Die e-miglia ist einfach tierisch, 3. Tag

In Österreich, Innsbruck gestartet, 7:00 Uhr, die Frisur sitzt, aber nur bis zur Hoteltür, danach nicht mehr. Der 3. Tag der e-miglia führt uns nach Italien. Leider hat der Wettergott kein Verständnis, dass wir eigentlich eine Schönwetter-Veranstaltung wollten. Oder jemand hat seinen Germknödel nicht aufgegessen. Wie dem auch sei, es regnete in Strömen, so dass meine Mille Miglia Jacke mit Kapuze nicht mehr ausreichte und ich einen Schirm in den Bea-Tricks smart einpackte. Und dabei hatten wir die härteste Strecke vor uns, Richtung Brenner, dann über den 2094m hohen Jaufenpass durch Südtirol nach Bozen, gesamt 161km.

Jaufen reimt sich auf Schnaufen und das hat der kleine smart – wie auch die anderen kleineren E-Mobile – reichlich gemacht. Wir hatten die Strecke genau im Höhenprofil angeschaut, berechnet, kalkuliert, Strategien entwickelt und doch sind wir bei dieser Etappe ganz hart an die Grenzen gekommen. Fast dachten wir, dass wir die 2 km vor der Ladestation nicht mehr bewältigen könnten und abstellen müssten. Die Temperatur stieg, der Energiepegel sank, der Verbrauch stieg weiterhin an. Bibbern und Zittern war angesagt, das Wetter draußen tat einiges dazu, dass wir keinen Kondensstreifen mehr am Himmel vermuteten.

Da kamen sie, die Retter: Kühe!

Foto: Jörg DeckersEin Almtrieb ermöglichte es uns – oder vielmehr zwang uns dazu, dass wir die Temperatur schon mal (sicherheitshalber, es bestand nie ernsthafte Gefahr!) herunter kühlen konnten. Hinter uns auf der Strecke, ein paar Kurven zuvor, sahen wir schon den einen Th!nk City stehen und auch die Karabag 500e (also Fiat 500) ächzten etwas mehr als sonst – wie auch das Rot des Tazzari leicht blaß zu werden schien …

Es half nur Stromgebete zum Himmel zu schicken, den Anschluss wieder zu bekommen und dass uns die Sicherungen in unserem Kopf nicht durchbrannten … „keep cool“ war unsere Devise und so haben wir die Steigungen, die uns teilweise bis zu 10-12% herausforderten, auch geschafft. Das Jet-Car ist leider gleich nach dem Start mit irreparablen Elektronikschaden ausgefallen, fast alle hatten mit beschlagenen Scheiben zu kämpfen. Scheiben? Nee, einer von uns hatte sogar nur eine Motorradbrille, unsere einziger Motorradfahrer Marcel aus der Schweiz auf seiner Quantya Strada.

Die ganze Dramatik und Szenerie zeigt dieses Video, wo Marcel – verdientermaßen – eine echte Hauptrolle spielt.


Die zweite Wertungsprüfung
an diesem Tag hätte mir auch so richtig Laune gemacht selber zu fahren, doch ich war pflichtbewusst vertieft in die Unterlagen, schaute mir den Plan vom Safety Park in Bozen an, setzte Punkte für Zwischenzeiten. Ziel war es eine Runde in einer frei gewählten Zeit vorzulegen und diese exakt nachzufahren. Pilot und Co-Pilotin zackerten leicht um die richtige Strategie herum, waren sich uneins. Kann passieren, ist ja auch nicht schlimm. Sonst hat aber immer alles bestens geklappt in der Kooperation, nicht, dass das jetzt hier falsch verstanden wird! ;-)

Vor lauter Hin- und Herüberlegen hat dann auch noch die eine Stoppuhr gesponnen und ist beim Fahren über die Startlinie der 2. Runde nicht losgelaufen. Geschätzte 4 Sekunden später hat das Aktivieren erst funktioniert. Wenn’s kommt, dann alles zusammen und richtig. Ich schätzte also die Zeit um diese verlorene Zeit dazu, eine andere Chance hatte ich nicht. Die zweite Runde ging dem Ende zu, ich zählte den Countdown bis zur Ziellinie und mein Pilot „parierte“ bestens. So haben wir trotz aller Umstände uns nur um 1,39 Sekunden „vertan“ und landeten in der Tageswertung auf Platz 9.

Ja, das war schon spannend. Entspannen konnten wir dann wieder nach der Zieleinfahrt in Bozen, als wir auf dem „Walther-von-der-Vogelweide-Platz unsere Fahrzeuge präsentierten. Die Fahrzeugpräsentation ist in meinen Augen immens wichtig und sollte auf keiner Veranstaltung dieser Art fehlen. In Bozen war es besonders gut gelungen, da auf dem Platz auch noch ein großer Stand der Stadtverwaltung aufgebaut war, die Zuschauer also interessiert angelockt wurden und staunend umhergingen. Gern haben wir auch hier wieder Fragen beantwortet, in einem Gespräch mit einem Italiener sogar in 4 Sprachen, da mir manchmal nur ein spanisches, englisches oder deutsches Wort einfiel, weil ich nur ein Restaurant-Italienisch und „bella macchina“ beherrsche. Aber er ging sichtlich zufrieden mit der Auskunft und unserem Bea-Tricks smart Flyer vom Platz.

Mediennachweis: e-miglia (Video + Slalom-Foto), Jörg Deckers (Kühe)

7 Gedanken zu “Die e-miglia ist einfach tierisch, 3. Tag

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    1. Florian, gute Idee auf jeden Fall, da stimme ich Dir zu. Unterschiedliche Gefährte? Stimmt! Autokaravane? Nein! Es ist eine Gleichmäßigkeits-Rallye, bei der man gelegentlich auch Convoi fährt, wenn nämlich die nachfolgenden Autos auf die vorfahrenden Autos aufschließen. Das heißt, man hat dann die Minute Vorsprung aufgeholt, in diesem Abstand wird nämlich gestartet.
      Sinn, Zweck und Ziel der e-miglia ist die Erprobung und der Test auf Alltagstauglichkeit bis hin zum Extremen (Steigung, Überwindung Höhenkilometer) von Elektro-Automobilen. Dabei wird durch die Veranstaltung auch eine gute mediale Wahrnehmung forciert. Ich hoffe, das war eine aufschlussreiche Information zum Ziel der e-miglia für Dich.

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