Auto selber reparieren: Ist das noch möglich bei Neuwagen?

oldtimer_4746Es war einmal … ist es Geschichte, dass man sein Auto selber reparieren konnte? Früher, ganz früher, meine ich, als es noch keine Servicewerkstätten gab, war es sogar Pflicht, dass man eine kleine Fortbildung machen musste, damit man Kleinigkeiten am Fahrzeug selber beheben konnte. In sehr schwach strukturierten Gebieten, auf Rallyes und in fremden Ländern haben die älteren Autos sogar heute einen Vorteil. Man sieht alles oder vieles, es gibt keine komplizierte Elektronik (höchstens Elektrik) und man kann durch logisches Denken und ein bisschen Ingenieursverstand oftmals zur Lösung eines technischen Problems kommen.
suzuki_jimny8133Mein Vater (Ingenieur, Fachrichtung Heizung/Schwimmbad) hatte schon, bevor er seine Werkstatt eröffnete, immer selber an seinen Autos herumgeschraubt. Ein bisschen Talent, Geschick und Spaß an der Sache muss man schon mitbringen. Oder der Geldbeutel kneift, was auch eine enorme Motivation sein kann, um sich Fachwissen anzulesen oder von Autoreparateuren abzuschauen. Doch heute schauen wir unter die Haube und sehen Kunststoffverkleidungen. Was soll man da noch selber machen können?sls_amg0303Okay, es gibt – neben dem o. a. AMG-Motor – auch noch andere Fahrzeuge, die etwas tiefer blicken lassen, wie der Focus ST. Hier sehe ich sofort, dass ich den Füllstand von Betriebsflüssigkeiten kontrollieren und auch ggf. nachfüllen kann.ford_focus_st2955

Selbst ist die Frau / der Mann

Vielleicht bin ich da ja „altmodisch“, aber ich finde, dass jede/r, die/der ein Auto fährt, die grundliegenden Dinge wie Kühlwasserbehälter mit Wischwasserbehälter auseinanderhalten können muss und den Ölpeilstab zur Kontrolle finden sollte, sowie den dazugehörigen Deckel fürs Motorenöl aufschrauben kann. Wie eine Sicherung ausgetauscht werden kann, ist nicht so schwer zu begreifen. Auch das bekommt man hin, wenn man sich damit beschäftigt. Wo allerdings die Sicherungen alle „versteckt“ sein können, gleicht manchmal einer Ostereiersuche. Keine Angst vor dem Handbuch, sage ich da nur – aus eigener Erfahrung!

Bei Neuwagen ist es seit circa 10 Jahren nicht mehr so einfach, alles selber zu machen (DIY = Do it yourself).
Doch ich achte bei einem Werkstattbesuch immer darauf, dass nie Dinge gemacht werden, die ich selber machen kann. Ich lasse das in die Auftragsbestätigung reinschreiben, das ist ganz wichtig! So habe ich beispielsweise mal eine Position Wisch-Wasch von der Rechnung wieder streichen lassen können. Wieder rausgepumpt haben sie mir das nicht, ist ja klar. Viele Werkstätten haben einen Work-Flow, der das mit vorsieht zu erledigen und der Werkstattmensch schaut meistens nicht auf die Laufblätter, ob da etwas steht.

werkzeug_2965Was kann man selber machen?

Je nach Kenntnisstand und Geschick, sowie dem richtigen Werkzeug (das da oben ist mein Haushaltswerkzeug und nur als Symbolfoto zu verstehen). Auf einer Grafik von gutefrage.net (Werbung) habe ich einiges gefunden, was man selber machen kann:

  • Kühlwasser (nachfüllen, zum Ersetzen muss man es auch entsorgen können!)
  • Leuchtmittel und Sicherungen (Achtung, z. B. beim Opel Tigra musste man vorher die Front dafür abbauen!)
  • Wischblätter austauschen
  • Öl nachfüllen (an den Ölwechsel mit neuem Ölfilter habe ich mich auch noch nicht herangetraut, das liegt aber dann wieder an der nötigen Entsorgung)
  • Luftfilter wechseln
  • Reifen wechseln (aber bitte mit dem Drehmoment-Schlüssel), Reifen umziehen ist nicht so einfach. Bei Runflat-Reifen braucht man eine Fachwerkstatt!
  • Starter-Batterie austauschen (an die Sicherheit denken, vorher nachlesen!)
  • Zündkerzen wechseln (wenn man das richtige Werkzeug hat und gut dran kommt, ist nicht immer so einfach)
  • Klimaanlage-Flüssigkeit (muss ich mich unbedingt mal schlau machen, ob ich das auch selber bei meinem MINI machen kann)

