VW Käfer 1302 Typenschild

Mein erstes Auto: VW Käfer 1302 A – lang ist’s her!

Das erste Auto ist immer etwas ganz besonderes. Obwohl es oftmals nicht das Traumauto ist. Mal fehlt das „große Geld“ mit 18, mal soll es einfach nicht so teuer sein. Denn welches Talent man beim Autofahren hat, merkt man nicht in der Fahrschule, sondern erst, wenn man allein in der freien Auto-Wildbahn ist.

Nicole und die Leidenschaft fürs AutoAutos haben mich ja schon immer fasziniert. Mit 3 habe ich das erste Matchboxauto bei Mama erquengelt. Auf den Festen mit Fahrgeschäften fand ich Pferde und andere Tiere schon immer etwas albern zum „Imkreisherumfahren“. Ich bin automatisch schnurstracks in ein Cabrio gestiegen und zwar auf die linke Seite. Wenn da schon ein anderes Kind saß, habe ich mich nicht auf den Beifahrersitz gesetzt. Das ging – schon damals – gar nicht! Dann habe ich konzentriert – mit dem Lenkrad in der Hand – die Spur gehalten. Ich dachte früher wirklich, ich könnte das beeinflussen und müsste dolle aufpassen.

Aufgepasst habe ich auch immer, was meine Eltern machten, wenn ich im Auto mitfuhr. Die Theorie war mir sehr geläufig. Allein die Praxis fehlte. Doch die sollte ich in der Fahrschule bekommen. Wobei mein Fahrlehrer mir nicht geglaubt hat, dass ich noch nie vorher Auto gefahren bin. Bin ich wirklich nicht, nicht einen Meter auf dem Feldweg – ich bin nie „schwarzgefahren“ ohne Führerschein. Es war also ein gewisses Talent fürs Autofahren vorhanden.

Führerschein bestanden – und die Überraschung

Meinen Führerschein habe ich also im frühen Sommer mit 18 bestanden: innerhalb kürzester Zeit. Null Fehler in Theorie und Praxis, nur das Minimum an Fahrstunden, da war ich ja ehrgeizig. Damals ging ich noch zur Schule, verdiente kein Geld und hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich so bald ein Auto haben würde. Ich hoffte darauf, dass meine Mutter mir ihren VW Golf dann und wann mal leihen würde. Mehr nicht. Ich war realistisch genug, um den Traum vom eigenen Auto erstmal in die Ferne zu schieben.

So dachte sich auch mein Vater: „Mal gucken, wie sie fährt, sie soll ja erstmal üben können. Alles ohne den Stress, den ein Neuwagen mit sich bringt.“ Weil er sich in der Autowerkstatt viel mit älteren Autos – Youngtimern und Oldtimern beschäftigte, konnte er ein günstiges Schnäppchen für seine Tochter machen. Ich war aber ahnungslos bis dahin.

Nicole und PapaMeine Eltern lebten getrennt voneinander und so besuchte uns mein Vater eines Tages. Er war bester Laune, als er ankam und mich begrüßte. Ich merkte, er führte irgendetwas im Schilde. Dann lockte er mich unter einem Vorwand auf die Straße. Er erzählte mir, dass ich doch jetzt meinen Führerschein hätte und ich solle ihm doch mal meine Fahrkünste vorführen. Er hätte mir da etwas mitgebracht. Immer noch nicht realisierend, was gleich passiert, stand ich vor einem weißen VW Käfer. Mein Vater gab mir den Auto-Schlüssel und ich war total aufgeregt, dass ich eines seiner Autos fahren durfte.

Als ich mit Entzücken die Tür aufschloss, weil ich einen Käfer schon immer total süß fand, sagte er mir so nebenbei (typisch für ihn), dass ich das Auto erstmal fahren könne. Ich traute meinen Ohren kaum. Ich muss ziemlich verdutzt ungläubig aus der Wäsche geschaut haben. Er klärte mich noch in liebevoller Raubeinigkeit über die Details auf: Es ist kein Geschenk, es ist nur eine Leihgabe, er übernimmt Steuer und Versicherung, ich soll mich selber um das Benzin kümmern.

Was für eine cooooole Idee. Ich sprang ihm vor Freude um den Hals. Ich war sehr gerührt. Und auf einmal war ich Käferfahrerin, von einer Minute auf die andere. Er meinte: „Ja, du musst doch Fahrpraxis bekommen, nachdem du gerade deinen Führerschein gemacht hast.“ Das klang logisch und gut. Ich versprach meinem Vater, dass ich zum Dank öfter mal in der Werkstatt helfe.

