Was an der neuen B-Klasse gut ist – was mir gefällt/nicht gefällt

Kompaktklasse, die neue B-Klasse, wie „klasse“ ist das neue Modell? Mercedes-Benz hat sich ganz schön ins Zeug gelegt, das einmal vorab verraten. Doch wie kommt das neue Modell an? Wer fühlt sich angesprochen, wer ist die Zielgruppe? Das kann man von unterschiedlichen Seiten sehen, denn die B-Klasse hat viele Gesichter. Das meine ich wortwörtlich, denn beim Fotografieren habe ich gemerkt, dass es darauf ankommt, aus welcher Perspektive ich den sportlichen oder den platzfreundlichen/bulligen Effekt erziele.

Daher – was natürlich bei jedem Fahrzeug zu raten ist – selber anschauen, vor dem Auto stehen, drum herum gehen, ist immer noch das beste, um sich mit einem Fahrzeug zu befassen. Noch besser ist es, einzusteigen und loszufahren:
auf einer Probefahrt in Wien und Umgebung habe ich vier Modelle in Ausstattungs-Varianten getestet (in dieser Reihenfolge).

  • B 200 CDI Blue EFFICIENCY, Jupiterrot, ARTICO schwarz (innen), 6-Gang-Schaltung, Sport
  • B 200 Blue EFFICIENCY, Universumblau, ARTICO/Stoff kristallgrau, 6-Gang-Schaltung
  • B 200 CDI Blue EFFICIENCY, Mountaingrau, Leder haselnussbraun, 6-Gang-Schaltung
  • B 200 Blue EFFICIENCY, Lotusblau, Leder kristallgrau, 7G-DCT (Doppelkupplungsgetriebe, Lenkradschaltpaddles)

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich mehr Schaltwagen als Automatikwagen getestet. Das lag daran, dass am ersten Tag die Automatik-Autos ständig „vergriffen“ waren. Für den zweiten Tag habe ich mir dann ganz früh an der Testwagenausgabe den B 200 in Lotusblau reservieren lassen. Die 7G-DCT ist eben etwas besonderes (dazu später mehr). Zuerst der optische Eindruck, schaut Euch die erste Galerie an:

Form, Design

Kein flacher Witz, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht glauben mag: Die B-Klasse ist flacher geworden, also die Gesamthöhe um fast 5 Zentimeter auf 1,557 m. Das Außendesign ist ein bisschen pfiffiger als beim Vorgängermodell, finde ich. Der Cw-Wert ist sehr niedrig (0,26) in der Klasse der rollenden Kompakt-Bauklötze (hehe). Unterstützt wird dieses durch günstige Vorderradumströmung, die Unterbodengestaltung, Kühlluftströmung und patentierte gezackte Radhausspoiler. Zackig also, der kleine B.

Die Sicken sind da: an der Seite, Richtung Dach verlaufend, sie zaubern sogar ein seitliches Halb-Grinsen auf die B-Klasse. Wenn er keine Heckklappe hätte, würde die B-Klasse im Kreis grinsen, schreibe ich jetzt mal nicht. Das wäre ja flach! 😉 Flach, im Sinne von „glatt gehalten“ ist das Dach nur noch, wenn man das aufpreispflichtige Schiebedach bestellt hat. Ansonsten ist auch das Dach „versickt“, aber nur ganz leicht. Sieht man am besten in der roten Galerie, Bild 5. Das hat nicht allein nur optische Wirkung, sondern man bekommt mehr Stabilität in die Karosserie.

Die Sitzhöhe reduzierte sich um 86 mm. Der Innenraum kann eine Waschmaschine (gekippt) immer noch fassen, dafür sorgt das optional erhältliche Easy-Vario–Plus-System. Ich bin um einiges schmaler als eine Waschmaschine, dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen, mal alles umzuklappen und mich auf der Ladefläche zu lümmeln. So könnte man – zu zweit oder allein – auch mal einen stundenlangen Stau ertragen, fiel mir dabei so ein – ohne Waschmaschine an Board, versteht sich. Das liegt u. a. daran, dass sich der Beifahrersitz bis auf das eigene Sitzkissen herunter klappen lässt. Das kann man schätzen lernen. Und glaubt mir, ich stand neulich 4,5 Stunden im Stau. Nicht einen Zentimeter Bewegung!

