Rant Straßenverkehr

Rant: Mehr als ärgerlich und gefährlich – Verhalten anderer im Straßenverkehr

Vorsicht Rant … Es regt mich auf! Wie oft sitze ich im Auto und denke: „Wie gern hätte ich jetzt die Lizenz, um die Fahrerlaubnis von anderen Verkehrsteilnehmern zu entziehen!“ Ich wäre übrigens absolut fair dabei und würde das nur in harten Fällen und detailliert begründet tun. 

Sicher, zugegeben, jeder macht mal aus Versehen Fehler beim Autofahren. Doch was einem mittlerweile auf den Straßen an bewusster Aggressivität und absichtlicher Rücksichtslosigkeit begegnet, passt auf keine Kuhhaut. Was denken sich die Leute? Oder – denken Sie überhaupt noch beim Autofahren? Manchmal habe ich das Gefühl, sobald jemand auf dem Fahrersitz Platz genommen und den Motor gestartet hat, fühlt sich derjenige wie Rambo am Steuer mit dem Intelligenzquotienten eines Neandertalers. 

Woran liegt das veränderte Fahrverhalten?

Es gibt sicherlich viele Studien dazu. Ich habe jetzt keine Lust, diese alle zu recherchieren. Ich stelle jetzt mal Vermutungen auf: 

  • Unsere Autos geben uns das Gefühl von Sicherheit. Von einigen missinterpretiert als „Unsterblichkeit“. Genau so – wie ein Highlander – fahren sie dann auch.
  • Es ist immer mehr und damit viel zu viel Verkehr auf der Straße. Die Dichte und dass man ständig im Stau steht, fördert die Aggressivität. Im Kopf mancher Leute scheint dann der Gedanke „Hoppla, jetzt komm‘ ich – verteilt euch!“ sämtliches Vernunftsdenken auszuschalten.
  • Durch die aggressive Fahrweise und/oder mangelnde Aufmerksamkeit entstehen mehr Unfälle und wir alle stehen wiederum noch öfter im Stau.
  • Die Denke „My car is my Castle“ fördert den starken Willen zur Verteidigung und Dominierung anderer Verkehrsteilnehmer. Die Abteilung „Miteinander und Rücksichtnahme“ im Gehirn hat Pause oder ist dauerhaft geschlossen.

Es ist ja wirklich nicht so, dass ich mich über das Fahrverhalten anderer aufrege, weil ich auf meine Vorfahrt verzichten muss, damit kein Unfall passiert. Es ist einfach brandgefährlich, was die Leute anstellen. Dieses „Ich fahre schnell mal vor, weil mein Auto mehr PS hat“, ist im Kreisverkehr einfach nicht zu tolerieren. Denn ich muss hart in die Eisen (Bremsen) gehen, damit ich den Auffahrunfall vermeide. An dem ich keine Schuld hätte, aber eventuell (mangels Zeuge im Auto) auch noch absurderweise eine Teilschuld bekäme. Von möglichen Einbußen meiner Gesundheit durch unfallbedingte Verletzungen ganz abgesehen.

Wenn ich zählen sollte, wie viele Unfälle ich in meiner Autofahrerkarriere verhindert habe, dann steht mir bestimmt schon ein Orden zu. ;-)
Mein Mantra lautet: Es ist doch gar nicht so schwer, dass man vorausschauend fährt und mitdenkt sowie höflich und respektvoll miteinander umgeht. Auch wenn man einen Blechpanzer um sich herum hat. 

Übrigens sollte man sich nie auf das Blinken von Autos verlassen! Besonders, wenn man an einer Einmündung zur Hauptverkehrsstraße steht und der Döspaddel einfach nur vergessen hat, den Blinker nach rechts auszumachen – aber weiter geradeaus fährt. Ich warte – nicht erst seit diesem Erlebnis – darauf, dass die Straße wirklich frei ist, wenn ich in so einer Situation bin. Das hat mir garantiert schon einiges erspart. Übrigens: mir egal, wenn die nachfolgenden Fahrzeuge genervt sind. Es geht um Unfallvermeidung und da zählt „Eile“ und falsche Hektik nicht!

Meine bisherigen Unfälle, in die ich schuldlos verwickelt wurde – drei an der Zahl – waren jedoch allesamt Auffahrunfälle. Andere sind von hinten auf mein Auto gefahren. Und das liegt bestimmt nicht daran, dass ich schnarchlangsam fahre … im Gegenteil. Wenn Platz ist, wenn ich die Situation im Griff habe, könnte man sagen, dass ich sehr zügig fahre. Dabei halte ich mich dennoch an die Verkehrsregeln.  