Die erste Runde im neuen alten Käfer

VW Käfer 1302
Nachdem ich mich wieder „eingekriegt“ habe und nicht mehr so aufgeregt war, fing er an, mir die wenigen Schalter und Knöpfe zu erklären. Was hat ein Käfer schon im Cockpit? So gut wie nichts. Einzig die Scheibenwischerbedienung war ungewohnt, denn nun hatte ich einen Drehschalter und keinen Scheibenwischerhebel mehr, wie im Fahrschulwagen.

Meine erste Frage zu den technischen Daten des VW Käfer ging natürlich in Richtung „Power“. Nun mussten mir erstmal ganze 34 PS und 1200 ccm reichen. Die Höchstgeschwindigkeit war mit 125 km/h angegeben, ich bin aber nie schneller als bis 120 km/h gekommen – bergab mit aufgestellten Ohren und Rückenwind. Der Käfer hatte ja auch schon einige Kilometer herunter und ich glaube er war Baujahr 1970.  Das machte mir aber in diesem Moment gar nichts aus, ich war so froh, das dünne, große Lenkrad in den Händen zu haben und mir in Ruhe die nötige Fahrpraxis für schnellere Autos aneignen zu können. Denn das war mein Ziel.

Mein geliebter Käfer

Leider habe ich kein einziges Foto damals gemacht, was ich immer noch sehr bedauere. Das Foto oben ist das ähnlichste, was ich finden konnte. Mein Käfer war pastellweiß und die Innenausstattung war in rot gehalten. Die Sitze hatten ausgeblichene rote Kunstlederbezüge und keine Kopfstützen. Der Hammer war aber der Himmel! Als ich das erste Mal im Auto nach oben schaute, traute ich meinen Augen kaum: Roter Cordsamt! Der gesamte Himmel war nachträglich in geripptem Samt bezogen worden. Jeder, aber auch jeder, der in mein Auto auf den Beifahrersitz stieg, sagte nach kurzer Zeit etwas über diesen roten Himmel. Nun, ich überlasse das mal euren Gedanken, was da wohl für lustige Sprüche kamen.

Kein Kotflügel, der nicht eingebeult war. Kleine und größere Gebrauchsspuren. All das machte mir nichts aus, ich hegte und pflegte meinen Käfer wie einen nagelneuen Traum-Porsche. Kugelporsche eben, den Begriff habe ich erst verstanden, nachdem ich meinen Käfer mein „Eigen“ nannte und mit dem typischen Britzelsound durch die Gegend fuhr. Ein besonderes Kennzeichen hatte er auch noch: Auf der Heckklappe prangte eine billige Kopie einer bekannten Maus als Aufkleber. Da war eine lustige Geschichte, die ich erlebt habe.

Ich als angeblicher Käferdieb: die Maus war Schuld

Nachgezeichnete Mickey Mouse Kopie AufkleberAls ich eines späten Nachmittags in Hannover in der Südstadt unterwegs war, hielt ich am Kiosk. Da immer ziemliche Parkplatznot herrschte, ganz schnell auf der Straßenecke. Ich ging um die Ecke zum Kiosk, holte mir ein paar Kleinigkeiten und wollte gerade wieder losfahren. Als ich zwei Leute hinter meinem Auto stehen sah. Ein Typ und ein Mädchen, beide kaum älter als ich. Das Mädchen zeigte auf die billige Aufklebermaus (so ähnlich wie die von mir nachgezeichnete links). Ich dachte erst, die beiden machen sich über den Aufkleber lustig. Doch als ich näher kam und zur Fahrertür ging, zischte das Mädchen mich unvermittelt an.

„Ey, du Autodieb, lass den Käfer stehen. Der gehört unserer Freundin.“ Ich war baff und sprachlos. „Nee, das ist mein Auto“, sagte ich. Sie insistierte, dass ich ein Dieb wäre und dass sie die Polizei holen wolle. Da sagte ich ihr, dass sie das machen könnte, das aber nichts bringen würde. Die Polizei würde nur feststellen, dass sie im Unrecht wäre. Wie sie denn auf das schmale Brett käme, dass es das Auto ihrer Freundin sei, fragte ich noch neugierig nach. Sie zeigte wieder auf die hässliche Maus und erklärte mir, dass sie das Auto ihrer Freundin an dieser Maus erkannt hätte.

Ach, diese Maus! Ich wollte sie schon lange vom Käfer entfernt haben, doch sie klebte so bombenfest am Lack, dass es mir nicht gelungen war. Als sich das Mädchen von dem Typen etwas beruhigen ließ, konnte ich weiter fahren. Er hatte mir geglaubt, dass mein Vater den Wagen angekauft hatte und ich den Käfer nun fuhr. Das Mädchen war immer noch voll von den Socken, doch er zog sie fort und sie gingen weiter.