Aber wir wollen ja nicht nur herumliegen, wir wollen endlich in die B-Klasse auf dem Fahrersitz Platz nehmen.

Pilotin über den Arbeitsplatz: Fahrersitz und Cockpit

Je nach Ausstattung zeigte sich mir die B-Klasse sportlich (in schwarz), freundlich hell (in kristallgrau) oder edel (in haselnussbraun). Das ist Geschmackssache und natürlich mag auch der Geldbeutel mal ein Wort dazu sagen, wenn man mit der Lederausstattung liebäugelt.

Gute Sache, schlechte Sache: Lenkrad und Mittelarmkonsole

Das Lenkrad, ja Moment mal, das kenne ich doch schon aus dem CLS 350 und CLS 500. Ob es exakt die Abmaße hat, kann ich nicht schwören, aber „Grip and Feel“ kam mir sofort bekannt vor (Coming-home!). Was habe ich im Workshop „Faszination der Sinne“ gelernt? Sehen und Fühlen sind wichtig und vermitteln „Wertigkeit“. Hier punktet Mercedes-Benz auf jeden Fall, denn mir hat das Lenkrad sofort gut gefallen. Im optionalen Sportpaket ist die Direktlenkung (mechanisch mit elektrischer Unterstützung) erhältlich. Die macht auch richtig Spaß! Bevor ich weiter ins Schwärmen komme, gibt es jetzt harten Punktabzug in der B-Note.
Die Mittelarmkonsole nimmt das mobile Device auf und hält Anschlüsse bereit. Darum lässt sich die Konsole nicht wie eine Mittelarmlehne hochklappen. Das tue ich immer als erstes, wenn ich in ein Auto steige, besonders bei Schaltwagen. „Aber warum macht „sie“ denn so etwas?“, werdet Ihr Euch fragen. Ganz einfach: ich habe sehr lange Beine und dazu einen verhältnismäßig kurzen Oberkörper. Ich sitze gern in tiefer Sitzposition im Auto. Das kann ich bei der B-Klasse nicht! Damit ich mich überhaupt wohlfühle, wenn ich zwischendurch den Arm „ablegen“ würde, muss ich den Sitz sehr weit nach oben stellen. Das gefiel mir also gar nicht und wurde nur im Automatikfahrzeug von mir als „nicht so störend“ empfunden. Denn die Gangschaltung ist dort nicht in der Mitte angebracht, sondern am Lenkrad als Hebel zu finden.

7G-DCT: Doppelkupplungsgetriebe, Lenkradschaltpaddles

Ganz, ganz neu, die 7G-DCT = Premiere. Deshalb waren die Automatik-Testwagen auch immer alle so gefragt (siehe oben). Gewöhnungsbedürftig sind die Lenkradschaltpaddles, wenn man es noch nicht ausprobiert hat. Ich kenne natürlich eine Paddle-Schaltung, daher war es für mich kein Neuland. In einem Nicht-Sportwagen so ein Feature anzubieten, empfinde ich als mutig. Aber: man braucht die Paddles nicht zu nutzen, einfach auf „D“ stellen und rollen lassen. Verfügbar sind 3 Möglichkeiten, die Automatik einzustellen: E (Economy), S (Sport) und M (Manuell). Economy und Sport erklären sich wohl von selber. Sparsam oder sportlich, mit den entsprechenden Konsequenzen auf Tacho und Benzintank. Manuell (M) bedeutet, dass ich immer manuell über die Paddles schalte, sogar schalten muss.
Denn im E oder S Modus kann ich zwischendrin die Paddles bedienen, um mal schnell runterzuschalten, wenn es sinnvoll ist. Nach circa 10 Sekunden (so habe ich gezählt) Nichtbedienung der Paddles geht der vorher eingeschaltete Modus wieder in den entsprechenden Automatikbetrieb. Und übrigens: der „ECO-Mode“ in der Mittelkonsole als Taster stellt die Start-Stopp-Automatik ein oder aus, das heißt nicht, dass es auf den Schaltvorgang Einfluss hat. Erklärungsbedürftiges Feature für zukünftige B-Klasse-Fahrer!

