2000 km durch Deutschland – Rallye

Jetzt fährt sie eine Rallye nach der anderen? Schön wär’s, aber diesmal bin ich als „Rallye-Insiderin“ und weil ich Spaß an Oldtimern habe, einfach ein paar Meter zum Neuen Rathaus in Hannover gehüpft und habe mir den Zieleinlauf der Blech-Schätzchen angeschaut. Meine Kamera hatte ich gezückt und erstmal hieß es: „Warten“, bis die Autos aus Wolfsburg in Hannover ankamen. Solange erkläre ich mal etwas über Gleichmäßigkeits-Rallyes:

Was die „2000 km durch Deutschland“ – Rallye ist? Ich empfehle die Übersichtsseite mit Streckenplan – hey, aber wiederkommen und weiterlesen!
Kurz zusammengefasst: eine Rundreise, Start- und Zielpunkt ist Hannover. Die über 2000 km ergeben sich durch Zwischenstationen z. B. in Hameln, Paderborn, Hagen, Dortmund, Osnabrück, Bremen, Hamburg, Rostock, Potsdam, Cottbus, Halle und der Autostadt Wolfsburg.

Als Klasseneinteilung habe ich folgendes (entsprechend FIVA-Bestimmung) gefunden:

Klasse  I: 1919 – 1980 Motorräder
Klasse  II: 1919 – 1945 Vintage,
Klasse III: 1946 – 1959 Post Vintage,
Klasse IV: 1960 – 1969 Classic Cars,
Klasse V: 1970 – 1979 Classic Cars,
Klasse VI: 1980 –  …?  Youngtimer

Die Fahrzeuge müssen vor dem 31.12.1980 hergestellt worden sein, schreibt das Reglement, aber ich habe auch später zugelassene Fahrzeuge entdeckt. Vielleicht ist diese Regelung noch nicht auf der Website aktualisiert worden?!

Auch hier geht es — wie bei der Silvretta — nicht um Geschwindigkeit, sondern um Zeitkontrollen und Gleichmäßigkeitsprüfungen sowie dem Einhalten der Tempobegrenzung im normalen Straßenverkehr. Die letzte Gleichmäßigkeitsprüfung war kurz vor dem Ziel. Da ist das Rallye-Team nochmal gefordert gewesen.

Doch was genau ist eine Gleichmäßigkeitsprüfung auf Zeit?
Ich habe vor Ort mit einigen Leuten gesprochen, die gar nicht genau wussten, was da zu beachten ist. Als Rallye-Evangelista liegt mir natürlich viel daran, das zu erklären:
Die Strecke ist festgelegt, sagen wir mal 30 Meter. Nun gibt es vom Orga-Komitee eine Zeitvorgabe, in der diese Strecke exakt zu fahren ist. Bei der letzten Prüfung, die ich mir anschaute waren es 8,88 Sekunden. Schelme, haben sie die Nachkommastelle so gesetzt, dass es eben nicht ganz 9 Sekunden sind! Da brauchen wir jetzt keine höhere Mathematik, um eine Durchschnittsgeschwindigkeit auszurechnen: 1m/s = 3,6km/h. Um 100m in 10 Sekunden zu schaffen, bräuchte man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h, bei 30 Metern in 8,88 Sekunden 12,162 km/h.

Ein Video macht es deutlich, hier am Beispiel des Porsche 911 Targa bei der letzten Wertungsprüfung — achtet mal darauf, was über die Heckstoßstange hängt, ich sage nur: „Tierisch!“.  ;-)


Zwei Arten, wie man eine Wertungsprüfung starten kann

Es gibt einen fliegenden Start, bei dem kann ich vielleicht circa 10m vor der eigentlichen Linie schon losfahren, versuche beim Überfahren des Messpunkts auf der Durchschnittsgeschwindigkeit zu sein und diese bis zum Zielmesspunkt zu halten. Das ist noch etwas einfacher, als wenn ich einen stehenden Start habe, so wie bei dieser Prüfung durchgeführt.

