Das Auto von Morgen – Wünsche der Autokäufer

parismotorshow069citroenDie Autohersteller haben es nicht leicht, sie müssen Innovation, Fortschritt und Auffälliges auf ihren Messen präsentieren. So ist der Citroën Tubik auf der IAA gezeigt worden, doch in die Autohäuser schafft er es bestimmt nie. Zu utopisch, zu außergewöhnlich, das macht einigen Menschen vielleicht sogar Angst, dass sie dieses Auto fahren müssten. Die Blogger und die Presse stürzen sich natürlich auf ungewöhnliche Fotomotive – und schon ist der Hersteller im Gespräch. Das ist die eine Seite. Auf der anderen wichtigen Seite sind die Verkaufszahlen, auf die jede Marke mit ihren „Brot-und-Butter-Modellen“ angewiesen ist.

Zuwenig Technik oder zuviel?

Manchmal habe ich als Auto-Testerin das Gefühl, dass sich die Hersteller nicht trauen, spannende Technik ins Auto zu bringen. Andererseits ist der Kunde froh, wenn er nur das Lenkrad und zwei Pedale bedienen muss – nämlich für Gas und Bremse. Es kommt eben darauf an, wieviel man sich mit einem Auto beschäftigen möchte. Ich selber liebe es, wenn mich ein Auto herausfordert. Ich mag gern mal – zur Abwechslung – einen Rechtslenker fahren und mit der linken Hand schalten. Mir macht das Freude. Andere Autofahrer möchten nie in eine Situation kommen, wo sie das müssten, geschweige denn, dass sie das freiwillig tun wollten. FahrassistenzsystemeIch liebe es, neue Assistenzsysteme auszuprobieren. Im gleichen Zuge möchte ich sie aber auch abschalten können, wenn ich sie nicht mag. Was mich am meisten nervt, sind Sensoren, die anfangen zu piepen, wenn eine Handtasche auf dem Beifahrersitz steht, weil das Auto meint, es wäre ein Insasse, der sich nicht anschnallen möchte. Warum gibt es da keine Aus-Taste und warum muss ich das Gurtschloss dann bedienen, damit sich der Gurt um den fast leeren Sitz schmiegt? Nur damit das Auto nicht mehr herumpiept. Ebenso nerven mich die mir aufdoktrinierten Gurtstraffer, die auf „Luftanhalten“ eingestellt sind und mich quasi atemlos – im negativen Sinne – machen. Ich möchte das nicht, dass der Gurt so eng ist, ich fühle mich bevormundet. Und wer möchte sich schon etwas von einem dusseligen Computer vorgeben lassen?

Da helfen nur Fragen

Was sehen wir als Standard und wo liegen die Ängste des Verbrauchers, dass ein Auto mit zuviel Technik nicht mehr intuitiv bedienbar ist und kein Wohlfühlen aufkommt? Da hilft nur eins: eine Verbraucherbefragung. Ich habe eine Studie mit den Ergebnissen vorliegen. Doch bevor ich die Balkendiagramme genauer studiere, überlege ich mir zunächst, was ich selber an einem Auto der Zukunft wichtig finde.

Mein Auto der Zukunft

Ich wünsche mir von meinem Auto der Zukunft, dass es mir Sicherheit vermittelt, doch mir nicht das Steuer aus der Hand nimmt. Oder doch, vielleicht möchte ich in einer 130-Zone mit viel Verkehr auf der Autobahn lieber zu dreiviertel oder ganz autonom fahren? Doch, ja, das wäre gut. Für ein entspanntes Reisen. Aber auf der kurvigen Landstraße möchte ich das Lenkrad selber drehen, die G-Kräfte spüren und ein Fahrerlebnis haben, das ich mit meinem Fahrkönnen kreiere. Ich möchte hinterher das Gefühl haben, dass ich die Strecke beherrscht habe und gefahren bin – und nicht, dass ein computer- und sensorgesteuerter Computer mich mitgenommen hat. Ich möchte eine ansprechende Optik. Keine vor den Schrank gelaufene Bulldogge, sondern ein harmonisch designtes Fahrzeug, das zu mir passt. Ich mag Sportwagen, bei denen man mehr als einen Bikini in den Kofferraum laden kann, aber ich brauche auch keine Familienkutsche. Oder doch? Manchmal sind wir sogar zu viert unterwegs, fällt mir dabei ein. Also möchte ich ein Auto, bei dem der Kofferraum und die Rücksitzbank variabel eingestellt werden können. Zu zweit mit viel Gepäck in den Urlaub oder zu viert ohne nennenswerten Stauraumbedarf einen Nachmittagsausflug genießen. Doch die meiste Zeit bin ich allein im Auto. Mein Auto der Zukunft sollte alles können. Aber vielleicht ist das zuviel verlangt? Ich möchte mit viel Power auf der freien Autobahn unterwegs sein, aber im Stadtverkehr bevorzuge ich einen Kraftstoffsparer. Also hätte ich gern einen Eco-Modus und auch eine Sport-Taste. Besonders vor den Kasseler Bergen (von Hannover aus gesehen) würde ich gern mal einen kurzfristigen Boost haben, wenn mir vorher wieder einer mit 80 km/h vorgefahren ist und ich nur mühsam wieder auf 120 km/h komme. Ich brauche ja nicht immer einen Sportwagen, daher ist so etwas wie eine Zylinderabschaltung schon gar keine schlechte Idee. Ich hätte dann noch gern die Megaboost-Taste zusätzlich.