Was schon etwas anspruchsvoller ist und nur versierten Leuten vorbehalten ist sowie eine Hebe-Bühne (DIY-Werkstätten) benötigt:

  • Bremsen (Belag tauschen, aber Vorsicht)
  • Auspuff-Reparatur oder -Austausch
  • Lackreparaturen (da kann man sich schnell die Optik verderben)
  • Karosseriearbeiten an nicht tragenden und/oder kleinen Teilen (Spachtel, Grundierung, Lackieren)

Alles andere, wie Lenkung, Getriebe usw., bitte den Fachwerkstätten überlassen! Und ganz wichtig: der TÜV/Dekra muss die Reparatur auch „mögen“. Bei meiner letzten HU (Hauptuntersuchung) wurde sogar moniert, dass meine Scheinwerferreinigungsanlage nicht funktionierte. Das hätte ich nicht gedacht!

Kleiner Tipp noch

Wovon ich dringend abrate, ist die sogenannte Motorwäsche. Mein Werkstattmensch hatte neulich eine lustige Geschichte dazu parat. Ein Waschanlagen-Kunde von ihm nahm einfach das Gerät zur Hochdruckvorwäsche und hielt schonungslos den Wasserstrahl auf den Motor. Das Ende vom Lied: der Motor startete nicht mehr. Zum Glück hatte der Werkstattmensch gerade dasselbe Modell des Fahrzeugs repariert und dafür in Auto-Foren geschaut, was häufige Fehler sind und war auch über dieses Phänomen gestolpert. So konnte dem Kunden relativ schnell geholfen werden. Auf einen sauberen Motor kann man getrost verzichten, finde ich. Abgesehen davon ist das auch nur erlaubt, wo das benutzte Wasser auch entsorgt werden kann.tesla_model_s_2889

Hilfe, wo ist der Motor?

Für Elektro-Autos – wie hier beim Tesla Model S – gilt dann noch wieder eine ganz andere Spielregel: Wischwasser nachfüllen, Strom nachtanken und das war’s für den Alltag. Natürlich kann man auch viele Reparaturen (siehe oben), die das E-Auto noch mit den verbliebenen Gemeinsamkeiten zum Benziner oder Diesel hat, ebenso selber machen. Das Gute dabei ist, dass der Bereich des Motors eines Elektromobils so gut wie wartungsfrei ist, da ein Elektromotor ganz anders funktioniert als ein Verbrennungsmotor.

Fazit

Man kann einiges an Geld sparen, wenn man selber viel am Fahrzeug macht, doch bitte nie an der falschen Stelle, wenn es um sicherheitsrelevante Dinge geht. Wer viel selber machen möchte, dem empfehle ich, in Foren nachzulesen. Da habe ich schon einiges entdeckt, was mir in der Werkstatt dann einiges an Kosten erspart hat, da die Fehlersuche schneller eingegrenzt werden konnte. Und nun gehe ich mal wieder meine Scheibenwischer selber austauschen, damit ich den Durchblick behalte!

 

Hinweis: Dieser Artikel enthält einen google-konform-gekennzeichneten Werbelink zur Grafik. Ansonsten ist dieser Text von mir und meine Meinung.

8 Gedanken zu “Auto selber reparieren: Ist das noch möglich bei Neuwagen?

  1. Beim Motorrad ist das in der Regel deutlich einfacher. Aber dennoch haben wir früher auch nur die Sachen gemacht, die man danach auch wieder problemlos zusammenbekam. Mangels Garage wollte man ja keine Baustelle auf der Straße stehen lassen. Da ging also Ölwechsel, Bremse, Kette und Vergaser eigentlich immer. Elektrik sowieso.

    Mit Garage ist das jetzt alles noch viel einfacher, da der Zeitdruck weg fällt und man einfach die Tür zu machen kann, wenn man noch nicht fertig ist.

