Porsche 911 Carrera S Cabrio Probefahrt

Fahrerlebnis Porsche 911 Carrera S Cabrio

Die Freude war riesig groß, als ich die Einladung bekam, am Presse-Event für das 911 Carrera Cabrio teilzunehmen. Ein Fuchsfelgen-Kiekser (Erklärung in meiner persönlichen Porsche-Historie) war nicht zurückzuhalten, obwohl es heute nicht mehr um diese Felgen geht. Eins ist jedoch unverändert: der Schlüssel ist links, Gas ist rechts.

Drin gesessen und mit dem Porsche Cabrio selber viele Kilometer gefahren, was ein Spaß. Außer im dichten Stadtverkehr (den ich aber auch nicht wirklich brauche) konnte ich viele Situationen testen.

Spannend ist die Serpentinen- bzw. Bergstrecke rund um Maspalomas (Gran Canaria) gewesen. Fahrwerk, Reifen, Bremsen Handling und das ganze Performance-Paket haben gestimmt. Dieses Grinsen, Ihr wisst Bescheid, bin ich kaum losgeworden. Losgeworden? Losgelassen! Aber es galt immer: „Safety first“.

Wenn die Landstraße sich verengt, die Häuser verschwinden, die Leitplanken-Dichte zunimmt, dann geht es erstmal bergauf. Kein Problem für den offenen roten Bergteufel, es scheint ihm genau so viel Freude zu machen, wie mir. Die Kurven werden enger, die Bergwände steigen steil zur einen Seite empor, auf der anderen Seite der metertiefe Abgrund. Das Gefühl, sich so sicher wie eine rote Bergziege beim Aufstieg zu fühlen, ein sicheres Auto „an Berg“ zu haben, ist unbezahlbar. Der Preis bei einem Porsche ist hoch, aber nicht der Gipfel, er ist es wohl auch Wert.

Im Vergleich zu den früheren Modellen (siehe unten), die ich schon erfahren durfte, stelle ich fest, dass kleine Fahrfehler (provoziert natürlich) sehr gut verziehen werden. „Früher“ wäre man einfach nur „abgegangen“ wie ein felliges Haustier des Nachbarn Schmitz, heute regelt die Elektronik vieles und gleicht aus. Details zu PDDC und PTV Plus im Porsche Technologie Lexikon zum Nachlesen für die Technik-Freaks, nicht stören lassen, dass dort Panamera steht.

Doch wer möchte schon über Technik nachdenken?

Technik muss funktionieren und man muss nicht an sie denken müssen. Weiter geht es die bergigen Steinhaufen hoch, die Automatik (PDK, 7-Gang) schaltet von sich aus intelligent, so dass keine Beschleunigungslöcher entstehen, aber wie auch? Bei 400 PS sollte das nicht passieren …  Zeit, um das Bergmassiv etwas stärker zu bedröhnen, also den Sport-Modus einzustellen. Die Sound-Ingenieure haben jedoch kein MP3 eingebaut, sondern der Sound Symposer wird aktiviert. Die echten Geräusche werden besser in den Innenraum geleitet, so kam es mir jedenfalls vor. Runs good, looks good, sounds good, oder so …

Am Gipfel auf der Aussichtsplattform angekommen, stieg ich aus und erkundigte mich nach dem Wohlbefinden meines Beifahrers. Er war still gewesen, aber nicht blass geworden. Strapazierfähig, nenne ich so etwas. 😉  Ihm ging es – laut eigenem Bekunden – hervorragend, was ja nicht anders zu erwarten war. Oder sagen wir so: er war von meinen Fahrkünsten begeistert, von den vielen Kurven aber nur so halbwegs.

Die Retourkutsche sollte ich bekommen: ich als Beifahrerin für den Rückweg. Und ich bin eine sooo schlechte Beifahrerin, die die Teppichmatten rechts ständig „durchbremst“. 😉 Aber ich muss sagen, dass der SWR doch auch sehr gut fahrende Moderatoren „beherbergt“. Für die ganz Neugierigen: es ist Thorsten Link von startklar, der sich die Ehre gab, mir zu zeigen, wo der rote Frosch ohne Käppi das Gaspedal hat.

Wir haben jeweils also nicht nur den Porsche getestet, sondern auch gegenseitig unsere Fahrkünste und Beifahrer-Qualitäten. Das ließ sich steigern. In dem wir wieder bergab, Richtung Meer fuhren.

Der Circuito Maspalomas

Auf dieser Rennstrecke sollte sich das Cabrio zum geschlossenen roten Blitz verwandeln. Blitz wie blitzschnell, nicht was meine geschätzten Auto-Blogger-Kollegen jetzt wieder witzeln werden … das elektrische Windschott verschwindet genau so schnell, wie das Dach auftaucht, alles in 13 Sekunden. Dann schauen wir doch mal genauer hin: Interessant finde ich die Angleichung der Silhouette des Cabrios an das Coupé. Das ist pure Absicht, sagt Porsche und absolut gewollt. Ich finde es sogar gekonnt. Kompliment, das schönste Cabrio aus der Serie bisher, wie ich feststelle.

