Testwagen: Mercedes-Benz E 300 Hybrid

Mercedes-Benz E 300 HybridAlle Welt spricht zurzeit über die neue E-Klasse 2013, die eine umfassende Modernisierung erfahren hat. Ich werde die neue E-Klasse im Februar etwas näher kennenlernen und  fahren, doch solange beschäftige ich mich gern auch noch mit dem – jetzt schon – Vorgängermodell. Auch gerade deshalb, weil ja nicht jeder einen Neuwagen sein eigen nennen kann und die Jahreswagen sowie junge Gebrauchte eine gute Alternative sein können.

Aber ein Foto vom neuen Modell – nach der Pflege – enthalte ich Euch nicht vor. Ich habe es von der Mercedes-Benz-Plattform social publish entnommen, dort erscheinen auch die meisten meiner Artikel, die über diese Marke von mir veröffentlicht werden. Was social publish ist, kann man gern gesondert nachlesen/das Video schauen.Mercedes-Benz E-Klasse 2013Kurzer Blickvergleich: Es ist immer noch eine E-Klasse, auch wenn sich Details verändert haben. Auch eine Hybrid-Variante ist wieder voll eingeplant.

Was für mich wichtig war, als ich den Mercedes-Benz E 300 Hybrid testete, dass es ein Hybrid ist. Wie fährt sich ein Premiumfahrzeug, wenn zusätzlich zum Motor noch eine Elektroeinheit verbaut ist? Mercedes-Benz E 300 Hybrid

Daten: 150kW Dieselmotor + 20 kW Elektromotor (204 PS + 27 PS), 4 Zylinder, Automatikgetriebe 7G-TRONIC PLUS.

Ganz ehrlich? Ich habe nicht gemerkt, dass irgend etwas stören würde. Die Batterie/Akku–Einheit und der Elektromotor sind sehr unauffällig verbaut. Da man weder Strom laden kann noch muss, merkt man so gut wie keinen Unterschied. Die Elektro-Komponeten halten die gesamte Lebenszeit des Fahrzeugs. Ich stieg einfach in den BlueTEC HYBRID ein und fuhr viele Kilometer. In der Stadt, über Land, auf der Autobahn.

In der Stadt hat man ein großes Auto, er ist zwar wendig für seine Länge, aber ein Parkplatz muss schon passen. Auch Parkhäuser sind gut zu befahren, man muss natürlich die Abmessungen „drin“ haben. Die Rückfahrkamera ist da sehr hilfreich.

Mercedes-Benz E 300 HybridÜber Land oder auf Schnellstraßen kann man cruisen oder sogar segeln. Segeln? Ja, das geht! Bis 160 km/h. Dafür braucht man kein Seemannspatent oder gar Zusatzhardware wie Segeltuch oder Masten. Nein, es kommt auf die individuelle Fahrweise drauf an. Zwei Modi sind vorhanden:

1. „freies Rollen“ mit geringer Rekuperation oder 2. „gebremstes Segeln“ für stärkere Rekuperation, die auch bremsend wirkt.

Auf der Autobahn ging es dann zur Sache: von 0 auf 100 in 7.8 Sekunden ist ja eine Ansage für einen Nichtsportwagen, der zudem hohen Komfort und Raumangebot besitzt. Sehr fein ist dann auch die Boost-Funktion durch die Unterstützung des Elektromotors. Wenn man mal nicht sparsam fahren möchte, sondern Leistung abrufen will. Auch das soll ja gelegentlich Spaß machen und ist durchaus möglich.Mercedes-Benz E 300 Hybrid

Mercedes-Benz E 300 HybridSo sieht man den E 300 Hybrid auch oft von hinten.  :-) Wenn hingegen durch Rekuperation und durch den Betrieb des Dieselmotors die Elektrobatterie wieder aufgeladen ist, dann ist es sogar – bei entsprechend rücksichtsvoller Fahrweise – möglich rein elektrisch zu fahren. Ganz leise also an die Ampel heranfahren, bis der Dieselmotor ausgeht und dann auch wieder ganz leise dieselmotorlos losfahren. Der Zauber ist allerding nach höchstens 2 Kilometern vorbei. Ganz offen: so lange habe ich es nicht geschafft. Denn die technisch mögliche Strecke ist so kurz bemessen, weil sonst die Proportionen nicht mehr passen würden. Durch einen größeren Akku würde Platz verloren gehen, was Mercedes-Benz seinen Kunden nicht zumuten möchte. Ich habe es auch nur geschafft, bis zu 83% den Akku durch meine Fahrweise aufzuladen.

