Expertengespräch: der nackte SL 500 und was die Karosserie ausmacht

Ein hoher Anteil an Aluminium, hier sieht man den SL 500 völlig blank, also die nackte Karosserie.
Dr. Thomas Rudlaff, Verantwortlicher für die Rohbauentwicklung bei Mercedes-Benz hat mir den Aufbau und die Besonderheiten anhand einer Karosserie des SL 500 erklärt.

Das folgende Video zeigt unser Gespräch:

Was erfährt man im Video? Ich empfehle, das Video ganz anzuschauen, weil sehr anschaulich erklärt und gezeigt wird, was ich jetzt in Stichworten kurz wiedergebe. So trocken, wie sich die Fakten anhören, ist das Video nicht, also einfach den Play-Knopf drücken!  :-)

  • Mercedes-Benz SL 500 ist der erste Großserienrohbau mit einer Aluminumkarosserie
    Gewichtsverteilung: Alu-Guss 44 %, Alu-Profile 17 %, Alu-Blech 28 %, Stahl 8 %, Sonstige 3 %.
  • A-Säule + Fensterrahmen sind nicht aus Aluminium (siehe Skizze ganz unten).
  • 3 Dachteile aus Magnesium (Guß)
  • Aluminium vs. Stahl: es sind andere Verarbeitungs- und Verbindungstechniken beim Alu nötig.
  • Gewichtsersparnis ca. 110 Kilogramm zum vergleichbaren Stahlrohbau,
    125 bis 140 Kilogramm leichter zum Vorgängermodell gesamt.
  • Torsionsteifigkeit von 19.400 Newtonmeter pro Grad, Vorgänger hatte 16.400 Nm
    (Ein Newtonmeter ist die SI-Einheit für die vektorielle Größe Drehmoment (Torsion), dies ist hier auf die Karosserie und nicht auf den Motor bezogen!)
  • Bei anderen zukünftigen Modellen (S-Klasse) wird Aluminium in hohem Maße in der Struktur eingesetzt werden.Details, die im Video erklärt werden:
  • Bodenbereich: 10mm starker Plattenboden aus Aluminium-Strangpressprofil mit FSW-Naht (Reibrührschweißen)
  • 2 Kokillen-Gußteile (je Seite 1) im Hohlguß (ehemals aus je 5 Aluminiumteilen)
  • Ersatzradmulde aus Recycling-Aluminium (End of Live Aluminium)

Erwähnenswert (im Video nicht besprochen), der Sound:

  • Durch das innovative Frontbass-System entfallen eine separate Bassbox und Türlautsprecher. Gewichtseinsparung über 4 kg.
    Ich zitiere aus den Unterlagen, die mir zur Verfügung gestellt wurden:
    Statt die Basslautsprecher wie meist üblich in die Türen einzubauen, sind sie in der neuen SL-Generation im Fußraum vor Fahrer und Beifahrer installiert. Dies war bei den bislang üblichen Rohbaustrukturen nicht möglich. Das Alu-Skelett des neuen SL stellt aber in den beiden vorderen Längsträgern den dafür nötigen Resonanzraum zur Verfügung. Die Lautsprecher sind jeweils links und rechts im Fußraum direkt in einer Öffnung der Stirnwand montiert. Die dahinter liegenden Hohlräume der Längsträger dienen als Resonanzvolumen. Da diese Trägerstrukturen von Haus aus sehr steif sind, klingen die hier erzeugten tiefen Töne bis hin zu sehr hohen Signalpegeln stets präzise und verzerrungsarm. Anders ausgedrückt: klare, knackige Bässe mit hohem Dynamikbereich sind im neuen SL serienmäßig.

 

Hier noch eine Original-Grafik von Mercedes-Benz, die die Aufteilung der Materialien veranschaulicht.

Interessant, wie der Anteil an Stahl (gelb) zurück gegangen ist. Alu-Blech (grün) ist zwar flächig gesehen am meisten vorhanden, doch die Gußteile (rot) machen den höchsten Anteil in Prozent an Gewicht aus, …

ich bedanke mich nochmals für die ausführlichen Erklärungen im Video, so habe ich eine Alu-Karosserie sehr gut kennenlernen, verstehen und begreifen können. Und hoffe, meinen Leserinnen und Lesern geht es ebenso.  :-)

Disclosure: Mercedes-Benz hatte mich eingeladen (Reisekosten).

4 Gedanken zu “Expertengespräch: der nackte SL 500 und was die Karosserie ausmacht

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