Renault: Concept E-Auto Frendzy auf der IAA 2011

Ein Stadtlieferwagen für Gewerbetreibende, eine trendige Familienkutsche, ein Elektro-Transporter der Zukunft. Normalerweise interessieren mich Transporter, Lieferwagen und andere größere Kästen auf Rädern mit Zuladungsvolumen – Null! Ganz anders bei diesem Concept-E-Car.

Ein asymmetrisches Design kennen wir bei Lieferwagen schon, aber ein so überraschendes, interessantes habe ich bisher noch nicht gesehen. Fahrer- und Beifahrerseite unterscheiden sich voneinander. Also sollte man gleich so parken, dass man auf die richtige Seite schaut, damit weiß man, was der Tag einem so bringt oder was man zu tun hat – ohne viel nachzudenken zu müssen. ;-)

Damit auch die Außenwelt weiß, ob der stolze E-Auto Besitzer gerade arbeitet oder im privaten Modus ist, braucht man nur auf die Außenspiegel zu schauen: Im „Berufsmodus“ sind die Rückspiegel senkrecht angeordnet, im „Familienmodus“ drehen sich die Rückspiegel in eine waagerechte Position. Außen zeigen zusätzlich farbliche Elemente an Front- und Rückleuchten den gewählten Modus an. Verwechslung also ausgeschlossen, wenn eine Legende zur Erklärung beiliegen würde.

Werbe- und Info-Display

Tritt man auf die Beifahrerseite zu, dann ist Arbeit angesagt. Eigentlich ganz gut gelöst, denn meistens geht man ja auf die Fahrerseite zu.  Auf der Beifahrerseite findet man einen 37-Zoll großen Bildschirm vor. Je nach Gusto kann man sinnige oder unsinnige Nachrichten dort einblenden. Ob die Politesse die Botschaft „Bin in fünf Minuten zurück“ oder „Lieferfahrzeug“ akzeptieren würde, ist noch nicht bekannt. Also vielleicht doch lieber als Werbefläche verwenden. Das geht nämlich auch. Wie die Werbebotschaften eingespeist werden, kann ich allerdings nicht sagen. Ich hoffe, WordArt ist verboten, sonst sehen wir wieder diese Glühlämpchen-Männchen. Alternativ informiert dieser Bildschirm über den aktuellen Ladezustand der Lithium-Ionen-Batterie.

Gepäck- und Stauraum – magnetisch anziehend, aber kein Open Air

Das Gepäckraumvolumens umfasst bis zu 2.250 Liter und das modulare Beladekonzept eröffnet neue Tetris-Spielereien im Real-Life. Kisten, Kästchen, es wird schon passen. Luft nach oben ist wohl auch, aber leider kein Open-Air möglich (zumindest habe ich nichts dazu gefunden): Das Dach ist aus einem festen, aber dennoch flexiblen Gewebe. Hey, ein Faltdach fehlt! Das hätte man doch aber noch einplanen können, oder wird das eine Überraschung, wenn der Frendzy sein Concept-Stadium verlassen sollte?

Anziehend – im wahrsten Sinne des Wortes auch der Ladeboden: Ersatzteile, Werkzeuge und sperrige Ladung müssen nicht aufwendig verzurrt werden, sondern sind über Magneten gesichert. Aluminium fällt da natürlich raus und alles andere, was sich nicht magnetisieren lässt. Die Frage ist ja noch: was passiert, wenn ich meine Kreditkarte über dem Magneten schweben / fallen lasse oder mein Netbook dort platziere (Festplatte)?

RFID on board

Mein mobiles Endgerät hat es noch nicht, aber der Frendzy: Sensoren in den Türschwellern lesen den RFID-Code (Radio Frequency IDentification) von transportierten Paketen aus. Mit Lieferadresse, Gewicht und Abmessungen, wenn man denn eine Anwendungsmöglichkeit dafür hat. Meine spontane Idee dazu: das könnte man auch mit Location-Based-Services verbinden. Wenn man das Fahrzeug verlässt, wird automatisch ein Foursquare-Check-in ausgeführt. Okay, ich höre ja schon wieder auf herumzuspinnen …

Die Fahrerseite soll mehr Wochenende oder Feierabend repräsentieren, also an die Familie erinnern, dass man diese auch mal wieder in das E-Auto packen sollte, um was Schönes zu unternehmen. Damit die lieben Kleinen nicht gleich wieder nach einem Eis nölen, können die mitreisenden Kiddies über einen im Fahrersitz installierten Touchscreen Filme ansehen. Kritzelbegeisterte Teppichratten können ihre Kreativität mittels Kreiden (nicht mitgeliefert!) auf der Maltafel herauslassen. Diese ist auf der rechten seitlichen Schiebetür integriert. Es fahren ja nicht immer nur Kinder mit, sondern auch mal Teenies oder Freunde, die dann doch lieber ihre Facebook-Wall ansteuern wollen.  Das geht mittels der – aus der Mittelarmlehne der Vordersitze ausfahrbaren – berührungsempfindlichen Tablet-PCs.

