei der AMG Bordcomputer bei voller Leistungsforderung meinerseits (auf knapp 300 Kilometern Autobahn) nur 11,2 Liter Verbrauch anzeigte. Ich hätte auf mehr getippt.  Man kann es auch richtig krachen lassen und hat immer genügend Reserve zum Kickdown. Zum Beispiel, wenn mal wieder jemand nur widerwillig die linke Spur freimacht und ungeduldig darauf wartet, dass er wieder auf seine Lieblingsspur zurück kann (ob es Sinn macht oder nicht). 

Mercedes AMG

Der AMG-Faktor „Überholen lassen“ ist relativ hoch. „Man“ weiß, dass ein – flott angefahren kommendes – Gefährt mit Stern auf der Haube durchschnittlich gesehen auch fix überholen wird. Kleinwagen zeigen den nötigen Respekt, allein die üblich bekannten weißen Lieferwagen sowie die selbsternannten Autobahn-Rennfahrer anderer Premiumfahrzeuge sind ein bisschen zickig. Manche versuchen sogar, dass sie nach dem Überholvorgang wieder „Anschluss finden“ und fahren motiviert zügig hinterher. Da ich ein Langstrecken-Schnellfahrer bin, halten die meisten Fahrer meine Reise-Geschwindigkeit um die 200km/h oder schneller nur 5 Minuten maximal aus. Danach verfallen sie wieder in Ihren 160-Kilometer-pro-Stunde-Modus. 

Erstaunlich ist, dass die meisten überrascht sind, dass man sich im AMG auch an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten kann. Ich fahre zügig, aber immer nach der StVO. Ich fahre mit Köpfchen, vorausschauend und gleichzeitig so zügig wie möglich. Wenn es nicht schneller geht, dann drängele ich nicht. Ich mache auch kein Spurenhopping und was ich am meisten verabscheue ist das Rechtsüberholen. Aber ich schweife ab. 

Meine klare Empfehlung: Für (relativ) vernünftige PS-Narren, die gleichzeitig auch bequem und sicher reisen wollen und dabei keinen zweisitzigen Sportwagen fahren möchten. 

Mercedes AMG

50 Jahre AMG – Hintergrund

Vor 50 Jahren gründeten Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher ihre erste Werkstatt 1967 in einer alten Mühle. Auf der Firmenanmeldung steht „Ingenieurbüro – Konstruktion und Versuch zur Entwicklung von Rennmotoren“. Die mittlerweile weltweit bekannte Abkürzung besteht ausgesprochen aus „Aufrecht und Melcher, Großaspach“ – eben kurz: AMG. Das „A“ kommt also nicht von „Affalterbach, wie man vielleicht auch hätte denken können.

Ein bisschen AMG-Geschichte im Pferdestärken-Galopp:

1971 – beim 24‑Stunden-Rennen in Spa – erringt der AMG 300 SEL 6.8 völlig überraschend den Sieg in seiner Klasse und Platz zwei im Gesamtklassement. Details zur umgangssprachlich genannten „Roten Sau“ findet ihr in meiner Longread-Empfehlung beim MBpassionblog

1990 startet die Kooperation mit Mercedes-Benz. 1993 kommt das erste Kooperationsfahrzeug auf den Markt: der C 36 AMG. 2005 wird Mercedes-AMG eine hundertprozentige Tochter vom Daimler. 2009 präsentiert man den Mercedes-Benz SLS AMG. 

Der Standort von AMG ist aktuell in Affalterbach. Dort befindet sich auch die Manufaktur der Motoren – neben Geschäftsführung, Verwaltung, Vertrieb, Entwicklung und Design. Die Motoren von AMG werden nach der Philosophie „One Man, One Engine“ aufgebaut. Der jeweilige Motorenbauer versieht „seinen“ fertiggestellten AMG mit seiner Plakette, die er handsigniert.

Was ich mit meiner roten AMG-Rennsemmel am Norisring erlebt habe, erfahrt ihr in Teil 2, also hier weiterlesen.

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