Sommerreifen oder Winterreifen im März

jaguar_ftype_coupe_1590Gestern las ich einen Artikel über Frühlingsgefühle … bei Autofahrern. Endlich mal wieder Gas geben, am liebsten mit den breiten Sommerpuschen. Geht mir nicht anders …

Der Focus schrieb über die Faustregel für die Winterreifen-Zeit „Oktober bis Ostern“, die ich ja schon mal per se absoluten Quatsch finde. Warum? Weil Ostern ein Zeitpunkt ohne festes Datum ist (beweglicher Feiertag), sondern jedes Jahr anders. Ich bin nicht die Feiertagsexpertin, aber wenn ich lese „Ostern: wenn der Ostervollmond erst auf den 18. April fällt und dieser Tag ein Sonntag ist, ist erst am darauffolgenden Sonntag, dem 25. April Ostern„, dann bin ich noch verwirrter. Du auch?

Sollen wir also unsere Reifen nach der Mondphase wechseln?
Absoluter Quatsch! Zudem ist das Wetter auch jedes Jahr anders. Ich habe am 14. März Geburtstag und habe schon im Schnee mit dicker Jacke, Handschuhen und Winterstiefeln gefeiert – in Hannover (Stadtzentrum) wohlgemerkt. Ebenso hatte ich unter wunderbarer Frühlingssonne nur ein T-Shirt und Sommer-Jeans mit Sneakers zum höchsten Sonnenstand an und dementsprechend war gefühlt Sommerreifen-Zeit. Doch abends war es wieder kühl, da brauchte es eine Jacke dazu.

Lieber Focus und liebe andere Ratgeber: ich möchte „Oktober bis Ostern“ nicht mehr lesen oder hören!  Focus Online-Experte Frank Böttcher rät zur Vorsicht: „Wer die Winterbereifung von O bis O – von Oktober bis Ostern – drauf lässt, schützt andere Verkehrsteilnehmer und lebt mit deutlich niedrigerem Risiko. […]“

Das zu pauschalisieren, sollte einem Wetter-Experten – der kein Reifenexperte ist! – nicht passieren. Das scheint mir eher aus Pressemeldungen oder anderswo abgeschrieben.Bridgestone Winterreifen vs. Sommerreifen Test
Bridgestone Winterreifen vs. Sommerreifen Test

Welches Datum ist denn jetzt der richtige Wechseltermin von Winterreifen auf Sommerreifen?

Frühlingsanfang wäre mal eine andere „Marke“. Aber auch diese ist nicht eindeutig. Denn es gibt (lt. Wikipedia) mehrere Definitionen des Frühlingsbeginns, der „entweder astronomisch, meteorologisch oder phänologisch (nach dem Entwicklungsstand der Pflanzen)“ bestimmt wird. Wobei wir hier schon ein Stück weiter kommen. Denn: Wann ich meine Winterreifen gegen Sommerreifen tauschen sollte, kann ich an keinem fixen Datum festmachen. Wie wäre es, wenn jeder für sich die individuellen Lebensumstände mal betrachtet?

  • Wo wohne ich? In der Stadt oder eher ländlich? Sprich: wie ist meine Infrastruktur? Kann ich problemlos auf Öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen, falls ich mich mit dem Reifenwechsel zeitlich vertan habe (erneuter Wintereinbruch nach Wechseln auf Sommerreifen)?
  • In welcher Wetterregion / Höhenlage wohne ich? Schneit es bei mir bis tief in den Frühling hinein oder wohne ich in einer Region, in der auch die Pflanzenwelt schon immer etwas früher blüht als woanders.

Das liegt nämlich am Wetter der jeweiligen Region (oha!) und danach sollte man sich richten, wenn man seinen Reifenwechsel plant. Wobei wir wieder das nächste „Problem“ haben. Es ist jedes Jahr anders. Wikipedia meint (im selben Artikel wie oben) dazu: „Von Jahr zu Jahr wechselt der Zeitpunkt des phänologischen Frühlingsbeginns; offenbar gibt es eine Tendenz, dass der Frühling in Europa früher beginnt. Als ein Indiz dafür gilt, dass zahlreiche Zugvögel-Arten einige Tage früher als noch z. B. 1970 aus ihren Winterquartieren zurückkehren.[3] Als Ursache des früheren Frühlingsbeginns gilt die globale Erwärmung.

Es ist übrigens auch nicht tragisch, wenn man ein paar Tage zu spät wechselt. Ein Winterreifen wird nicht automatisch unbrauchbar bei sommerlichen Temperaturen. Er hat nur andere Eigenschaften. Dann heißt es eben: Die Fahrweise anzupassen!

