Kennzeichen: Ein Auto und viele Rumänen – Frau lernt nie aus

Gastartikel von Eveline

Eveline
Ich liebe das Autofahren und habe schon viele lustige, weniger lustige und gefährliche Dinge mit allen meinen Autos erlebt, die ich auf keinen Fall missen will.

In den letzten Jahren kam ich allerdings ohne eigenes Auto klar, da ich mitten in München wohne und jeder zu ergatternde Parkplatz so weit weg ist wie die Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs. Trotz meines guten Drahtes zum Parkplatz-Universum.

Als mich mein Vater im Dezember fragte, ob ich denn wieder ein Auto haben möchte, sagte ich: „Eigentlich brauche ich keins, aber wieso fragst Du?“ Er erzählte mir von seinem rumänischen Nachbarn, der einen roten VW Polo BJ 96, TÜV bis 03/13 verkaufen wollte und das schnell gehen müsse, weil er nach Rumänien fahren muss, um ein paar Dinge zu erledigen und das Geld dafür bräuchte.

Gut, ich war also mal wieder angefixt von der Idee ein eigenes kleines Auto zu haben und den blöden Winter über nicht so frieren zu müssen. Also gesagt, getan: Auto Probe gefahren, Geld übergeben, Auto mit Kennzeichen mitgenommen und am nächsten Tag ordnungsgemäß umgemeldet. Schön, dass der Nachbar mir vertraut hatte. (Er hat sich übrigens nach Rumänien abgesetzt und kam nie zurück.)

Polo
Das Ende vom März kam rasend schnell auf mich zu und es wurde klar, dass das Auto zu viele Reparaturen bräuchte, um nochmal durch den TÜV zu kommen. Außerdem verbrauchte der kleine Flitzer 13 Liter auf 100 km bei meiner sportlichen Fahrweise – vielleicht war aber auch was kaputt?

Gut, ich hatte 800 € gezahlt, noch 300 € reingesteckt und wollte ihn nun loswerden. In Mobile, AutoScout24 und Quoka habe ich ihn inseriert. Erst für 799 € (kann man ja mal versuchen :-)) und dann für 499 €.
Prompt kam ein Anruf mit der Frage: „… ob der Wagen noch da wäre und ob er noch TÜV und die Schilder drauf hätte? Und wann sie vorbei kommen könnten zur Besichtigung.“

Wunderbar dachte ich mir, dann bin ich den Polo sicher gleich los, muss mich nicht um die Abmeldung kümmern, wenn ich ihn mit Schildern übergebe und hab das Thema schnell hinter mich gebracht.
Die Jungs – 2 Rumänen und 1 Deutscher – kamen also vorbei und haben sich das Auto angesehen. Dabei haben sie sich über den Polo auf Rumänisch unterhalten, dass der Wagen ganz gut wäre. Ich – selbst gebürtige Rumänin – habe natürlich nicht gleich gesagt, dass ich sie verstehe, sondern wollte erst mal hören, was sie so sagen.Als es klar war, dass sie den Wagen kaufen und wir uns auf einen Preis von 300 € geeinigt hatten, ging es um den Vertrag, den ich einfach auf einen Zettel geschrieben hatte, ganz unkompliziert eben.

Polo
Darin habe ich festgehalten, dass ich den Wagen mit dem Kennzeichen M-VV5042 am 21.03.13 um 17 Uhr übergeben habe und dass der Käufer sich verpflichtet den Wagen am Montag, den 25.03.13 umzumelden. Ich fand es sehr schlau von mir das aufgeschrieben und auch noch ein Foto von seinem Ausweis gemacht zu haben, denn ich kannte ja die Story, dass Leute mit den nicht umgemeldeten Autos ins Ausland fahren und man dann „gearscht“ ist mit Versicherung und Steuern, aber dachte, dass ich komplett auf der sicheren Seite wäre mit meinen getroffenen Vorkehrungen.

Hmm, also nein, leider war dem nicht so. Die Jungs haben es nicht umgemeldet und wollen im April damit nach Rumänien fahren, das ist das, was sie mir gesagt haben. Am Dienstag meldete sich einer von beiden und hat gefragt, ob sie denn nicht einfach so weiterfahren könnten und ich habe ihm gesagt, dass er keine Versicherung mehr hat und ich sie nur bitten kann den Polo umzumelden.

Ich habe dann auch nochmal den Deutschen kontaktiert und ihn gebeten den Jungs das nahezulegen, da ich spätestens am Donnerstag dann selbst die Zwangsabmeldung bei der Zulassungsstelle vornehmen würde und die Jungs dann nur Ärger hätten. Er versicherte mir, dass er nochmal mit ihnen sprechen würde und mir dann auch die Ummeldung per WhatsApp schicken würde.

Wie Ihr Euch denken könnt, es kam: Nichts.

Donnerstag bin ich zum Amt und musste dann erfahren, dass ich das Auto ohne Kennzeichen und Papiere erst nach 1 Jahr zwangsabmelden kann, weil ich in meinem Kaufvertrag nicht explizit drin stehen hatte, dass ich die Kennzeichen , den Schein und den Brief übergeben habe und es fehlte auch die Adresse des Käufers.

So, na wunderbar, dann bekomme ich nun also meine gezahlte Steuer nicht mehr zurück, was ca. 100 € sind, musste beim Amt den Kaufvertrag hinterlegen lassen, dann die Versicherung bitten, beim Amt ein Versicherungsende einzutragen und dann hoffen, dass die Jungs doch noch zur Vernunft kommen, da man laut Zulassungsstelle auch nicht die Polizei einschalten kann, da es ein Privatverkauf war.

Damit nun diese Erfahrung vielleicht dem ein oder anderen Gutgläubigen erspart bleibt, hat mich Nicole gefragt, ob ich die Geschichte nicht teilen möchte.
Das habe ich nun hiermit getan und ich muss sagen, dass ich es trotzdem lustig fand, dass das Auto immer in rumänischer Hand war und ich sowieso sicher bin, dass jeder bekommt was er verdient. Vielleicht bleibt das Auto ja stehen auf dem Weg ins Heimatland. 🙂

Gute Reise!

Danke Eveline für Deine Geschichte! Es empfiehlt sich also die Vordrucke zum Kfz-Verkauf eines vertrauenswürdigen Anbieters zu benutzen, denn dort sind alle wichtigen Datenfelder zum Ausfüllen vorgegeben. Vertrags-Recht ist keine einfache Sache, merkt man in kritischen Fällen immer wieder.

Wem auch etwas kurioses passiert ist und einen Artikel darüber schreiben möchte, meldet sich gern bei mir.

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