Tazzari Zero – Probefahrt + Praxisbericht der kleinen italienischen Knutschkugel

Tazzari Zero – der kleine Italiener unter den E-Autos. Das erste Mal habe ich ihn — in Orange — auf dem E-Mobility Day in Hannover gesehen, rechts seht Ihr das Foto, beim Draufklicken wird es auch größer und ist besser zu sehen.

Ein kurzes Video (während des Ladevorgangs) habe ich vom orangefarbigen Modell erstellt, achtet bitte auf die Disco-Mäusekino-Lichtorgel im Cockpit:

 

Dann — in Grün — auf der Silvretta E-Auto Rallye, aber leider nicht so den rechten Draht auf Anhieb bekommen, das Foto aus dem Parc Fermé habe ich für Euch herausgesucht. Erst auf der e-miglia bzw. direkt am Abreisetag — ganz in Rot — habe ich TuchLenkradfühlung aufnehmen können. Daten und weitere Info zur rollenden Elektro-Pizza gibt es auf deutsch auf der smiles Website und von mir:

Tazzari Zero:
2 Sitzplätze, Kofferraum 180 l in 2 Laderäumen
Maße: 2,88 m lang, 1,55 m breit, 1,40 m hoch
Gewicht: 542 kg (inklusive Batterien)
Bremsanlage: hydraulisch mit Rekuperation, 4 Scheibenbremsen, elektr. verstärkt
Motor: 15 kW Drehstrom-Asychronmotor, Heckantrieb
Beschleunigung: 5 Sekunden von 0 auf 50 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Reichweite: bis 140 km
Ladezeit: 9h Haushaltssteckdose, Drehstrom 1h (80% Kapazität)

Vor der Abreise von der e-miglia ergab sich ein zufälliges Treffen mehrerer Leute vor dem Hotel und man unterhielt sich — wie sollte es auch anders sein — noch über die E-Autos. Die Co-Pilotin des Tazzari Karin Mewald konnte sich im Tesla von Patrick austoben, äh probefahren und war danach 3 Tage lang endorphindurchsetzt happy. Kann ich nachvollziehen, bin ja nach ihr auch noch Tesla gefahren. Der Tazzari-Pilot Heinz J. Rabe ließ sich gern bitten und uns ebenso Probefahren. Ganz zum Schluss kam ich dran. War wohl auch besser so, ich sage nur „Handschuhfach“ … wenn ich erstmal loslege.

Ich hatte zwar keinen Slalomparcour, aber den Kreisel habe ich mit „High-Speed“ genommen. Und auch sonst habe ich keine Spaghetti anbrennen lassen, sprich: ich habe das Gaspedal bis zum Bodenblech durchgetreten. Man muss ja schließlich ausprobieren, ob der Tazzari einen Babysteinbutt oder eine Seezunge vom Teller zieht. Ich glaube, Heinz hatte meine doch sehr flotte Fahrweise nicht erwartet, aber er wurde auch nur ein ganz kleines bisschen weiß um die Nase, merkte er doch schnell, dass ich weiß, was ich tue.

Sein erster, anerkennender Satz, als wir wieder am Hotel ankamen: „Darf ich einen Rallye-Kurs bei Dir belegen?„, hat mich gefreut … und in der E-Mail von neulich bestätigte Heinz: „nach dem kleinen Rallyefahrkurs mit dir bin ich danach gleich viel dynamischer gefahren!  ;-) Wir haben eine ganz schöne Tour über den Gardasee zurück nach München gehabt.“

Karin hat eine tolle Geschichte über die Rückfahrt mit Heinz im Tazzari per E-Mail geschrieben, die zu schade ist, dass sie nicht veröffentlicht wird (daher habe ich mir die Erlaubnis geholt!), sie fängt so an:

Liebe e-miglia Freunde,
wie versprochen ein „paar“ Worte und Eindrücke über unsere Rückfahrt nach München mit unserem roten Flitzer. An Euch alle nochmals ein DANKE SCHÖN, es war eine herrliche Zeit und eine tolle Erfahrung.