Reifentest

Bei der Unfallanalyse Berlin habe ich eine ganz tragfähige Aussage gefunden:

„Die pauschale Behauptung, unterhalb von 7° C seien Winterreifen generell besser, ist ein Märchen.“ Das ist doch mal ein Wort. Märchen gehören in Bücher, aber nicht in moderne Medien. Begründet wurde mittels eines durchgeführten und dokumentierten Reifentests. Bei  Temperaturen zwischen etwa 0 °C und 7 °C sind Winterreifen nicht den Sommerreifen überlegen.

Auch bei der Frage „Soll ich wechseln oder soll ich nicht – und wann fahre ich den besten Reifen?“ sagen die Berliner, die sich mit der Unfallanalyse beschäftigen das, was ich auch sage. Nämlich, dass dieses nur in Abhängigkeit von Wohnort und Fahrgewohnheiten beantwortet werden kann.

„Wer z. B. im Allgäu wohnt und auch im Winter regelmäßig über Land fährt, würde mit dem Verzicht auf Winterreifen fahrlässig handeln. Ein Hamburger aber, der sich fast nur in der Stadt bewegt und an den wenigen Tagen mit Schnee oder Eis ohnehin die öffentlichen Verkehrsmittel bevorzugt, braucht keine Winterreifen. Im Gegenteil: Möglicherweise wäre er mit Winterreifen sogar unsicherer unterwegs – nämlich mit gegenüber der Sommerbereifung unnötig verlängertem Bremsweg.“

Noch ein Tipp zum Geschwindigkeitsindex der Winterreifen (gibt die maximal erlaubte Fahrgeschwindigkeit an):

Ein Reifen mit niedriger Geschwindigkeitserlaubnis hat meistens eine weichere Gummimischung. Damit sind die Traktionseigenschaften auf Eis und festgefahrenem Schnee im allgemeinen besser. Ihr merkt schon, ich formuliere vorsichtig, ich kann nicht alle Reifen dieser Welt über eine Felge ziehen und etwas festzurren. Desweiteren habe ich gehört, dass die Reifen mit höherem Index auch schneller verschleißen, im Vergleich beim selben Hersteller. Und je höher der Geschwindigkeitsindex, desto höher der Preis.

Fragt euch einfach: „Muss ich einen Winterreifen haben, der bis 270 km/h erlaubt ist, der aber ggf. die Nachteile von höherem Preis, härterer Gummimischung und dennoch hohem Verschleiß in sich vereint?

Mein Tipp: eine Stufe beim Index darunter nehmen (oder sogar zwei – als sonst) und sich dann aber auch an die Geschwindigkeit halten. Wenn vorhanden, dann den Begrenzungsregler einschalten, ist ein weiterer guter Hinweis. Pi Daumen sind 210 km/h ein sehr guter Kompromiss für rasante Fahrer, die aber nicht kopf- und hirnlos im Winter fahren wollen. Bitte schaut aber in eure Papiere und fragt jemanden, der sich damit auskennt, welche Reifen optimal sind.

Reifen Geschwindigkeitsindex als Übersicht

L Reifenindex: bis 120 km/h
M Reifenindex: bis 130 km/h
N Reifenindex: bis 140 km/h
P Reifenindex: bis 150 km/h
Q Reifenindex: bis 160 km/h
R Reifenindex: bis 170 km/h
S Reifenindex: bis 180 km/h
T Reifenindex: bis 190 km/h
U Reifenindex: bis 200 km/h
H Reifenindex: bis 210 km/h
V Reifenindex: bis 240 km/h
W Reifenindex: bis 270 km/h
Y Reifenindex: bis 300 km/h

Noch etwas ist natürlich wichtig: Rechtzeitig die Reifen zu erneuern, wenn die Profiltiefe nicht mehr ausreichend ist! Egal, ob bei Sommer- oder Winterreifen.  :-)

Goodyear ReifentestGoodyear Reifentest mit abgefahrenen Winterreifen vs. neue Winterreifen. 

Ich hoffe, es ist nun etwas klarer geworden, das es nicht DAS Datum gibt, an dem man wechseln sollte. Denkt einfach mal nach, wie es für euch am besten ist und dann auf zum fröhlichen Reifenwechsel. Nicht zu früh und nicht zu spät. Und lasst das Auto stehen, wenn die Reifen nicht zum Wetter passen. Bei falschen Reifen (Sommerreifen bei Winterreifenpflicht) oder abgefahrenen Reifen droht zudem ein Bußgeld. Da ist ein Ticket für die Bahn / den Bus günstiger. Und das sage ich als Herzblut-Autofahrerin mit Benzin im Blut! Allseits gute Fahrt!

Ein Gedanke zu “Sommerreifen oder Winterreifen im März

  1. Pingback: Deutscher Auto Blogger Digest vom 10.03.2015 › "Auto .. geil"

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