Cockpit Enterprise und Entertain

Das Armaturenbrett heißt einen „herzlich willkommen im Renault-Schiff Trendzy Enterprise“: Auf der Fahrerseite erinnert das Armaturenbrett an eine futuristisch gestaltete Werkbank aus geschmolzenem Metall. Ein bisschen Hüttengemütlichkeit wird zurückgewonnen durch großflächige Holzintarsien.

Auf dem Armaturenbrett und in den hinteren Türen sind organisch geformte „Rezeptoren“ vorhanden, in die Accessoires ganz einfach eingesteckt werden können, las ich. Um welche es sich handeln könnte, wurde noch nicht erklärt. Naja, ein USB-Stick wird wohl minimum möglich sein, denke ich. Renault denkt nicht an das iPad, sondern schafft den Business-Case für Captain E-Driver mit einem  integrierten BlackBerry® PlayBook™.  Zudem kann Pilotin/Pilot über den sieben Zoll großen Touchscreen beispielsweise den externen Monitor nach Belieben steuern, sobald das PlayBook™ im Fahrzeug angedockt wurde. Aha, also müsste man jetzt die Apps kennen, damit sich meine Frage von oben (zum Werbedisplay) beantwortet.

Grün oder Orange – in welchem Modus bin ich?

Arbeiten ist grün, Privatmodus ist orange: zumindest die Interieurbeleuchtung erstrahlt farbig entsprechend. Auch von außen ist anhand der Beleuchtung rund um Scheinwerfer und Rücklichter erkennbar, was der Transporteur d’Automobile gerade so treibt. Ich finde das Farbenspiel ja eine super Idee, doch was macht man bei Rot-/Grün-Blindheit? Weniger Arbeiten, mehr Freizeit? Kleiner Scherz, der musste sein. Aber Designer sind schon sehr auf Farben abgefahren – was ich ja auch irgendwo verstehen kann.

Wie schnell, wie weit?

Die Dimensionen sind interessant. nur 4,09 Meter ist der Stromer lang und wird von einem 44 kW/60 PS starken Elektromotor angetrieben. Emissionsfreies Fahren und Beschleunigen ist bis zu 130 km/h möglich. Bestimmt habe ich noch nicht alle Vorzüge und Features erwähnt, was noch auffällt: Der Verzicht auf eine B-Säule auf der Beifahrerseite, dafür aber eine „klassische“ Tür plus Schiebetür und die beiden gegenläufig öffnenden Türen auf der Fahrerseite.

Der Rhombus, das klassische Logo von Renault verbirgt die Ladevorrichtung, hier kann man also „andocken und Strom saugen lassen“. Die schon erwähnten Lithium-Ionen-Batterien verfügen über eine Kapazität von 22 kWh und ermöglichen eine Reichweite von bis zu 170 Kilometern.

Außen-Sound – braucht ein E-Auto das?

Für den Frendzy entwickelte Renault gemeinsam mit dem Institut IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) einen speziellen Sound, der andere Verkehrsteilnehmer vor dem fast geräuschlosen Elektroauto warnt. Dabei unterscheidet sich die Klangkulisse im „Berufsmodus“ von der im „Familienmodus“: „Um den Sound so informativ wie möglich zu gestalten, variiert er je nach Fahrgeschwindigkeit. Bei starker Beschleunigung wird der Klang heller und erinnert an einen Atemhauch. Okay, okay, solange es sich nicht wie „Je t’aime“ anhört …  Beim Bremsen kommt eine Komponente hinzu, die den Wind simuliert“, erklärt Komponist Andrea Cera, der die Akustik für den Frendzy kreierte. Aha, da bin ich ja mal gespannt, wie sich das anhören soll. Leider habe ich den Frendzy noch nicht mit rollenden Rädern an mir vorbeisausen und -säuseln sehen.

Wer oder was wird der Nachfolger des Nashorns aus dem Kangoo Spot?

Ihr erinnert Euch? Ich bekomme es gar nicht aus meinem Kopf, der Spot von Renault hat sich regelrecht eingebrannt. Ein Nashorn „begattet“ den Renault Kangoo – von hinten und schläft danach selig auf dem Dach ein. Da der umweltfreundliche Elektro-Antriebsstrang des Frendzys mit dem des Renault Kangoo Z.E. identisch ist, drängt sich der Gedanke auf, dass der Frendzy in die Fußstapfen von Transporter-Ikone Kangoo Rapid treten will und wird. Doch welches Tier mag die nächste Werbe-Ikone werden? Welches Tier hat eine Vorliebe für seitliche Schiebetüren? Ich bin sehr gespannt, was sich Renault einfallen lässt, damit ich das Nashorn endlich vergesse!

Weitere Fotos von der IAA: siehe unter IAA 2011 (Mercedes, BMW, Ford, Porsche, Honda, smart, VW und eine gemischte Marken-Galerie)

Disclosure: Dieser Artikel spiegelt meine eigene Meinung wieder. Renault hatte mich freundlicherweise zur IAA eingeladen.

4 Gedanken zu “Renault: Concept E-Auto Frendzy auf der IAA 2011

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