Assistenzsysteme

Das wäre ein eigener Blogartikel – vom Umfang – wert, daher nur die Info, dass optional die Assistenzsysteme aus „höheren Klassen“ nun auch in der B-Klasse verfügbar sind (siehe Info Mercedes-Benz). Zwei Worte noch zum PRE-SAFE: den Gurtstraffer, nach dem Anlegevorgang fand ich zu straff eingestellt. Ich habe sofort das Bedürfnis gehabt, mich vom Gurt wieder zu befreien und ihn ganz „normal locker-fest“ angelegt zu tragen. Der Collision Prevention Assist, der vor Auffahrunfällen über 30 km/h warnen soll, hat mich ein bisschen oft genervt. Das rote Dreieck ging – für meinen Geschmack – ein bisschen zu früh an. Oder ich bin eine Zu-Dicht-Auffahr-Dränglerin, wer weiß? Ich habe allerdings – da ich immer hochkonzentriert und nicht abgelenkt fahre, noch nie ein Problem mit einem Auffahrunfall gehabt. Naja, vielleicht ist das System eher auf etwas abgelenktere Fahrer/innen eingestellt, die noch eine Sekunde mehr Reaktionszeit benötigen.

Internetzugang

Hmmm, da bin ich gar nicht mehr zu gekommen, das im Detail auszuprobieren. Es geht um das Multimedia-System COMAND Online. Da wünsche ich mir mal eine komplette Überarbeitung der Optik. Diese gediegene Farbgebung gefällt mir leider sehr wenig – das gilt für alle Modelle. Der Sprachsteuerungs-Test ist auch sehr kurz ausgefallen, ich hatte einen netten Mitarbeiter gefragt, er hat es mit einem Kommando vorgeführt. Hat funktioniert, aber man muss natürlich erst die Kommandos kennen und auswendig lernen. Ist kein K.I.T.T., mit dem man mal nett plaudern kann. Das nächste Mal würde ich mich gern näher mit dem System beschäftigen, diesmal ist es leider zu kurz gekommen.

Alternative Antriebe

„Energy Space“-Konzept war die Antwort. Schnittstellen im Rohbau erlauben es, den Hauptboden zu modifizieren (Abgasanlage fällt ja bei einem reinen E-Auto weg etc.) und der Energiespeicher hätte Platz im partiellen doppelten Boden unter der Rücksitzbank. E-Cell, F-Cell, Aussagen habe ich dazu keine konkret bekommen (aber vielsagende Antwortblicke), warten wir ab, welches Modell als nächstes auf dem Markt auftauchen wird.

Fahr-Zit

Die B-Klasse hat sich verbessert, optisch und technisch. Das Fahren (mit Automatik) macht durchaus Spaß, kann aber auch ganz vernünftig „durchgeführt“ werden. Ich habe natürlich mehr die Kurvendynamik als das sparsame Fahren ausprobiert, denn ich weiß ja, dass ich sparsockig fahren kann. Der Verbrauch (beim Benziner-Automatik) hat mich dann doch erstaunt, wie hoch ich es – heizenderweise – treiben konnte. Aber sonst liegen die Werte angegeben 5,9l bei Benzin und 4,4l bei Diesel. Nur bei mir nicht. 😉
Beim Schaltwagen B 200 habe ich mich gewundert, dass mir der Benziner gar nicht so gut gefallen mochte, denn der Diesel war durchaus flüssiger in der Schaltung, besser im Anzug, einfach geschmeidiger zu fahren. Das sage ich, die noch nie Diesel im Blut hatte, sondern immer nur Benzin.

Noch Fragen? Gern, denn ich könnte noch stundenlang über weitere Details schreiben,  …

Danke an Dieter Rebmann (Fotograf beim Daimler Event) für die lotusblauen Fotos, die anderen sind von mir. 
Disclosure: Dieser Artikel spiegelt meine eigene Meinung wieder, Daimler erstattete mir die Reisekosten. 

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