Vorteil der Hybrid-Technologie: man spart enorm Kraftstoff. Es gibt auch die Einstellungen „Economy“ und „Sport“. Angegeben ist der Verbrauch mit 4,5 Litern auf 100 Kilometern. Das habe ich bei sportlicher Fahrweise oder sehr sportlicher Fahrweise (lächelt) nicht geschafft. Aber ich habe mich zwischen 5,3 und 8,1 Litern bewegt. Okay, 8,1 war die Strecke mit 220 auf der Autobahn … #hust …  andere wären da sicherlich zweistellig geworden.

So sah der schicke Weiße dann auch nicht mehr so sauber aus, hier ein Beweisfoto: er bekommt sie alle!

Mercedes-Benz E 300 HybridNoch ein Zitat aus der Presseabteilung auf Nachfrage zu Details: Das Hybridmodul des E300 BlueTEC Hybrid ist eine Mercedeseigene Entwicklung. Die E-Maschine oder auch die Leistungselektronik werden natürlich von Lieferanten zugesteuert, aber der eigentliche Antriebsstrang ist von Mercedes-Benz entwickelt worden. Der 20 kW Elektromotor leistet 250Nm. Seine Energie bezieht er aus einer Lithium-Ionen Batterie mit einer Leistung von 19kW und 0,8 kWh. Der Serviceintervall ist identisch mit einer E-Klasse ohne Hybrid.

Mercedes-Benz E 300 HybridInnere Werte hat der Mercedes-Benz E 300 Hybrid wie jede E-Klasse. Fahrassistenten, die sehr nützlich sind, sind vorhanden. Die Multi-Kontursitze mit Sitzventilation und -heizung sind sehr angenehm. Für lange Strecken hat sich der Hybrid bei mir sowieso bewährt. Ich bin nicht ein bisschen müde geworden, als ich nachts 500 Kilometer gefahren bin. Sogar der Müdigekeits-Assistent mit der Kaffeetasse blieb ruhig.

Die Distronic (Abstandshalter in Verbindung mit dem Tempomaten) ist mir bei jedem Modell eine Freude. Sie funktioniert bis 200 km/h. Allerdings lässt sie manchmal für meinen Geschmack einen zu großen Abstand, der jedoch auch dann nur noch größer regelbar ist.Mercedes-Benz E 300 HybridWie verloren die große Reisetasche, mein Rucksack plus hingeworfener Jacke aussehen. Ja, Platz hat er genug. Und die Ladekante ist schon abgeflacht. Sehr beladefreundlich, finde ich.

Leider haben wir immer noch die Fußbremse (Feststellbremse) im Fußraum. Da wünsche ich mir, dass dort bald eine vollelektronische Bremse Einzug hält. Ich hoffe auf das neue Modell – wie oben erwähnt.

Mein Fazit zum Mercedes-Benz E300 BlueTEC Hybrid:
für Langstreckenfahrten ein absoluter Liebling. Für beengten Parkraum in der Stadt ist optional ein Parkassistent verfügbar, der Sinn macht, wenn man die Dimensionen noch nicht gewöhnt ist. Aber nach kürzester Zeit parkt man mit wenigen Zügen in der engsten Parklücke ein. Wäre ich als Außendienstler viel unterwegs, würde z. B. eine Kollektion transportieren, dann wäre das das ideale Auto. Auch mit Personenzuladung, also Mitfahrern, Familie, ob groß oder klein, macht sich der E 300 Hybrid gut.Mercedes-Benz E 300 Hybrid

Danke an Mercedes-Benz für die Teststellung.

