Porsche 911

Porsche 911 und Mama – gestern und heute

Meine Mama Monika ist ein Feger! Das ist nicht so gemeint, wie ihr jetzt vielleicht denkt. Es geht natürlich ums Autofahren! Ihre Fahrerlaubnis hat sie erst Mitte 20 bekommen. Sie fährt allerdings (so gut), als ob sie schon zu Kindergarten-Zeiten mit Zöpfen auf dem Gokart gesessen hätte – und später einige Stunden in einer Rennfahrer-Schule verbracht hätte.

Wenn ich Mama frage:“Was ist heute immer noch dein Lieblingsauto, dass du früher gehabt hast?“, so kann ich spontan Gedankenlesen. Es ist so einfach! Ich habe schon von klein auf gespürt, welches Auto ihr am meisten Spaß bringt. Welches Auto einfach gut zu ihr passt und in welchem sie sich wohl fühlt.

Es ist nicht das erste Auto, ein VW Käfer, den sie nennt. Obwohl mit dem ersten Auto meistens sehr große Emotionen verbunden sind. Es ist der weiße Porsche 911, der etwas ganz besonderes in ihrer langjährigen Autofahrerinnen-Zeit war. Woher das rührt? Es gibt eine kleine Geschichte dazu!

Porsche 911
Leider nur ein „Symbolfoto“, aber dieses Modell könnte beinahe Mama’s Porsche sein. Gefunden habe ich diesen Elfer bei Karero. Zurzeit steht er sogar zum Verkauf. Vielen Dank, dass ich die Fotos für diesen Artikel nutzen darf!

Mama ist jetzt noch öfter in der Werkstatt von Papa

Mein Vater hatte den besagten Porsche zuerst eine Weile in der Werkstatt stehen. Es war natürlich kein Neuwagen, sondern schon ein älteres Modell damals. Am Wagen musste noch etwas geschraubt werden. Natürlich sollte er verkehrssicher sein und benötigte eine neue Plakette. Jedes Mal, wenn wir meinen Vater besuchten, ging der Blick auf die weiße formvollendete Figur des 911. Wie er so einsam in der Ecke stand, weil die Hebebühne mal wieder besetzt war.

Manchmal war der 911er auch abgedeckt, wenn es zu staubig drum herum wurde – so ähnlich wie auf dem Titelfoto. Dann blitzten nur noch die frechen Fuchsfelgen unter dem Tuch hervor. Prägende Erlebnisse in meiner Kindheit! Auch heute noch stoße ich gelegentlich einen leisen Kiekser aus, wenn ich Fuchsfelgen – egal wo – erblicke.

Neben all der anderen Arbeit nahm sich mein Vater die Zeit, den Porsche aufzumöbeln. Eines Tages war es dann so weit. Mein Vater kam nach Feierabend mit dem Porsche nach Hause und gab meiner Mutter einfach so die Schlüssel. Nix Feierliches, keine Schleife, kein Prosecco. Einfach so. Mein Vater ist kein Mann, der so etwas zelebriert. Wir Kinder bekamen von all dem nichts mit, wir schliefen schon.

Von da ab fuhren „wir“ Porsche.

Porsche 911Ich war noch so jung, dass ich mir überhaupt keine Gedanken um den Wert oder Preis eines Porsche machte. Es war für mich einfach ein wunderschönes Auto. Ich fuhr gern auf dem Beifahrersitz mit, obwohl ich noch ein ganz kleines bisschen zu jung (im Kinderpass) dafür war. Aber so konnte ich mich sicherer anschnallen. Meine Schwester hatte auch eine besondere, kindgerechte Anschnall-Lösung (nicht im Bild) und saß hinten.

Dadurch, dass ich vorn saß, konnte ich mir besonders gut Verkehrszeichen einprägen. Selbstverständlich fragte ich wissbegierig nach den unterschiedlichen Bedeutungen. Meine Verkehrserziehung fand also in jüngsten Jahren im 911er statt.

Meine kleine Schwester im Kleinkind-Alter hingegen war etwas magenempfindlicher, wenn sie gerade etwas gegessen hatte. So war es einmal wirklich knapp, dass wir auf der Rückfahrt von einem Ausflugsziel am Straßenrand halten konnten. Ich sprang heraus, ließ den Beifahrersitz nach vorn schnellen und meine um das Heck eilende Mutter zog die kleine Puppe blitzschnell heraus. Hat alles geklappt. Nicht auszudenken, was sonst gewesen wäre.

Heute ist meine Schwester eine ebenso rasante und sichere Fahrerin wie die ganze Familie. Auch sie ist ein Porsche-Fan, gibt sie unumwunden zu.

