Chris Lesmana (VW) und Nicole Y. Männl

Süß oder total cool? The Beetle 2011 (21st Century)

Nun ist er da, zumindest auf Fotos – der „Wagen fürs Volk“, also für Leute von heute – neu aufgelegt. Volkswagen ist allerdings nur noch abgekürzt als VW-Logo auf den Fahrzeugen sichtbar. Historisch ging aus dem Käfer (1938) der New Beetle (1998) als Irgendwie-Retro-Fahrzeug hervor, nun heißt der Käfer des 21. Jahrhunderts schlicht „The Beetle„. Wie sagte Tim Grausam (VW, Technische Produktleitung) so schön: „New New Beetle würde sich ja auch merkwürdig anhören“. Da stimme ich ihm zu, das sagt kein Mensch #smile.

Flacher, breiter, länger und endlich ist die Frontscheibe (wieder) steiler eingepasst, mein erster Eindruck. Das äußere Erscheinungsbild macht auch das Sitzen im Beetle wieder angenehmer. Der Kathedralen-Effekt (zu hohe Kopffreiheit) ist entfallen, man „sitzt“ wieder im Auto und nicht gefühlte drei Meter von der Windschutzscheibe entfernt. Das Sitzgefühl habe ich schon getestet – bei der Premiere am 18. April in Berlin im Rahmen der Veranstaltung MTV World Stage – wie sich der Beetle fährt, kann ich leider (noch) nicht sagen.

Daher habe ich mich mit Chris(tian) Lesmana, Designer für Exterieur, VW Forschung und Entwicklung unterhalten. Kleine Sidestory: Chris hat damals designerisch verantwortlich am Phaeton gearbeitet.

Chris erzählte mir weiterhin, dass er drei Käfer (Baujahre zwischen 1968 und 1971) sein Eigen nennt und einer dieser Käfer im Design-Studio stand, als The Beetle entwickelt wurde. Der Entwicklungsschritt ging also – so Chris – nicht vom Käfer über den New Beetle zum The Beetle, sondern vom Käfer zum The Beetle. Vielleicht die bessere Entscheidung?!

Spurweite und Radstand wurden vergrößert, das lässt auf ein gutes Fahrgefühl hoffen, die optische Aussage ist also „bulliger“ in der Präsenz. Unterstützen können dabei die bis zu 19 Zoll großen Füße des Krabbeltieres. Wenn man die Benziner-Versionen mit 160 PS oder 200 PS bestellt, bekommt man serienmäßig die elektronische Differentialsperre XDS (Erweiterung von EDS). Da würde ich das Kurvenverhalten doch gern mal testen, in dem ich „durchdrehe“ und die Reifen nicht. #smile. Übrigens dürften Golf-Fahrer sich „untenrum“ nicht großartig umgewöhnen müssen, so basiert die Plattform auf dem Golf (PQ35).

Chris war sehr zufrieden mit dem Felgendesign, als wir uns beim Turbo-Beetle unterhielten. Stolz erwähnte er auch, dass das Kofferraumvolumen auf 310 Liter vergrößert wurde, ausgehend von ehemals 209 Litern beim New Beetle ist das schon eine Leistung, gebe ich zu.

Wichtig war es Chris noch zu betonen, dass die Scheinwerfer unbedingt rund sein mussten, richtig rund. Bestellbar wird auch die 2 x 15 LED Tagfahrlicht Ausstattung sein, im Halbrund innerhalb des Außenrandes angebracht. Der Bereich um die Scheinwerfer wurde geschickt modelliert, denn die Übergänge mussten ja stimmen.
Die Frontschürze ist daher aus (in Wagenfarbe lackiertem) Kunststoff, was aber soweit okay ist. Der Einsatz von Kunststoff bei der Tankklappe hingegen mag mir so gar nicht gefallen, beim Öffnen und Schließen strahlt die Klappe Fragilität aus. Aber so oft Tanken muss man wohl nicht, laut den Angaben in den Presseunterlagen, beim 1.6 TDI spricht man von 4,3l/100km. Der 1.2 TSI mit Blue Motion Technologie (=Start-Stopp-System und Rekuperation) sind es in Totholz gemeißelte 5,5l/100km. Okay, wenn ich den 2.0 TSI im Turbolook in die Finger bekommen würde und meinen Frauengasfuß mal ordentlich spielen lasse, dann wohl ein bisschen mehr mehr. 😉