 

Es wird heiß, nein, nicht im Innenraum, sondern die Strecke. Das einzige, was gleich geblieben ist (zum Vorgänger) ist das Lenkrad, sagte man mir. Ich habe beide Lenkräder im S getestet. Die Lenkradpaddels (SportDesign Lenkrad) gefallen mir besser. In Verbindung mit dem Sport Plus Modus ist das geschlossene Cabrio nun eine ideale Rennmaschine, die auch Ideal-Linie fährt. Ich ernte Blicke meiner Eventkollegen, wie ich durch die Kurven sause, die Geraden auskoste, abbremse (mit der Keramikbremse PCCB) und wieder beschleunige, immer am Limit, aber sehr souverän.

So einfach ist das Fahren auf dem Circuito? War ich nicht schnell genug? Ich fragte mich schon, ob ich – als einzige Frau – vielleicht den „lahme Enten Award“ gewinnen würde. Es schien mir gar nicht so schnell zu sein, da ich mich so sicher fühlte. Aber weit gefehlt. Es gab sogar von der Rennleitung zwei anerkennende „Thumbs-Up“ nach meinen schnellen Runden und auch die Presseabteilung schien nun mehr als beruhigt, dass Autobloggerinnen wie ich auch Fahrtalent und nicht nur Schreibtalent besitzen.

Übersichtlichkeit nicht 100% und die Sitze

Einen ganz kleinen Nachteil habe ich entdeckt, den ich auch erwähnen möchte, es geht ums Sitzen. Im Speziellen und Allgemein. Der Seitenhalt ist bei dem Modell „Adaptive Sportsitze Plus“ mit 18-Wege Automatik am besten. Umgekehrt wird eine Sitzkritik daraus, die weniger adaptiven Sitze bieten mir persönlich zu wenig Seitenhalt.

Ein zweites Manko sehe ich in der Übersichtlichkeit. Gar nicht mal die Breite des Hecks, sondern, wenn ich auf der Fahrerseite die Abmaße vorn rechts (Richtung Außenspiegel re.) abschätzen möchte, dann wird es teilweise schwierig, da unübersichtlich. Ich sage nur „Klein-Poller-Problematik“ … sicherlich eine Gewöhnungssache, aber man MUSS sich erstmal dran gewöhnen. Ich sitze übrigens immer recht tief in Sportwagen, aber auch größere Menschen haben mir dieses „Kleinmanko“ bestätigt.

Mit dem Porsche segeln, wasserfrei natürlich

Wie schon auf Google+ versprochen noch etwas zum Segeln: Porsche hat nicht nur einen Sportmodus, sondern auch einen „Entspannungsmodus“ eingebaut, nennt ihn aber natürlich nicht so. Also bitte nicht zum Porsche-Händler schlendern und nach dem neuesten Relax-Assistenten fragen, sondern wirklich nach der „Segelfunktion„. In kurzen Worten erklärt: Segeln bedeutet ein automatisches Abkoppeln des Motors für reibungsarmes Rollen des Fahrzeugs. Das soll dann sogar („räusper“) Kraftstoff sparen. Jetzt nicht schmunzeln … ich kann die Idee gut nachvollziehen. Da nicht alle Porschebesitzer ständig auf Rennstrecken, Serpentinen oder Autobahnen unterwegs sind, tut das der Alltagstauglichkeit gut. Ja, mein Fazit ist wirklich „alltagstauglich“. Ich habe mich so schnell an diesen herzroten Knutschflitzer gewöhnt, dass ich ihn nicht mehr hergeben mochte. Stünde er vor meiner Tür, ich würde damit auch gern alltägliche Strecken fahren.

Weitere Fragen? Gern! Ich könnte noch stundenlang über Details schreiben, über das Dach, die Innenausstattung, Technik und so weiter und so fort, daher: fragt mich bitte, wenn Euch etwas in meiner Beschreibung fehlt, Ihr etwas wissen möchtet.

 

Meine persönliche Porsche Historie

Mein Martini-Racing Matchbox-Auto war ein 911, da war ich in der Grundschule. Die klassischen Fuchsfelgen lassen mich (immer!) einen freudigen Kiekser ausstoßen (siehe oben!), wenn ich sie erblicke, natürlich muss ein 911 „drumherum“ sein. Ich habe den 911 schon als klassischen Schaltwagen fahren dürfen, sogar als Cabrio in Türkis. Selber habe ich noch nie einen besessen, aber die Kundenautos meines Vaters oder die von Freunden durfte ich öfter fahren.

Als die Tiptronic für den 993 herauskam, musste ich sie sofort ausprobieren. Das war kein Problem, ich musste nur meinen Autoschlüssel gegen „seinen“ Porscheschlüssel tauschen und in die Garage gehen. Ja, und dann natürlich losfahren, nicht dass Ihr denkt, ich hätte nur in der Garage die Knöpfe gedrückt.
Mit meinem „Nachwort“ will ich sagen: der 911 hat mich schon mein ganzes Leben lang begleitet und eine gewisse Begeisterung kann ich auf keinen Fall verbergen. Die rosarote Brille habe ich aber zu Hause gelassen! Denn ich schaue immer kritisch, ob mir etwas auffällt, gefällt oder eben auch nicht.

Fotos: Christoph Bauer, Porsche Fotoproduktion
Disclosure: Porsche hat mich eingeladen und die Reisekosten übernommen. Dieser Beitrag spiegelt meine eigene Meinung wieder.

12 Gedanken zu “Porsche 911 Carrera S Cabrio Probefahrt

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