Auffahrunfall - Rant gelbe Ampel überfahren wollen
Obwohl auf den ersten Blick an meinem Heck nicht viel zu sehen ist, war der Auffahrunfall (an der gelb zu rot wechselnden Ampel) heftig und verursachte Kosten im vierstelligen Bereich. Das war kein Bagatellschaden! Holt euch einen Gutachter zur Schadensfeststellung (mein Tipp).

Auffahrunfall gelbe Ampel

Gerade neulich – also der dritte Auffahrunfall – ist mal wieder typisch. Ich fahre auf einer Schnellstraße, die vor dem Ortseingangsschild auch schon durch Geschwindigkeitsbeschränkung die Autofahrer herunter bremsen sollte. Das letzte Schild zeigt eine 70 km/h-Beschränkung. In weiter Ferne hinter mir ein Transporter (Trafic), der schnell aufschließen möchte.

Das Ortseingangsschild bedeutet 50 km/h – nur noch mal zur Verdeutlichung. Ich halte das ein – mit der üblichen kleinen Toleranz, also laut Tacho um die 52 oder so. Denn – und jetzt wird es interessant – vor mir ist dichter Stadtverkehr und eine Ampel! Als die zuerst grüne Ampel gelb zeigt, komme ich ganz normal zum Stehen. Ein normal kräftige Bremsung, weil ich – in der fremden Stadt – nicht weiß, ob nicht ein Ampelblitzer irgendwo installiert ist. Aber auch ohne Blitzanlage fahre ich nicht mehr bei Dunkelgelb. Ist mir zu teuer und zu riskant, dass ich auch noch die rote Ampel in der ersten Sekunde erwische.

Eine gelbe Ampel bedeutet:
Auf das nächste Zeichen warten. Bei beginnender Gelbphase (von Grün) muss der herannahende Fahrer sein Auto zum Anhalten bringen. Der Gelblichtverstoß kann mit einem Verwarnungsgeld von zehn Euro bestraft werden. Eine gelbe Ampel darf also nicht als Aufforderung zum Gasgeben verstanden werden.

Als ich an der – mittlerweile von gelb auf rot umspringenden – Ampel stehe, kommt der Trafic hinter mir nicht mehr rechtzeitig zum Stehen! Er schiebt mich sogar ein ganzes Stück weiter in Richtung Kreuzung. Und das alles nur, weil die Leute eine von grün auf gelb umspringende Ampel nicht mehr als Anhaltezeichen respektieren. Diese Fehleinschätzung ist sehr teuer für diesen Fahrer geworden. Ich hoffe, er hat daraus gelernt. Man kann dabei selber auch einfach nichts tun, um den Unfall zu verhindern. Das ist das Schlimmste, wenn man auf egoistische Idioten des Straßenverkehrs trifft.

Dass ich nicht allein auf der Welt mit meiner Einschätzung bin (dass andere Verkehrsteilnehmer ihren Kopf und die Augen ganz woanders haben, als auf der Straße), beruhigt mich dann kolossal – trotz allem Aufregens. Auf Facebook hat Heike ihrem Ärger Luft gemacht. So dass ich sie gleich gebeten habe: „Darf ich deine Erfahrungen zu meinem Ärger hier hinzufügen?“

 

Bühne frei für den Rant von Heike 

Denken ist Glückssache

Wo sind die Autofahrer eigentlich mit ihren Gedanken? Kürzlich stand ich in einem Stau auf einer dreispurigen Autobahn vor einer Baustelle. Alle paar Meter ein großes, gut sichtbares Schild, wie und wo bei Stau eine Rettungsgasse gebildet werden soll. Und was war? Nix. Die Leute tun es einfach nicht. Ist bei denen etwas mit den Augen? Oder doch eher mit dem Denkvermögen? Es kann um Menschenleben gehen, aber wenn es nicht das eigene ist, ist es wohl wurscht. Empathie? Fehlanzeige.

Thema Rant: Rettungsgasse - geht doch!
Rettungsgasse – geht doch! So ist es richtig. Einfach mal ausprobieren und mitmachen.

