GORM: ich glaub‘ ich hab‘ ’nen Rad ab …

GORM 24h RennenDie verrückten 24-Stunden der German Off Road Masters. Was man da alles erleben kann. Ich bin um eine Erfahrung reicher, denn Off Road ist nicht nur Abenteuer sondern auch voller Überraschungen. Und man lernt viele Leute kennen, aber am besten, wenn man ein Rad ab hat.

jimnyDer Reihe nach. Die Trainingsrunden liefen super. Ich hatte ein wahnsinnig gutes Gefühl für den Jimny bekommen und es machte richtig viel Laune, durch das Gelände zu düsen. Es war noch hell, die Strecke vergleichsweise harmlos, aber auch nicht ohne. Bist du zu langsam, kannst du dich im tiefen Sand festfahren, bist du zu schnell, holperst Du über die Piste an anderer Stelle. Bäume wurden zu Schikanen, denn sie bildeten zum Beispiel ein Tor, dass man sofort nach (!) einer 90 Grad Kurve exakt durchfahren musste. Mit leichter Steigung und natürlich auch wieder komplett unbefestigt. Langsam fahren war da also auch nicht. Die richtige Geschwindigkeit musste getroffen werden. Da waren so einige tricky Stellen, wo man stark aufpassen musste.

GORM 24h RennenDas 24-Stunden Rennen begann, es war immer noch hell, aber es wurde entsetztlich staubig. Ich bin ja auch schon mal durch eine Wüste mit einem Geländewagen gefahren, aber da hatten wir viel Abstand zu einander. Und es waren keine ATV und Quads dabei, die nochmal die Hälfte mehr den Sand durchwühlen. Erstmal weil sie schneller sind und zweitens, weil sie dann natürlich vor Dir fahren.

Mein Stint begann, als es schon dunkel war. Vor mir waren Michael und Simone, die den Suzuki Jimny nur dreckig gemacht hatten, sonst war – nach Sichtprüfung – soweit alles okay, als ich den Jimboy übernahm. Die ersten 4 Runden liefen auch wirklich super.

Ich gewöhnte mich an die noch schlechter gewordene Piste, doch mit jeder Runde wurde die Sicht noch schlechter und die Winschutzscheibe verstaubte mehr. Über die Scheibenwischer hatte ich mir bis dato noch keine Gedanken gemacht, also fragte ich meinen off-road-erfahrenen Copiloten, ob es etwas bringen würde, die Scheibenwaschanlage jetzt zu bedienen?! Die Frage war, ob ich dann noch etwas sehen würde, und wie lange eben nicht. Anhalten war nicht, also eine günstige Stelle suchen, wo es eine Zeitlang geradeaus ging. Hört sich alles trivial an, aber man ist ja nicht mal eben auf einer Landstraße wo man gemütlich den Kaffeebecher wieder in den Cupholder stellt und entspannt die Schalter bedient.

Ellen Lohr, Polaris, GORM 24h JänschwaldeEllen Lohr im Polaris ist auf einmal hinter mir. Sie und ihr Team fahren auf Sieg, also will sie vorbei. Verständlich. Aber in Engstellen ist man nun mal langsamer im Jimny. Es sind physikalische und technische Grenzen gesetzt. Und gleichzeitig steigt mein Adrenalin-Spiegel. Ich will ja auch mithalten, keiner soll denken, ich fahre so langsam, weil ich es nicht besser kann. Doch wir hatten im Team gesagt, dass wir auf jeden Fall materialschonend fahren wollten. Ich versuchte diesen Spagat zu halten, doch ich geriet gerade in eine Phase, wo alle Schnelleren hinter mir waren und fühlte mich wie ein Pace-Car. Als die Hüpfer an mir vorbei waren, konnte ich mich kurzzeitig nur an den Rücklichtern orientieren, bis der Staub verflogen – oder sich einigermaßen wieder gesetzt hatte. Blindflug? Ein ganz bisschen, denn langsam kannte ich die Strecke viel viel besser.

GORM 24h JänschwaldeDas dachte wohl auch mein Copilot, als wir an die Stelle kamen, wo das riesige Monster-Schlagloch kam. Er sagte nix. Die Runde davor hat es zwar ordentlich geschaukelt, als ich durchfuhr, aber in der aktuellen Runde taten sich – sozusagen – Abgründe auf. Ich musste leicht rechts um die Kurve, die ganze Zeit waren schon Verschränkungen, die überwunden werden mussten. Hinter mir knatterten schon wieder die nächsten ATVs … die Sicht war schlecht und von adaptivem Kurvenlicht hatte der Jimny noch nichts gehört. Das hätte ich hier gut gebrauchen können.

Es machte Rumms! Wir flogen durch die Luft, um sehr, sehr unsanft zu landen. Ich fluchte wie ein Hafenarbeiter, daher keine Zitate an dieser Stelle. Mein Copilot wurde noch leiser als zuvor. Bis Marcus sagte: „Das war’s, die Achse.“ Ich wiederholte ungläubig: „Die Achse? Meinste sie ist hin?“, er bestätigte und meinte, dass wir versuchen, langsam in die Box zu fahren. So fuhr ich sehr sehr langsam das letzte Drittel der Strecke und versuchte mehr zu schweben als alles andere.