e-miglia & urlaub mit tazzari zero

e-miglia – eine Erfahrung mit e-motion, die wir nicht missen möchten. Neben der tollen Organisation & (Strom)versorgung und den herrlichen Strecken waren es für uns vor allem die Menschen, die wir hier kennen lernten, die diese Fahrt besonders und speziell machten. Ein herzliches Dankeschön an alle und hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen. Einen besondern Dank möchte ich nochmals unserem freiwilligen „Serviceteam“ Tazzari sagen, die Welle der Hilfsbereitschaft aus allen Teams, besonders von unseren professionellen Tazzari Rettern & nach meinem Super-Power Ladeversuch war unbeschreiblich. Ihr habt nicht nur ein Auto wieder repariert, sondern auch unseren Urlaub (wenn nicht mehr :-)) gerettet. DANKE

Samstag, 07.08.

Verwöhnt von der perfekten Stromversorgung während der Rallye war nun der erste Weg in den Baumarkt um ein Verlängerungskabel und einen Adapter für die italienischen Steckdosen zu kaufen. Von Roveretto geht es nach Riva del Garda und wir sind schon etwas gespannt, wie man uns bzw. vielmehr unserem Fortbewegungsmittel entgegenkommen wird. Wir hatten während der Rallye viel über unser Auto gelernt und waren voller Pläne für die gemütliche Rückfahrt. Noch mit einem klaren Nein bei der Zimmerreservierung wurde unser Tazzari im Landhaus Festa del Fer doch gut aufgenommen und durfte in einer früher für den Puch 500 gebauten Garage (exakte Tazzari Größe) laden. Wir stiegen um auf Fahrräder und gönnten uns einen Erholungstag am See.

Sonntag, 08.08.

Von Riva del Garda über Tenno – Passo DEL BALLINO (763m) – Fiare – Passo DURONE (968) nach Pinzola, wo wir zum Mittagessen Halt machten. Nachdem wir der freundlichen Dame in der Pizzeria erklärt haben, dass wir unser Auto nicht ins Lokal zum Anstecken bringen könnten, durften wir hinterm Haus beim Kücheneingang unser Auto laden. Während wir uns stärkten und einen kurzen Spaziergang machten, holte sich unser Tazzari soviel Kraft, dass wir über Madonna die Campiglio (1.500m) Male & Mostizzolo erreichen, wo wir bei einem gemütlichen Kartenspiel und Kaffee trinken nochmals nachladen durften und bis nach Rumo/Marceno weiterfuhren– ins Hotel Cavallo Bianco, wo wir mit unserem Auto mit Verlängerungskabel wieder freundlich aufgenommen wurden. Wobei wir uns daran gewöhnen mussten, dass anfänglich dem Auto immer mehr Aufmerksamkeit als den Fahrern entgegen gebracht wurde.

Montag, 09.08.

Auf Empfehlung einer unserer Wirte brachen wir über den Pass PROVES (1.420m) ins Val´dUltimo auf – oft nur noch mit Motorradfahrern und Radlern auf der Straße fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein durch Südtirols Bergwelt. Nach einem gemütlichen Mittagessen, wo unser Tazzari wieder an die Steckdose durfte, ging es weiter über Lana und Meran zum bereits bekannten Quellenhof, hier durften wir nochmals laden, um uns fit für unsere persönliche Königsetappe zu machen, die Fahrt über´s Timmelsjoch! 2.474 zurück nach Österreich. Bis heute weiß ich nicht so genau, ob Heinz mit mir scherzte, als er mich mitten auf der Strecke fragte, ob 1.500 der höchste Punkt sei oder ob er die 2.500 Höhenmeter wirklich ausgeblendet hatte. In der Abendsonne fuhren wir mit dem kleinen roten Flitzer durch herrliche Täler ins Hochgebirge – am Pass leuchtete zwar die Batterieanzeige mit unseren strahlenden Augen um die Wette, aber auch diese Herausforderung wurde von dem kleinen Tazzari bravourös gemeistert. Im Hotel zur alten Mühle in Hochgurgel erhielt unser tapferes Auto dann wieder einen Privatgaragenplatz mit Steckdose.

