MAN Lkw Testtag

Im MAN Lkw Slalom fahren ist eine Herausforderung

MAN hatte eingeladen, zur Präsentation der neuen Lkw-Generation mit Euro-6-Norm. Ich habe zugesagt, weil ich immer gern über den Reifenrand schaue. Und weil ich einfach neugierig war. Denn es bestand die Möglichkeit, dass auf einem nichtöffentlichen Testgelände auch die Nicht-Lkw-Führerscheinbesitzer das riesige Lenkrad in die Hand nehmen durften. Selber fahren? Immer gern dabei.

MAN Lkw Testtag
So stand ich also vor diesem Koloss: Lkw fahren – mein erster Gedanke war: „Endlich mal eine richtig (!) große Kiste durch die Gegend schaukeln. Trucker-Romantik auflodern lassen, die schon längst Geschichte ist, da es ein hartes Geschäft geworden ist. Aber darüber schreiben die, die sich damit auskennen wie das Pfundsmädel, die echte Truckerin Daniela, die auch mit dabei war und natürlich der netzbekannteste Trucker Maik.MAN Lkw Testtag
Ich schnuppere also nur mal divenmäßig in die andere Gewichtskategorie rein, denn ein Hauptthema – wie neuerdings – bei Jens Wilde wird das bei mir nicht werden. Aber es hat Laune gemacht. Doch zuerst stand ich etwas aufgeregt vor den Transport-Monstern. Jedoch steige ich einfach erstmal in jedes Fahrzeug ein und lerne es kennen. Ich saß also drin.
MAN Lkw Testtag
„So mal von oben herab ist ja auch was Feines“, dachte ich. Aber hochnäsig werde ich nicht, versprochen. Fast ehrfürchtig bin ich auch an das Abenteuer Lkw selber fahren ran gegangen. Wir waren auf einem Gelände, wo es erlaubt war, mit Instruktoren auf dem Beifahrersitz zu fahren. Diese hatten auch rechts Pedale, wie im richtigen Fahrschulwagen.
Aber dennoch mussten sie viel Vertrauen aufbringen, denn größer als 7,5 Tonnen bin ich noch nie gefahren. Und 7,5 Tonnen ist eben einfach nur ein „Koffer“. Da ist noch alles sehr gut mit Transferleistung (Achtung, Wortwitz!) zu erbringen; man muss einfach etwas weiter ausholen und das große Möbel ein bisschen eher bremsen, weil es eben mehr Masse hat.
MAN Lkw Testtag
Das ging auch ganz gut, die erste Runde sehr vorsichtig gefahren, dran gewöhnt und schon ging es zügiger weiter. Aber Wenn ich mir überlege, dass viele Besitzer der passenden Fahrerlaubnis diesen Lkw einfach ausleihen und fahren dürfen, ob sie Praxiserfahrung haben oder nicht – da wird mir ganz komisch zumute. In die enge Stadt zum Rangieren hätte ich jetzt nicht einfach mal so gewollt. Jedenfalls nicht ohne in Ruhe vorher ein bisschen üben zu können. MAN Lkw Testtag
Doch dann kamen die Monster dran, die ich offiziell in meinem Leben nie auf den öffentlichen Straßen fahren werde. Und deshalb war ich da! Empathie für die Trucker gewinnen, indem ich selber mal merke, wieviel dazu gehört, um so elegant um die Kurven zu kommmen. Um zu verstehen, warum Lkw-Fahrer so ungern bremsen. Denn du hast zwar 400-500 PS dabei, aber die Masse, die du dabei wieder in Gang bringen musst, das dauert und vor allen Dingen kostet das richtig Sprit.MAN Lkw Testtag
Diesel zu sparen ist auch eine Disziplin, die die MAN Trucks mit ihren Automatik-Getrieben gut beherrschen. Ich wollte allerdings den gelben Truck mit manuellen 12-Gang-Getriebe unbedingt mal ausprobieren. Zwölf Gänge … und wie schaltet man die? Natürlich nicht von 1-12, das ist ja klar. Meistens habe ich die Gänge 3-5-7 oder eben auch vom vierten in den sechsten geschaltet.
Ganz ehrlich? Zu entscheiden, welcher Gang gerade der beste ist, erfordert ganz schön viel Einfühlungsvermögen und vor allen Dingen Gewöhnung. Mein „Fahrschul-Lehrer“, der sich mit mir „quälen musste“, sagte mir süffisant zum Abschluss: naja, da haste aber auch mal locker auf 90 Liter zwischendurch für ein paar Sekunden Durchschnittsverbrauch hochgezogen. Normal ist circa die Hälfte oder weniger … also auf deutsch: wenn ich immer so fahren würde, wäre ich schon längst gefeuert! 😉
MAN Lkw Testtag
Ein absolutes Highlight – wie ich finde – war dann sogar von mir selbst initiiert. Natürlich bin ich von Lkw zu Lkw – egal ob sie größer und schwerer wurden – immer sicherer geworden. Das hätte ich nicht gedacht. Aber: es machte mir langsam richtig Spaß, darauf zu achten, nicht die weißen Linien zu überfahren. Den Ernstfall zu proben. Sich zu disziplinieren. Und genau dabei fiel mir ein, ich wollte mehr Challenge, ich wollte mehr Nervenkitzel. Und da dieser Kitzel nicht in der Beschleunigung liegt und ich mittlerweile ganz gut um die Kurven kam, wollte ich mehr. Ich wollte Slalom.MAN Lkw Testtag
Ich stieg also aus dem größten Truck aus, ging zum Ober-Instruktor und fragte: „Haben wir Pylonen? Und würde die jemand für einen MAN-Slalom aufstellen? Das wäre ein echter spaß. Ich möchte das unbedingt ausprobieren.“
Da man der – mittlerweile – temporär selbsternannten Lkw-Diva nix (oder kaum was) abschlagen kann, gingen zwei Jungs sofort los und taten, was gewünscht war.
Slaaaaaaloooom, olé!
MAN Lkw Testtag
Man muss umdenken. Aus dem immer noch vertrautem Pkw-Denken ins ungewohnte Lkw-Denken umschalten. Gar nicht mal so einfach. Folgendes Mantra half am besten: „Sei der Trailer!“. Also fühl‘ Dich in die Masse rein, denke immer daran, dass Du doppelt bis dreifach so lang bist, wie es Dir vorkommt.
Und: das drittletzte Rad, was man sieht, wenn man im Slalom um die Pylone muss. Das spielt eine große Rolle. Denn genau, wenn dieses Rad auf der Höhe der Pylone ist, kann ich dem Lkw die Richtungsänderung erlauben. So einen Slalom bin ich noch nie gefahren, das war ein einmaliges Erlebnis. Nachdem Thomas Gigold genügend Fotos gemacht hatte – vielen Dank nochmal auch für das Teilen an alle Teilnehmer/innen, musste er auch noch mal in die Fahrerkabine steigen und absolvierte den Parcour fehlerfrei. Am besten schnitt natürlich unsere geübte Fahrerin ab. Kein Wunder. Jedenfalls war es für mich klar, so souverän, wie sie mit allen Lkws umging. Wenn Lastkraftwagen so bewegt werden, als ob sie Ballett tanzen, dann hat das schon etwas. Ich sehe es immer gern, wenn jemand ein Fahrzeug beherrscht, egal welcher Größe und Art. Allein dafür hat sich der Besuch schon gelohnt.