    Beim Auto kommt es immer auch aufs Fahrzeug an. Ölwechsel kann man ohne Auffahrrampen oder gute Wagenheber meist nur ohne Filterwechsel machen, aber mit Filter ist es dann auch nicht viel anders als beim Motorrad. Bremse entlüften oder neu befüllen usw ist auch kein Hexenwerk.

    Wechsel einer Ventideckeldichtung hatten wir erst kürzlich, aber viel tiefer sind wir da bisher auch noch nicht vorgedrungen. Zahnriemen, Wasserpumpe usw würde mich auch mal interessieren.

    Nun fahre ich einen Smart, da ist das alles wirklich nicht mehr so einfach. Von den 6 Zündkerzen bei 3 Zylindern, kommt man nur an die oberen einfach ran. So las ich jedenfalls.
    Ölablassschraube hat er auch nicht, da muss ich mir mal eine Pumpe kaufen oder die Wanne gegen eine mit Ablassschraube aus dem Zubehör wechseln.

    Aber ansonsten bin ich da recht schmerzfrei und versuche viel selbst zu machen, sofern das passende Werkzeug da ist, oder Spezialwerkzeug sich lohnt.

    1. Spannend, Max … übrigens hatte ein Bekannter von mir mal einen Citroën GS Pallas (glaube ich mich zu erinnern), der schon hatte ein paar Jährchen auf dem Buckel (gebaut wurden die wohl bis knapp 1980 oder so). Als er dann mal die Zündkerzen wechseln wollte, war er am Verzweifeln. Er prägte den Spruch:
      „Für das Wechseln der Zündkerzen braucht man einen Mechaniker mit zweifach gebrochenen Handgelenken“ (damit man ohne Ausbau anderer Teile drankommt) … hihi. Daran musste ich denken, als ich das von deinem smart las.

      1. Ich hab ganz vergessen zu erwähnen, dass die Altölentsorgung überhaupt kein Problem darstellt. Überall wo man Öl kaufen kann, darf man Altöl ja auch zurückgegeben bzw. die sind zur Annahme verpflichtet.

        Ich habe ja u.a. so eine verschließbare Auffangwanne für Ölwechsel. Da passen so 10l rein. Beim Motorrad sind das ca. 2,5 Ölwechsel die da rein passen. Bei mehrere Leuten kann man dann das Altöl aus der Wanne direkt wieder in die Kaufverpackungen kippen und wegbringen.
        Theoretisch könnte ich auch direkt mit der Wanne fahren, aber das ist nicht so handlich wie die 4l-Gebinde. 😉

      2. Solltest du doch mal mit der 10l-Wanne unterwegs sein, vergiss nicht, Fotos zu machen … hahaha … klar ist die Rückgabe möglich, aber das Handling ist eben ziemlich doof für jemanden, der keine Ölauffangwanne hat und das am Bordstein machen müsste. Da gönne ich meinem Werkstattmeister um die Ecke an der Tanke den kleinen Umsatz gern. 😀

  2. Man sollte sich schon gut auskennen, wenn man die Auto Reparatur selbst angehen will. An einem neuen Audi würde ich zum Beispiel auf gar keinen Fall selbst rumbasteln, sondern die Reparatur immer einem Fachmann überlassen.

    1. Die Frage ist ja, ob es um Wartung oder Reparatur geht. Und welche Fertigkeiten man hat. Realistische Selbsteinschätzung und Wissen sind dabei unerlässlich. Manche Autofahrer haben das Wissen nicht, dann müssen sie in die Werkstatt, andere wiederum können viel selber machen. Auch bei einem neuen Audi oder anderen Fahrzeugen.

  3. Vielen Dank. Auch ich beschäftige mich viel mit meinen Fahrzeugen und kann nur jedem empfehlen, sich nicht von den Plastikverkleidungen im Motorraum abschrecken zu lassen. Ein Großteil der Reparaturen sind immer noch möglich, lediglich die Akzeptanz der Teileverkäufer in den Markenwerkstätten nimmt ab. „Wie?…Sie wollen das selbst machen?“ Schade ist es auch, wenn Cent teure Bauteile defekt sind und deshalb ganze Baugruppen gewechselt werden müssen.

    1. Guter Hinweis. Allerdings immer Fachwissen zur Reparatur vorausgesetzt! Gratuliere zum Know-How, das ist sicher über dem Durchschnitt. 🙂

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