 

Meine Schwester ist auch ein #Porsche Fan! Liegt in der Familie …

Ein Beitrag geteilt von enypsilon (@enypsilon) am


Ich erinnere mich an viele Fahrten mit dem Porsche. Wir fuhren oft zu Omi. Das waren nur 50-60 Kilometer mit Landstraße, Schnellstraße und Autobahn. Als Kind empfand ich es schon als große Reise. Obwohl wir natürlich zügig unterwegs waren. Irgendwie hatten wir jedoch mit den Autos zuvor länger gebraucht.

Porsche fahren ist ganz normal

Meine Mutter hat nie mit ihrem Porsche angegeben. Sie fuhr ihn mit Stolz und gleichzeitig einer wunderbaren Selbstverständlichkeit. So hat sie kein einziges Bild vom Porsche oder gar von sich mit dem Fuchsfelgenträger gemacht. „Ich habe leider kein Foto für dich“, teilte sie mir mit, als ich sie kürzlich danach fragte.

Und dabei war sie doch nebenbei Fotomodell! Als kleines Trostpflaster zeige ich hier ein paar Fotos meiner Mama von früher.

Porsche-Gefühl-Revival für Mama

Als wir uns mal wieder am Telefon unterhielten, sagte Mama, dass sie mich vermissen würde. Ich solle doch nach Hannover auf Besuch kommen. Da wir nun über 600 Kilometer auseinander wohnen, haben wir uns lange nicht mehr gesehen. Mein Entschluss stand auf einmal metallfest: Ich reise in den Norden. Mit einem wunderbaren Auto. Mama muss mal wieder Porsche fahren! Doch diesmal mit vertauschten Rollen, ich fahre, damit sie genießen kann.

Ich schmiedete einen Plan, organisierte alles, verriet ihr aber nichts. Was passt da besser, als sie damit zu überraschen, mit WAS ich zu ihr nach Hannover fahre? Und weil sie mich auch noch nicht besucht hat, schlug ich ihr vor, dass ich mit ihr gemeinsam ins Schwabenländle fahre. Zurück ginge es dann für sie mit der Bahn, vereinbarten wir.

Ankunft mit Überraschungseffekt

Meine Mutter geht also immer noch davon aus, dass ich mit meinem eigenen Wagen nach Hannover reise. Doch aufmerksam wie eine Katze spürt sie, dass ich angekommen sein muss. Die Kombination aus verwandtschaftlicher Telepathie und dem Gehörsinn für einen Porsche-Motor ließ sie aus dem Fenster schauen. Ich saß zwar noch im Auto, aber sie kam sofort die Treppen hinunter. Meiner Mutter bleibt scheinbar kaum etwas lange verborgen und sie traut mir wohl einiges zu – auch, dass ich sie mit einer Porsche-Tour überraschen könnte. Wie intuitiv Mütter doch sein können.

Als sie dann vor dem Porsche steht, entfährt ihr doch ein leises „Wow“, und ich sehe ihre katzengrünen Augen leuchten. Die Freude ist groß, dass in der nächsten Woche das Motto „Porsche“ auf dem Programm steht. Und damit all die Geschichten aus unserer gemeinsamen Zeit mit dem weißen Porsche – wie oben angedeutet. Doch nun gehen wir erstmal gemeinsam die Treppen hoch und ich bekomme einen leckeren Willkommens-Tee serviert. Sofort sind wir im Gespräch und ich stelle ihr vor, was ich mit ihr unternehmen möchte. Mama ist begeistert! Schnell wird es dunkel und wir bereiten uns auf den morgigen Tag vor.

Mama sagt dem Porsche Gute Nacht

Obwohl es ja nicht unser eigener Porsche ist, ist Mama ganz crazy und verliebt. Wenn er in Sichtweite geparkt steht, schaut sie öfter zwischendurch mal aus dem Küchenfenster. Sie meint, ich würde das nicht merken. Ich gnickere amüsiert in mich hinein und lasse mir nichts anmerken. Ich finde das ja süß!
Porsche 911 von oben aus dem Küchenfenster

Die erste Nacht war es noch verrückter. Der Porsche steht direkt unter dem Küchenfenster. Als es dunkel wird, lässt sie in der Küche das Licht brennen. Ich wunderte mich ein wenig und fragte nach, ob sie neuerdings die Lampe anlässt. „Nein,“ sagt sie „ich lasse es an, damit der Porsche sich nicht allein fühlt und nichts passiert“. Meine Mutter! Noch autoverrückter als ich und das ist fast nicht möglich.

Unsere Porsche-Tour

Aus dem Zollernalbkreis bin ich nach Hannover gefahren. Mit Mama in Hannover habe ich einige Locations besucht, die unsere Vergangenheit prägen.