MAN hat sogar die Artikel von uns auf ihrer Blogseite aufgenommen (meiner folgt dann bestimmt noch in der Aufzählung).  Siehe „Getestet und für gut befunden„.

Dort findet man die Artikel von Thomas „Mein erstes Mal Lkw Fahren“ und „Auf Tuchfühlung mit dem MAN TGX 18.480 Euro 6„.
Unsere Truckerin Daniela schrieb Der neue MAN TG Euro 6 oder „Ein Löwe im Schafspelz“ und über den MAN ProfiDrive.

Der Jens Stratmann war zwar nicht dabei, schrieb aber auch: MAN, MAN, MAN… LKW-Fahrer = Traumjob?

Linktipp zum weiteren Lkw-Blog:
Maik Erdmann mit Truckonline (hier sein Portrait)

Danke an MAN für die Einladung!

4 Gedanken zu “Im MAN Lkw Slalom fahren ist eine Herausforderung

  1. Nicole, da hast Du ja eine tolle Geschichte geliefert! Ich würde auch gern mal wieder einen richtigen „Brummi fahren, glücklicherweise darf ich das sogar auf öffentlichen Straßen. Denn während des Grundwehrdienstes (Juli 1985 bis September 1986) wurde ich tatsächlich von meinem Spieß (Kompaniefeldwebel) gefragt, ob ich etwas dagegen hätte, statt des Pkw- (denn ich zivil schon seit Juni 1984 hatte) gleich den Lkw-Führerschein zu machen. So eine blöde Frage! Dass die vier Wochen bei der Fahrschuleinheit in Bad Mergentheim die schönste Zeit der ganzen 15 Monate war, versteht sich von selbst. Den ganzen Tag waren wir auf Achse, mal ein „Kamerad“, mal ich am Steuer, Touren durch das schöne Taubertal, aber auch fast täglich in die „Großstadt“ Würzburg (meine Heimat), gern zwecks Brotzeitpause zum „Wertkauf“ (heißt heute „real,-“). Während meines Maschinenbaustudiums konnte ich dann dank der Klasse 2 tolle Jobs annehmen. So habe ich in mehreren Jahren das Riesenrad vom Schweinfurter Volksfest zum Würzburger Kilianifest gebracht. Das waren jeweils mehr als zehn Touren, meist mit zwei Anhängern auf einmal, was bei einer „Zugmaschine“ und mit maximal 25 km/h legal ist (das Doppelte ging aber auch). Allerdings durfte ich Autobahnen und Kraftfahrstraßen nicht benutzen, dadurch brauchte ich noch länger (und verdiente noch mehr). Die Rückfahrt ohne Hänger von Würzburg nach Schweinfurt ging dann stets über die A7 und mit knapp Richtgeschwindigkeit – Schausteller sind von der Fahrtenschreiber-Pflicht befreit! Später bin ich nur noch sehr selten Lkw gefahren, und wenn, dann nur „kleine“ 7,5-Tonner. Und die Möglichkeit, mal mit einem Sattelzug Slalom zu fahren, hatte ich noch nie. Darum beneide ich Dich und die anwesenden Kolleg(inn)en wirklich!

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