Verbote sind nur freundliche Empfehlungen

  • LKW-Überholverbote? Pah, verlasse Dich bloß nicht drauf. Viele Brummi-Fahrer folgen diesem zarten Hinweis nicht.
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen? Die sind für viele nur wohlgemeinte Empfehlungen. Muss man sich nicht dran halten. Und andere, die das womöglich tun, sind ja sowas von Idioten! Halten alle auf!
  • 50 km/h in geschlossen Ortschaften? Bah, langweilig! Kinder, ältere Menschen, Hunde, Katzen? Die sollen zusehen, dass sie von der Fahrbahn kommen. Aber wehe, jemand fährt mit 80 km/h am eigenen Einfamilienhaus vorbei. Dann ist aber was los!
  • Baustellen sind Schikane: Ich fahre neulich nachts gegen ein Uhr bei schönem, trockenen Wetter in einer Autobahnbaustelle. Es sind 60 km/h gesteckt, ich fahre ganz rechts schon mit 80 km/h. Trotzdem ziehen diverse PKW recht flott an mir vorbei. Nun gut, lass sie fahren, müssen sie ja selbst wissen.

Fahre halbwegs vorschriftsmäßig und Du bist Freiwild

Kurz darauf kommt ein LKW auf und fährt dauerhaft hinter mir, mit ungefähr zwei bis drei Metern „Sicherheitsabstand“. Das sieht aus einem „kleinen“ Porsche Boxster schon recht bedrohlich aus und so fühle ich mich auch. Bedroht. Denn der LKW-Fahrer kommt immer mal wieder etwas näher, damit ich ja nicht vergesse, dass er doch bitte schneller fahren möchte. Da ich allein bin, verbietet es sich, den LKW jetzt zu filmen, um ihn anzuzeigen. Also muss ich das aushalten. Am Ende der Baustelle kann ich endlich Gas geben und vor dem „Profifahrer“ in dem LKW flüchten, was er mit wildem Betätigen der Lichthupe quittiert.

Dieses aggressive Nötigen, übrigens nicht nur von LKW, kommt mittlerweile oft vor und zwar ganz unabhängig, mit welchem meiner Fahrzeuge ich gerade unterwegs bin. Da wird auf mich als Motorradfahrer auch gern mal auf einen Meter aufgefahren. Was glauben diese Idioten eigentlich, was sie da machen? Denken die wirklich, sie könnten noch irgendwie reagieren, wenn auch nur irgendetwas passiert? Ich bin tot, wenn etwas ist und denen wird wahrscheinlich nicht viel zustoßen. In der nächsten Stammtischrunde sind dann diese zu schnell fahrenden Motorradfahrer selbst schuld, wenn sie verunglücken.

Heike Scholz

Was mich zum Anfang zurück bringt: Zu dieser Sache mit dem Denken, wozu auch ein Mindestmaß an Empathie gehört. Scheint vielen, die zwar die Erlaubnis haben, am Straßenverkehr teilzunehmen, nicht gegeben zu sein. Gebt bitte den Führerschein ab, Ihr seid nicht qualifiziert!

 

Heike Scholz 

Heike aus Hamburg ist Speaker, Autorin, Mobilista und Geekette. Bekannt geworden ist sie mit „mobile zeitgeist“, dem führenden Online-Magazin rund um das Mobile Business im deutschsprachigen Raum, das sie 2006 gegründet hat. Wir sind seit 2012 Facebook-Freunde; über Twitter haben wir uns schon Jahre zuvor (2007?) über das Thema Smartphone, Apps und mobile Plattformen verknüpft. 

 

Alle Rant-Aufreger-Themen im Straßenverkehr stichwortartig zusammengefasst

(falls etwas fehlt, bitte als Kommentar ergänzen!)

  • Keine Rettungsgasse bilden
  • Rechtsüberholen
  • Riskante Überholmanöver vor Kurven / Kuppen
  • Autobahn-Linksfahrer (obwohl mittlere und rechte Spur frei)
  • Nichtblinken
  • Blinker an und geradeaus weiter fahren
  • im Kreisel Vorfahrt missachten und einem schnell vorfahren (obwohl kein Platz)
  • Drängeln
  • Aggressives Anhupen (aus Ungeduld)
  • Zu dicht hinten auffahren
  • Fahrbahn schneiden bei Spurwechsel
  • Zu enges Einscheren nach dem Überholvorgang
  • Viel zu enges Einscheren bei Regen (!) nach dem Überholvorgang 
  • Zum Überholen auf die linke Spur wechseln und einen einbremsen
  • Sicherheitsabstand der anderen dazu nutzen, um sich vor einen zu setzen
  • Unergründliches Schleichen (bei freier Strecke und guter Witterung)
  • Viel zu schnell in Baustellen fahren
  • Gelblicht der Ampel als Gasgeb-Impuls
  • Rotlicht missachten
  • Auf die eigene Vorfahrt bestehen, obwohl es keinen Sinn macht
  • … 

 

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