Innenraum

Beim Cockpit findet man – marketingspeech-like – „farbige Dashboards“, die Instrumententafel ist lackiert – so wie früher – oder in der „Sport“-Version auch mit Karbon-Optik versehen. Drei Rundinstrumente (Drehzahl, Tacho, Tank) sagen Bescheid, was anliegt, optional sind auch 3 Zusatzinstrumente (Öltemperatur, Stoppuhr und Ladedruck) erhältlich, indem sie freundlich blinzelnd aus dem Cockpit in der Mitte ragen. Auf Wunsch – mit geöffnetem Geldbeutel – bekommt man sogar ein Touch Display mit Multifunktion, also Navi und anderen darüber zu steuernden Elementen, versprach man (auf Nachfrage) mir. Eher langweilig gestaltet empfinde ich die Klimasteuerung etc. in der Mittelkonsole. Ich vermute, dass ein außergewöhnliches Design, was an den Käfer von früher erinnerte und was man „in modern“ hätte „transportieren“ können, dem Rotstift zum Opfer gefallen ist.

Meine Twitter-Follower sind sooo aufmerksam. Danke an Lars für den Hinweis mit dem Lenkrad. Ja, da ist etwas nicht rund. Richtig.

Auch hier wäre ich wirklich sehr gespannt, wie sich das anfühlt, wenn man am Kurbeln und Kurvenfahren ist.

Musik, Internet? Ich möchte lieber Bytes statt Dezibel

Hochgelobt wurde das Soundsystem. Mir persönlich ist Musik nicht sooo wichtig. Klar, es soll sich nicht anhören, als spielte mein Lieblingslied in einer Erbsen-Möhrchen-Dose. Aber zu meinen Fragen an die Experten, die sich zur Verfügung stellten, bekam ich leider keine Antworten, die mich glücklich gemacht hätten, was die Anbindung angeht. Man traf keine verbindliche Aussage, in welche Richtung die Internetausstattung gehen soll. Also: überraschen lassen oder ich hake nochmal nach?!

Der Beifahrer kann sich an reichlich Stauraum vor seiner Nase erfreuen, gleich zwei Handschuhfächer bietet der Beetle. Ein offensichtliches, das ich aus meinem Käfer an dieser Position auch kenne, das nach oben aufklappt und unterhalb diesem ein „normales“ zweites Handschuhfach, was auch fast aus einem Golf stammen könnte. Der Beifahrer-Airbag ist also oberhalb der beiden Handschuhfächer. Ich glaube, der verantwortliche Ingenieur musste da eine Nuss knacken, dass der Airbag so funktioniert, wie er soll und den Beifahrer richtig schützt. Insgesamt sind übrigens 6 Airbags verbaut.

Weiterhin erwähnenswert ist die Keyless-Funktion, bei der man beim Schließen aber darauf achten muss, ganz bestimmte Stellen zu berühren. Das Öffnen ist hingegen einfacher, mit einem Schlüssel (keine Karte, habe ich extra nachgefragt), den man aber nicht mehr aus der Hosentasche oder Handtasche holen muss, sondern nur den Türgriff bedient.

Der Blick nach oben

Ein Panorama-Schiebedach, das sich glücklicherweise öffnen lässt. Ich mag keine feststehenden Glasdächer, daher ein Lob für das Ausstell-/Schiebe-Glasdach beim Beetle. Mit wärmedämmendem Glas kennt sich VW aus, hier ist es verbaut und lässt nur noch 1% UV-Strahlen durch sowie 8% Wärme. Witzig liest sich das, wenn ich die umgekehrten Zahlen schreibe, also nochmal in „gewohnten“ Größen: 99% UV-Strahlen werden abgewiesen und 92% Wärme wird ausgesperrt.

Design-Linien gibt es drei: „Beetle“ (also Standard), „Design“ und „Sport“. In wieweit das auch mit der Motorisierung zusammenhängt, lässt sich leicht erraten. Karbon, Turbo und Sport gehören da einfach zusammen und nicht in die Standard-Ausführung.

R-Beetle und weitere Ausführungen? Was ist geplant?

Ein bisschen googlen, schon findet man weitere Artikel über den Beetle und die zukünftigen Ausführungen. Auch ich habe von den VW-Leuten gehört, dass ein R-Beetle kommen soll, das ist definitiv. Meine Frage nach einem Cabrio wurde auch positiv beantwortet, ein Stoffdach wurde als Verdeckform favorisiert. „Sie“ taten ein bisschen geheimnisvoll, aber besonders leise wurde es, als ich nach einem Hybrid-Modell fragte. Vermutlich ist es nicht geplant, aber ich weiß es nicht.

Beetle als E-Auto?