20 Gedanken zu “Testwagen: Mercedes-Benz E 300 Hybrid

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    1. Patrick, Danke für Deine Frage. Ich habe mit 2 Mercedes-Benz Kennern (Markus Jordan und Marc J. Christansen) gesprochen und bekam folgende Antwort:

      Das sogenannte Segeln ist bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h möglich, wobei der Verbrennungsmotor abgeschaltet wird. Dabei rekuperiert der E-Motor und lädt den Akku wieder auf. Diese Funktion geschieht nicht nur im Tempomat-Betrieb, der Fahrer kann das Segeln auch mittels Drücken am “+”-Schaltpaddle am Lenkrad “erzwingen”. Ein nochmaliges Ziehen am Paddel koppelt den Motor aus, was das Segeln ohne Rekuperieren länger möglich macht.

      Gern gebe ich auch noch die Berichte der beiden hier mit an:
      Mercedes-Benz Passion Blog
      Daimler Blog Gastbeitrag von Marc

      1. Gern, Patrick! Philipp Deppe (auch vom Mercedes-Benz Passion Blog) hat noch eine weitere Info gegeben:
        Die normale 7G-TRONIC in der E-Klasse ist ein klassisches Wandlergetriebe. Die 7G-TRONIC im E 300 BlueTEC HYBRID hat statt dem Drehmomentwandler eine Nasskupplung verbaut. Erst durch sie wird das Entkoppeln des Antriebsstrangs zum Segeln möglich.

        Ich finde es klasse, dass so technische Fragen kommen, die wirklich interessant sind. Das ergänzt meinen Artikel bestens. Nur: ohne Interesse meiner Leser daran hätte ich das nicht geschrieben, weil viele dann schnell gelangweilt sind, wenn es zu sehr ins technische Detail geht. :-)

  5. Pingback: Mikhail
  6. Du hast nicht zufällig Bilder vom Cockpit? Also wird da irgendwas visualisiert? Sieht man, welcher Motor gerade läuft oder den Akku speist? Sieht man, wie viel man gerade verbraucht etc.? Auf der Mercedes-Seite blick ich leider gar nicht durch, ob man da irgendwelche Fotos dazu finden könnte.

    1. Hallo Paulinepauline, schön von Dir zu lesen! Ja, es gibt eine Visualisierung. Meine Fotos sind leider qualitativ zu schlecht geworden (auf dem Vorschaudisplay sah es okay aus), ich zeige sie Dir jetzt trotzdem mal.

      Im Rundinstrument siehst Du sowohl den Verbrauch als auch den Energiefluss:
      Hybrid-Cockpit
      Hybrid Cockpit

      und wie der Energiefluss auf dem Display aussieht, ist schön hier zu sehen:

  7. Pingback: paulinepauline
    1. Es muss immer entschieden werden, was Priorität hat. Außerdem würden die Kosten steigen. Weniger Platz und höherer Preis, wieviele Kunden würden das akzeptieren?
      Autohersteller machen da – weiß ich von einigen – auch Umfragen und Workshops mit Kunden, um die Bedürfnisse herauszufinden und in der Umsetzung zu berücksichtigen.

  8. Pingback: Nicole Y. Männl
      1. Was sieht man denn, wenn man in dem großen Display auf „Verbrauch“ umschaltet? Ich frage, weil es im Prius ja so viele verschiedene Ansichten gibt, und die beeinflussen einen schon dahingehend, sparsamer zu fahren. Was ich gut finde.

      2. Ja, paulinepauline die Anzeigen im Display beeinflussen schon, finde ich. Ist ja dieser berühmte „Gaming-Effekt“.

  9. @ Nicole: Also ich kann da ja nur von mir sprechen, aber genau solche technischen Sachen interessieren mich. Da ich leider keine KFZ – Mechatroniker Ausbildung gemacht habe, fehlt mir dahingehend ganz einfach das Wissen. Und da ich nicht nur das Auto fahren möchte, sondern auch wissen möchte wie das alles funktioniert lese bzw. frage ich nach. Außerdem ist es faszinierend welche Möglichkeiten ein Auto heute bietet, aber das Prinzip eigentlich so wie vor hundert Jahren ist.

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