Ich habe noch viele witzige Geschichten und schöne Momente mit dem Käfer erlebt. Das erste Auto ist eben etwas ganz besonderes. Das Gefühl, die Verbindung zum ersten Auto, war bei mir sehr tief, intensiv und hochemotional. Auch wenn es nicht das schönste Auto war, für mich war es ein treuer Gefährte auf vier Rädern, mit dem ich viel gelernt habe. Mein erstes Kennzeichen: H-MY 922. Unvergessen!

WERBUNG
Dieser Artikel ist in Kooperation mit ERGO Direkt entstanden und nimmt an der Blogparade #MeinerstesAuto teil. Sie läuft vom 01.09.-30.09.2016, noch ist genügend Zeit zum Mitmachen! Im Magazin ist auch schon etwas zu lesen: #MeinerstesAuto – von Freiheitsgefühlen und Loslassen können

 

Titelbild von nakhon100 (Volkswagen 1302) [CC BY 2.0], Wikimedia
Typenbezeichnung „VW 1302“ von Christoph Braun [CC0], Wikimedia

7 Gedanken zu “Mein erstes Auto: VW Käfer 1302 A – lang ist’s her!

  1. Als Kfz-Mechaniker habe ich Käfer zunächst gehasst. Die haben Öl verloren, am geteilten Kurbelgehäuse, an den Rohren für die Stösselstangen. Die Kurbellenkerachse vorne war die Hölle zum Abschmieren und die Hinterachse als Pendelachse war die Hölle in schnell gefahrenen Kurven.

    Dann habe ich einige Monate bei Daniel Brukner in Ilsfeld gearbeitet und erkannt, dass zumindest die späten Käfer gar nicht so schlecht waren: 02 und 03 hatten Federbeinvoderachse und Schräglenker hinten. Damit ließ sich etwas machen. Nahm man den Luftboxer raus und baute einen Subaru- oder Alfa-Wasserboxer ein, machte der ganze Käfer plötzlich Sinn.

    Mein erstes Auto war übrigens ein Harburger Transporter (206D), das zweite eine Acadiane, das dritte ein BMW 1502 (mit Motor aus dem 520/4!), das vierte ein Peugeot 204…

    1. Mit den ersten beiden Modellen konnte ich spontan nicht so viel anfangen (sicherheitshalber nochmal Bildersuche angeschmissen). Aber dein drittes Auto, der 02 – das war schon immer mein Lieblingsauto vom BMW. Mein Vater hat sich diese Modelle zum Renn-Auto selber umgebaut und ist Slalom- oder Flugplatzrennen gefahren. Dein Peugeot 204 war als Cabrio ja traumhaft. Geschlossen fand ich damals die Franzosen nicht so gut. Und der Break sah „zum Brechen aus“ … 😉 Ich hoffe, ich bin jetzt in keinen Fettnapf getreten.

      Danke auf jeden Fall für den interessanten Einblick in deine persönliche Fahrzeugwelt!

  2. Wie, eine Auto-Diva kennt den Hanomag F 20 und die spätere Variante von Mercedes nicht, obwohl es sich um ein Unternehmen aus Hannover handelt?!
    Das mit der Acadiane kann ich verstehen, so etwas ist schließlich für Rennfahrerinnen nichts.

    1. Hallo anonymes Cookie Monster. Schade, dass du deine Identität nicht preis gibst. Nun denn, zu deinem Kommentar: Ich finde es ehrlicher (authentischer), wenn man auch mal zugeben kann, etwas nicht auf Anhieb zu kennen oder zu wissen. Etwas nachzuschlagen und zu verifizieren finde ich besser als den großen Wissensmaxen zu machen.
      Insbesondere die Nutzfahrzeuge waren bei mir jahrelang nicht auf meinem Radar. Das ist nicht schlimm, finde ich. Man kann nicht alles kennen.
      Hanomag ist ja vor langer Zeit in Konkurs gegangen. Wie sollte ich da Zugang bekommen? Daher ist es egal, woher das Unternehmen stammte. Sogar, wenn es aus Hannover war.
      Die Acadiane hatte ich schon auf dem Schirm, aber ich bin sie noch nicht gefahren. Aber nicht, weil ich das nicht wollte, sondern weil sie noch nie fahrbereit für mich zur Verfügung stand. Ich setze mich in jedes Auto gern rein und fahre es. Ich liebe es, unterschiedliche Fahrzeuge auszuprobieren. Ob auf der Landstraße oder – wie von dir richtig bemerkt – gern auch auf der Rennstrecke. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.