Es war fast eine Erlösung, als das Schild Boxengasse vor mir auftauchte. In der Gasse war sowieso Schrittgeschwindigkeit angesagt, so dass ich nicht weiter auffiel. Erst, als ich stehenbleiben musste, weil Fußgänger vor dem Jimny herumliefen, da passierte es: die Achse brach, einfach so. Das Rad knickte ab. Rad ab! Oh, Mann, ich war echt traurig in diesem Moment. Denn ich habe die Verantwortung für diesen Schaden. Ich habe schwer daran getragen, das könnte Ihr mir glauben. Das steckt man nicht einfach so weg.Jimny hat ein Rad ab

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Jimny wieder – von einem Trecker gezogen – in unser Box war. Mein Team interessierte sich – logischerweise – nur fürs Auto. Meine liebe Teamkollegin Andrea war sehr gefasst. Die Männer weniger. Und es wurde überlegt. Was tun? Keine Ahnung. Zum Reparieren oder zum Austausch war nichts da. Unsere Boxen-Nachbarn hatten das Brimbamborium natürlich mitbekommen und fragten in gebrochenem Deutsch und Englisch nach, was denn mit Jimny sei. Nico und Hendryk, die sich gerade noch um den Jimny kümmerten, antworteten, dass das Rennen für den Jimny wohl vorbei wäre. Achsbruch.

reparatur_tschechenDie tschechischen Nachbarn, mittlerweile standen nicht mehr 2 sondern 5 um Jimny herum, antworteten, dass das ja wohl nicht sein könne. Jimny müsste weiter fahren! Sie lieben Jimny, also alle Jimnys, aber diesen heute nun besonders. Es war rührend und es war unglaublich, wie schnell 10 Tschechen um das Auto herum waren. Ihr Lohn wurde in Biereinheiten verhandelt und so wurde schweres Arbeitsgerät wie Schweißbrenner, ein zweiter Generator und die Werkzeug-Wagen-Schrankwand (echt riesig) zu uns gerollt. Emsig arbeiteten die Tschechen, dass wir im Team uns immer nur anschauten und ungläubig immer wieder zu Jimny und den Lebensrettern schauten. Sie werkelten und schraubten, schweißten und das Wunder von GORM geschah.

Das Wunder von GORM:
Jimny stand wieder auf vier Füßen! Zwar war der Allrad-Antrieb nicht mehr funktionstüchtig, aber er fuhr. So konnten Michael und Nico noch ein paar Runden drehen, bis dann der nächste Unfall anstand. Leider wissen wir nicht wer es war, aber Nico schrieb (Zitat): „Feindkontakt … Da meinte mal wieder jemand in einer engen Stelle, er müsste unbedingt an uns vorbei. Ende vom Lied: Panhard Stab und ein Längslenker der vorderen Achse abgerissen. Also mal wieder alles auseinander und schweißen…“reparatur2

Somit war ziemlich klar: die erforderlichen Stunden (66%) für die 24 Stunden werden wir nicht mehr schaffen. Also ging es letztlich nur noch darum, dass der Jimny wieder „Hängerfein“ gemacht werden sollte. Dachten wir erstmal. Dann fiel uns noch ein, dass wir ja noch ein paar Ehrenrunden drehen wollten. Allein für die Tschechen. Wir sind dann noch 2x rausgefahren – jeweils in anderer Teamkonstellation, um doch noch zu sehen, was ein 2-Rad-getriebener Jimny kann. Doch die tiefen Sandstellen sind einfach nicht zu machen. Aber jedes Mal, wenn wir an der Stelle waren, wo die Tschechen standen, um das Rennen zu beobachteten, war eine riesige Laola-Welle und ein lautes Jubelgeschrei zu hören. Echt rührend, die Nachbarn waren einfach toll. Sie sind nämlich 700 km (eine Strecke) gefahren, um ziemlich schnell mit einem Motorschaden auszufallen. Die Sache mit dem Jimny hat sie dann nochmal stimmungsmäßig echt nach vorn gebracht und sie hatten wieder Spaß.

GORM 24h JänschwaldeSpaß hatten wir alle, auch wenn schwarze Stunden dazwischen waren – klar, es war ja Nacht. Aber ich möchte allen aus meinem Team danken, wie toll wir zusammen gehalten haben und wie toll die Stimmung war, auch als klar war, dass wir es nicht mehr in die Wertung schaffen. Danke! <3team

Hier noch der Bericht von Mone, die alles aus ihrer Sicht schildern wird …

2 Gedanken zu “GORM: ich glaub‘ ich hab‘ ’nen Rad ab …

  1. Fahre den Jimny seit 5 Jahren, teilweise rauher Einsatz im Gelände (Jäger). 140000 ohne Probleme, Wasserpumpe und Bremsen waren die einzigen Reparaturen. Verbrauch im Schnitt 6 Liter Diesel. Autobahnfahrten auch mit Hänger kein Problem wenn man nicht rasen will. Bester Geländewagen, ich komme damit auf jeden Acker oder mitten in den Wald zum Wild bergen.

  2. Pingback: Alle lieben den Suzuki Jimny – Video | Auto-Diva

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