Dienstag, 10.08.

Nach einer kurzen Wanderung in Hochgurgel und wieder mit einem dem Tipp des Hoteliers doch über das Hantenjoch zu fahren, ging es nachmittags weiter. Durch das Ötztal Richtung Imst und weiter in die Berge auf das Hantenjoch (1894m), hier hatten wir wohl die lustigste aller unserer Ladestationen. Kurz vor der Passhöhe kehrten wir auf der Maldon Alm ein, wir ignorierten das Fahrverbotschild und dachten schon, der wild gestikulierende Bauer ist wohl deswegen böse, aber hinter uns kamen nur die Kühe, die zum Melken zurück in den Stall getrieben wurden – schnell sind wir noch durch die Gattertore und durften unseren Tazzari wieder unter großem Hallo anstecken, während dahinter die Kühe gemächlich in den Stall trotteten. Wir genossen die Ruhe, die Sonne und unser Kartenspiel und sind mit geladenen Batterien und vollem Magen weiter bis nach Reutte, wo wir im Hotel Tannenhof während des Abendservices erstmals für etwas Aufregung sorgten, haben jedoch auch hier ohne viel Aufheben eine Steckdose bereitgestellt bekommen.

Mittwoch, 11.08.

Von Reutte ging es über Füssen – diesmal am Westufer des Forggensees über Schongau & Peiting nach Dießen am Ammersee zur Park & Charge Ladesäule am Bahnhof. Während unser Tazzari lädt, segeln wir nach anfänglicher Flaute bei herrlichem Wind am Ammersee und bei einem tollen Abendessen am See klingt unser Urlaub aus. Nach über 1.200 km und ungezählten Höhenmetern (ca. 14.000) rollt der Tazzari nach 10 Tagen wieder zu seiner heimatlichen Ladestation in Puchheim.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir überall freundlich aufgenommen wurden, überall laden konnten und eigentlich nur einmal der Strom nicht über´s Trinkgeld abgerechnet wurde. Unser Auto hat Aufsehen erregt, wo wir Halt machten – überall wurden wir von den Menschen angesprochen und über technische Details ausgefragt – mit teils sehr überraschten und durchwegs positiven Reaktionen. Urlaub mit dem Elektroauto macht dem Weg zum Ziel – man genießt die Landschaft und die kleinen Straßen abseits der Hauptverkehrsrouten – wir haben es mit Motorradfahren verglichen. Es erfordert eine andere Zeitplanung als ein konventionelles Auto und entweder mehr Zeit oder kürzere Strecken als sonst. Wir haben diese entschleunigte Fortbewegungsart sehr genossen und sind uns einig, dass wir sicher nicht das letzte Mal mit unserem Tazzari Zero aufgebrochen sind, um Mitteleuropa zu erobern.  … und aufpassen – bei der nächsten Rallye fahren wir vorne mit!

Karin Mewald gibt uns noch einen „uneigennützigen“ Urlaubstipp, Hotel Veltlin im Niederösterreichischen Weinviertel:
Für alle, die mit ihrem Elektroauto ins Weinviertel kommen möchten — mein Hotel Veltlin hat ab sofort Ladestationen (auch Starkstrom) für Euch bereit!“

So ist es richtig, mit gutem Beispiel voran, um die E-Mobilität zu unterstützen. Ich hoffe, Karin, Du hast auch freies W-LAN und genügend Steckdosen für die smart-Phones und Netbooks in den schönen Zimmern! ;-)

Foto Heinz + Nicole im Tazzari: Jörg Deckers, Fotos Reisebericht: Heinz und Karin, alle anderen Fotos: von mir
Musik im Video: (CC) von Naïfloop, Titel: Dancing

5 Gedanken zu “Tazzari Zero – Probefahrt + Praxisbericht der kleinen italienischen Knutschkugel

  1. Pingback: new mobility
  2. Pingback: Nicole Y. Männl
  3. Pingback: Wattgehtab News
  4. Pingback: Smiles e-mobility
  5. Pingback: Tazzari Zero: ein Cabrio als Elektroauto | Nachhaltig Mobil

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.