Ja, ein E-Auto wäre durchaus vorstellbar, ist also nicht ausgeschlossen, so die wieder vorsichtigen und zögerlichen Antworten. Definitiv kann ich also auch hier keine Aussage treffen, aber ich finde, es bietet sich gerade zu an, den Beetle zu elektrifizieren. Das meint übrigens auch Robert in seinem Blogartikel.

Ich meine, der Beetle polarisiert

„Egal“ ist er auf keinen Fall. Entweder es entfleucht dem Betrachter bzw. der Betrachterin ein „süüüüüß!“ oder es kommt ein eher abschätziges „wie uncool“ oder gar ein machomäßig geäußertes „Frauenauto“. Von diesem Image will VW mit dem Beetle weg, denn er soll nun „maskuliner“ wirken. Also bei der schwarzen Turbo-Version stimme ich dem uneingeschränkt zu. Bei dem roten Modell sehe ich es nicht ganz so. Apropos Farben: 12 stehen zur Auswahl, benannt wurden bisher Sunflower, Denim-Blue (habe ich nicht gesehen), ausgestellt waren die klassischen Farben schwarz, rot, weiß. Dabei fällt mir auf, den weißen Beetle habe ich gar nicht fotografiert, aber der stand ja auch in der MTV-Disco …

 

Update:

Auf Facebook wurde von Lars gefragt, ob der Heckspoiler denn „VWs Ernst“ wäre … Dazu liegen mir folgende Informationen vor:
Der Heckspoiler ist Serie für den TSI mit 118 kW/160 PS und 147 kW/200 PS. Ob er optional bestellbar für die anderen Modelle wäre, kann ich nicht sagen. Die obere Fläche des Heckspoilers ist immer schwarz, die untere in Wagenfarbe lackiert.

Disclosure: Dieser Artikel spiegelt meine eigene Meinung wieder, mir wurden die Reisekosten zur Teilnahme an der Veranstaltung MTV World Stage erstattet.

31 Gedanken zu “Süß oder total cool? The Beetle 2011 (21st Century)

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  4. Mit rot hab ich gar kein Problem … aber der Turbo sieht geil aus, ggf. auch in rot

  5. schon cool das teil…. aber irgendwie auch „panamera für arme“… oder nich? wenn die dem teil jetzt noch die features „cabrio“, „allrad“ oder „heckantrieb“ verpassen, und dann den preis schön flach halten, wow dann fängts an lustig zu werden…. 😉 😉 😉 aber auch so schon nicht übel fürn ollen käfer. danke für die fotos übrigens!

  6. fürs protokoll: das bezieht sich natürlich alles auf den turbo. ohne dieses detail würde ich nen käfer natürlich niemals als cool bezeichnen! 😉

  7. Alles bleibt hässlich 🙂

    Felix, ich kann dir nur zustimmen: hab mir als erstes gedacht, spätestens bei der übernächsten Generation werden die Porsches von den Beetles kaum mehr unterscheidbar sein und nicht mehr allein den Titel der popeligst designten Prolo-Schleudern tragen müssen. Aber es bleibt ja zum Glück alles im Konzern!

  8. na süß ist wohl nicht das richtige Wort, aber die Version kommt schon wesentlich knackiger ‚rüber als der bisherige „New Beetle“ . Warum die Dinger 200 PS haben müssen erschließt sich mir immer noch nicht, ein Elektroantrieb würde das Modell jedoch sensationell attraktiv machen.

  9. Ich frag mich wer die Zielgruppe für den Proletenporsche sein soll. Ebenso ist keine Produktnische erkennbar. Spätestens wenn der stolze Beatlebesitzer hämisch mit „Für einen Richtigen Porsche hat es wohl nicht gereicht?“ begrüßt wird, ist der Spaß vorbei.

  10. respekt! schöne arbeit! und ganz klar – der neue beetle ist ein porsche fürs kleine konto… bin mal gespannt ob das in echt auch so deutlich wird wie auf den bildern.. übrigens, ein foto von der rückseite aufgenommen vom panamera und vom beetle – das fehlt da noch 😉

  11. Danke für die Blumen, Felix.
    Kann leider nur auf die vierte Reihe verweisen, schräg von hinten. Die Panamera Heckansicht „frontal“ habe ich leider im „Pool“ nicht gefunden, sonst hätte ich diese bevorzugt.
    Der Beetle ist aber kürzer, höher, nicht so flunderhaft. Wirkt schon anders! 🙂

  12. Ja bitte meine E-Mail an Chris Lesmana, und bitte auch erwähnen, dass ich ihn gleich hohe Schule in Bandung in Indonesien war. Mein Name ist Adi Aviantoro (***@***.com). Vielen Dank. sehr zu schätzen wissen.

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