Porsche 911 Tour mit Mama

Wir sind bei der alten Rothschild-Villa im Zooviertel vorbeigefahren, in der wir damals die untere Etage bewohnten. Leider eine Einbahnstraße und sehr eng, so konnten wir keine Fotos machen. Ein paar Meter weiter im Hindenburgviertel steht die Villa, in der meine Mutter ein kleines Türmchenzimmer bewohnt hat, als sie meinen zukünftigen Vater kennengelernt hat.

Porsche 911 Tour mit Mama

Viele weitere Punkte aus der Erinnerung kamen hinzu. Der Maschsee darf natürlich in der Tour nicht fehlen. Im blauen neuen Porsche war die Erinnerungstour an die alte Porsche-Zeit noch schöner und intensiver, als ich mir das vorher überhaupt vorstellen konnte. Porsche 911 Tour mit Mama

Die Zeit vergeht so schnell, es wird Zeit. Nun heißt es, die Langstrecken-Qualitäten des Porsche noch einmal zu testen. Es ist spannend zu sehen, ob Mama mit dem Porsche – wie früher –  die Fahrt genießen kann. Mama ist natürlich nicht mehr ganz so wild wie früher, legt ein bisschen mehr Wert auf Komfort. Doch im neuen 911er gab es für sie „nichts zu meckern“. Auch die Fahrtzeit vergeht wie im Fluge, denn die Autobahn ist glücklicherweise nicht so voll. Wenn das weiße Schild mit den Durchstreichungen kommt, dann geht es noch schneller. So kommen wir wohlbehalten in Baden-Württemberg an. Hier sind weitere Programmpunkte geplant. 

Am nächsten Tag fahren wir nach Stuttgart, gehen ins Porsche-Museum. Mit welcher Mutter kann man Auto-Begeisterung nochmals steigern? Meine ist völlig aus dem Häuschen im Museum. Wir genießen eine Spezial-Führung nur für uns und lassen uns alles von der netten Porsche-Museums-Guide-Dame erklären. Das war perfekt! Sie hat dieses Foto als Erinnerung für uns gemacht.

Porsche-Museum mit Mama

Ein bisschen mehr über das Porsche-Museum und die Möglichkeit einer virtuellen Führung habe ich ja schon in einem vorherigen Artikel beschrieben.

 

 

Mit Mama ins #Porsche Museum!

Ein Beitrag geteilt von enypsilon (@enypsilon) am

Den Tag darauf sind wir durch Tübingen geschlendert, einen Tag später geht es ins Grüne. Wir „erfahren“ die Landschaft des Zollernalbkreises. Die Landstraßen mit ihren Kurven machen hier besonders viel Spaß. Kein Wunder, dass man öfter auch mal den einen oder anderen Erlkönig sieht, wenn er auf längerer Testfahrt ist. Hier sind wir auf dem Parkplatz des Römischen Freilichtmuseums Hechingen-Stein und entschleunigen gerade mal ein bisschen, genießen das schöne Wetter. 

Porsche 911 im Zollernalbkreis mit Mama

Viel zu schnell geht die Zeit vorbei und ich bringe Mama zum Zug nach Hannover. Ich schaue in ihre leuchtenden Augen und bin sehr froh, dass ich sie mit unserer Porsche-Tour überrascht habe und wir so viel Spaß hatten. Ein unvergessliches Erlebnis. 

Quellenangabe für die Fotos vom weißen 911 L: © Wolfgang Scholvien & KARERO GmbH & Co KG
Alle anderen Fotos: Auto-Diva, Nicole Y. Jodeleit

Ein Gedanke zu “Porsche 911 und Mama – gestern und heute

  1. Hallo Ihr zwaa scheena Mad’la

    Habe den wunderbaren Blog gelesen und was muss ich dazu schreiben? Meine Mama war auch immer Fan von schnellen soliden Autos, leider hatte Sie in jungen Jahren mal die S – Klasse Ihres Chef’s geschrottet, doch der hat damals nur gesagt,,,,, „das is nur ein Auto, das kann man wieder ersetzen“ .

    Hätte ich das Geld und die Möglichkeit schon vor 25 Jahren gehabt die ich heute habe hätte ich Ihr auch einen 911er besorgt, denn der war das Auto gewesen das zu Ihr am besten gepasst hat.

    Denn die Seele und der Geist der in dieser Ikone des deutschen Automobilbaus steckt, den verkörpert meine Mama auch, halt in Ihrer Art und Weise, wie Sie eben ist,,,,,,,,, wen man das so vergleichen kann,,,,,,,,,

    Wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr, Gruß aus der Hochfranken Region

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.