Mein Traumauto

Also irgendwie möchte ich eine spurtstarke Eco-Kiste, die ich mir leisten kann, mit variablem Raumangebot, die schick aussieht und möglichst noch ein Cabrio-Feeling bietet. Dazu die besten zuschaltbaren Assistenzsysteme und die höchstmögliche Konnektivität. Unmöglich? Hmmm, mir fällt da nicht ein Auto ein, aber vielleicht wird es ja erst in ein paar Jahren gebaut? Ich gehe momentan Kompromisse ein, aber das tun wir ja alle. Denn entscheidend ist auch immer noch der Geldbeutel. Wünsche sind dazu da, geäußert zu werden!

Was wollen die anderen?

Autofahrer aus Deutschland wünschen sich für die Zukunft vor allem Pkws, die mehr Sicherheit versprechen, niedrige Unterhaltskosten haben, komfortabel und zudem umweltfreundlich sind. Gering und überschaubar ist das Interesse am Carsharing sowie am autonomen Fahren. In 25 Jahren erwarte ich von meinem Auto Werbung von Autoscout24 Interessant ist, dass das Thema Status vergleichsweise tief unten in der Liste steht. Nur 14 Prozent geben an, dass das Auto als Statussymbol dient oder das Selbstbild widerspiegeln müsste. Ein überraschendes Ergebnis, denn ein Teil des Automarkts entwickelte sich – gerade in letzter Zeit – sehr in diese Richtung. Zum Glück möchten dreiviertel aller Befragten den Fahrspaß, da hätte ich auch „Ja“ zu gesagt. Die größten Änderungen auf Herstellerseite rühren von den Wünschen der Kunden. Am Markt herrscht ein ausgeprägter Wettbewerb, welcher die Anbieter dazu bringt, die Wünsche der Autofahrer zu erkennen und bestmöglich umzusetzen. Wer nicht kundenorientiert anbietet, kann schnell Marktanteile einbüßen.

Ergebnisse der Studie

Nun schaue ich mir die oben erwähnte Studie im Ganzen mal an. Es sind 28 Seiten im PDF – puh, ganz schön viel Informationen. Die Betreiber von Autoscout24 wollten herausfinden, auf welche Neuerungen die Kraftfahrer besonders großen Wert legen. Darum wurden bereits im vergangenen Jahr genau 8.800 Autofahrer aus ganz Europa befragt und die Ergebnisse in der Studie „Unser Auto von morgen 2013/14“ von Autoscout24 veröffentlicht. Wer Statistiken und Umfragen mag, wird diese Studie mit Freude verschlingen. Für die Industrie und für den Automobilmarkt eine frei verfügbare Pflichtlektüre. Ebenso für die schreibende Zunft, die sich mit der Mobilität der Zukunft beschäftigt.

Blogparade

Auf die Idee gekommen, einen Artikel mit dem Thema zu schreiben, bin ich schon lange. Motiviert (es endlich zu tun) hat mich die Blogparade von Stephan Jackowski, die den Titel hat: Was möchte der Autokäufer der Zukunft? und noch bis zum 13.07.2014 läuft!

 

Hinweis: Dieser Artikel enthält einen google-konform-gekennzeichneten Werbelink zur Grafik und einem PDF. Ansonsten ist dieser Text von mir und meine Meinung.

10 Gedanken zu “Das Auto von Morgen – Wünsche der Autokäufer

  1. So ähnlich sieht meine Vorstellung von einem Traumauto auch aus, insbesondere der Bezug zur Umweltfreundlichkeit ist mir wichtig. Ich bin überzeugt davon, dass es bald auch die ersten Traumautos geben wird, die Sportwagen und „Eco-Kiste“ effektiv miteinander verbinden und das Eine das Andere nicht mehr ausschließt. Die Technik ist vorhanden und Deutschland ist Vorreiter. Es gibt keinen Grund, warum nur ein Golf ein umweltfreundlicher Wagen werden kann. BMW geht mit dem i8 genau den richtigen Weg und ich bin gespannt, was da in Zukunft noch kommt.

    1. Viele Sportwagen, die einen rein elektrischen oder einen hybriden Antrieb haben, sind „was fürs Auge“ und dafür da, die E-Mobilität attraktiver zu machen bzw. darauf aufmerksam. Der einzige sehr sportliche Wagen, der beides wirklich gut verbindet und auf den Straßen schon unterwegs ist, ist der Tesla mit dem Model S – finde ich.

  2. Ob der i3 wirklich was fürs Auge ist, lasse ich mal dahingestellt. Ich persönlich mag das Design nicht und kann auch nicht verstehen, dass dafür ein Award für das beste Design vergeben wurde. BMW ist ja selbst überrascht von den Vorbestellungen und ich hätte auch nicht gedacht, dass das Interesse für den Wagen bei solch einem Design so groß ist. Der Tesla S ist definitiv bei reinen Elektrowagen auch mein Favorit.

    1. Vom i3 habe ich gar nicht gesprochen – ich sprach von Sportwagen! Der i3 ist ein typisches „Stadtmobil“ und daher in meiner Betrachtung – trotz Award – nicht inkludiert. 😀

    1. Das ist aber ein komischer Name … detn7e … da habe ich dann mal den Link zur werbenden Produktseite gelöscht, netter Versuch.

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