Beim stehenden Start muss ich mir überlegen — und jetzt wird es doch noch höhere Mathematik — in wie weit kann ich ausgleichen, dass ich nicht mit der Durchschnittsgeschwindigkeit starte. Wie schnell starte ich, wie hoch gehe ich, bis ca. zur Mitte des Ziels und wann bremse ich wieder ab, um bei 8,88 Sekunden die Ziellinie zu erreichen. Wenn jemand eine Formel für dieses Beispiel hat, sehr gern, ich habe das ganz nach Gefühl gemacht (sensibler Gasfuß, „Frauengasfuß“ auf Facebook genannt), denn die Zeit ist so kurz, dass man da gar nicht so viel zirkeln kann. Und fahrt mal bitte bewusst 12 km/h mit Eurem Fahrzeug, Ihr werdet merken, wie schwierig es ist, vor allen Dingen ohne digitalen Tacho!

Der Copilot ist wichtig und unverzichtbar für diese Wertungsprüfung, denn er kümmert sich um die ganze Rechnerei, zückt die Stoppuhr, muss beim Anfangsmesspunkt die Stopuhr im Countdown-Modus aktivieren und zählt während der Wertungsprüfung die Zahlen laut herunter, so dass der Pilot weiß, ob er zu langsam ist und einen Zacken Gas drauf legen oder seinen Bremsfuß spielen lassen muss. Ach ja, ich habe jetzt mal bewusst auf die weibliche Form Pilotin und Copilotin (siehe mein Beitrag dazu) verzichtet, denn wir haben ja hier wenig Zeit, es sind selbstverständlich sowohl Frauen als auch Männer in unterschiedlich besetzten Teams gefahren.

Es gibt — meines Wissens — 2 unterschiedliche Messverfahren: die Lichtschrankenmessung (die hier Anwendung fand) und die Druckluftschlauchmessung. Letztere reagiert auf das Überfahren mit dem Vorderrad, man kann den winzigkleinen Punkt spüren, wenn man den Druckluftschlauch überfährt. Dann sollte man aber schon die Stoppuhr gedrückt haben, nicht erst, wenn man über diesen „Huckel“ hinweg ist. Bei der Lichtschrankenmessung hat man noch weniger Anhaltspunkte, denn der Copilot muss wissen, mit welchem Fahrzeugteil (zumeist die Front-Stoßstange) der Sensor auslöst. So braucht man viel Gefühl fürs Auto, wenn man eine zufriedenstellende Messung durchführen möchte.

Am Ende der Strecke steht dann manchmal eine große Zeittafel, auf der die Zuschauer dann ablesen können, wie das Ergebnis aussieht. Aus der Erinnerung war das beste Ergebnis nur eine Abweichung von 0,04 Sekunden, es können aber auch mehr gewesen sein. Bei meiner ersten Wertungsprüfung auf der Silvretta, auf der wir Platz 1 belegten, hatte ich eine Abweichung von 0,01 Sekunden — nur mal als Vergleich.

Die Oldies kommen, das Warten hat ein Ende


Panther Kallista


Triumph TR3A


MG A


Porsche 356 B T6


BMW 501 V8 Cabrio

Fotogalerie (88 Fotos)

Kamera gezückt und losfotografiert. Die Menschen am Straßenrand freuten sich, die wunderschönen Fahrzeuge zu sehen. Die Oldtimer waren in unterschiedlichem Zustand, ich sah teilweise deutlich, wer eine Fachwerkstatt an die Pflege heranließ oder selber versiert Hand anlegte und wo die Liebe zum alten Schätzchen den Geldbeutel arg strapazierte bis überstrapazierte.

Aber irgendwie waren sie alle toll, denn die Menschen in den Fahrzeugen strahlten eine Lebensfreude aus, der Spaß am Motorsport war nicht aus ihrem Gesicht zu bekommen, Lächeln bis Lachen, alles dabei, Scherzen mit dem Startflaggenschwenker, Winken ins Publikum, eine bemerkenswerte Atmosphäre. Diese Stimmung wird sich auch auf der Siegerehrung noch für das Platz-1-Team gesteigert haben, denn die Gesamtsieger Brigitte und Peer Thieme haben in Potsdam noch eine erfolgreiche Eigenreparatur am Buick Special Eight durchgeführt, bevor sie den Pokal in Hannover entgegen nehmen konnten.

Siegerfahrzeug in der Gesamtwertung Buick Special Eight

5 Gedanken zu “2000 km durch Deutschland – Rallye

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