Porsche 911 Turbo S

Der neue Porsche 911 Turbo S auf dem Bilster Berg (Video)

Porsche 911 Turbo SPorsche fahren, Porsche fahren, so summte ich auf dem Weg zum Bilster Berg, DEM neuesten Drive Resort. Von Hannover aus sind es eigentlich gar nicht so viele Kilometer, aber man muss zum Schluss der Strecke an jeder Milchkanne vorbei, also durch die Dörfer. Das frisst Zeit. Da ist es auch egal, welches Auto man fährt, denn die Blitzerdichte ist so hoch wie nur irgendwo. So ordentlich bin ich schon lange nicht mehr gefahren … Aber ich wusste, das Ziel lohnt sich und dort kann ich richtig Gas geben. Meine erste Erfahrung mit dem Bilster Berg — und dann gleich mit einem Porsche 911 Turbo. Dem allerallerneuesten Modell 991. Yeah!

Bei der Wahl der Fahrzeuge konnte man nichts verkehrt machen, es waren alles Turbos, also konnte man sogar ausnahmsweise nach Lieblingsfarbe gehen! GT-Silber las ich auf der Liste der verfügbaren Fahrzeuge. Und innen espresso-cognac, die aufwändigste Ausstattung gewählt, ich habe Geschmack, stellte ich später fest. Und das „S“ prangte mir entgegen, ja, ich wollte den Porsche 911 Turbo S fahren. 560 PS, Höchstgeschwindigkeit 318 km/h. Wobei ich die maximale Geschwindigkeit nicht erreichen werde und wollte, denn der Bilster Berg ist eher eine Handling-Strecke mit Schikanen, denn eine Rennstrecke. Aber genau das macht den Reiz aus.

Ich bekam den Autoschlüssel in die Hand und fühlte diesen Zauber aufkommen, wie immer, wenn ich einen Porsche-Schlüssel in der Hand habe. Nicht zum „Posen“ ist ein 911 Turbo S, sondern es ist ein himmliches Gerät der Hölle. Power, Power, Power … und gleich kann ich meinen Adrenalinspiegel-Wunsch befriedigen. Und nicht nur den. Denn nach kürzester Zeit auf der Strecke fühle ich mich glücklicher als wenn ich unendlich viele Tafeln Schokolade (Nougat!) gegessen hätte. Die Endorphine sorgen für Glücksmomente … und hielten übrigens bis zur Rückkehr, sogar bis zum Einschlafen an. Andere Nebenwirkungen habe ich nicht entdecken können. Außer, dass ich die ganze Zeit lächelte … aber zurück, wie es losging, zur Boxengasse:

Porsche 911 Turbo SIch bin in der ersten Gruppe eingeteilt, durfte also gleich auf die Rennstrecke. Nun hieß es den elektrischen 18-Wege-Sitz ordentlich einzustellen, eine perfekte Sitzposition zusammen mit dem Lenkrad abzustimmen. Lady, start your engine, murmelte ich vor mich hin. Der 3,8-Liter-Boxer-Biturbo-Motor startete wie zu einer Kampfansage. Asphalt gegen 911 Turbo – und wir wollten das graue Monster bezwingen. Ich fühlte mich wohl wie in einem perfekt passenden Nappa-Lederhandschuh und legte zunächst den Gang „D“ auf der 7-Gang PDK ein. Die Paddles konnte ich immer noch später dazunehmen. Oh, nicht zu vergessen, den Modus „Sport Plus“ auszuwählen. Denn ich möchte doch Spaß, sowohl von der Abstimmung als auch vom Sound.

Porsche 911 Turbo SDer Instruktor vor mir war über die Quäke (Funkgerät) zu hören. Er musste mir nicht zweimal sagen, dass es losgehen sollte. Ich dachte an den Wert „3,1 Sekunden“, aber verwarf den Gedanken ganz schnell, weil vor mir eine Kurve lag und keine Gerade. Den Sprint von 0 auf 100 km/h musste ich verschieben. Aber es ging gleich zur Sache. Aus der Boxengasse, der ersten Kurve heraus, auf die Strecke. Ich fühlte diese Kraft des Turbos, der 911 hört sich einfach nur brachial genial an. Und er liefert. Der Pedalwunsch wird sofort erfüllt. Und auf dieser Strecke hat man viele Wünsche. Die gelochten Keramik-Bremsscheiben (PCCB) erstrahlten nicht nur im Stand mit gelbem Sattel, sie taten auch alles, damit das Fahrerlebnis „rund“ wurde.Porsche 911 Turbo S

Der Instruktor beschrieb die 4,2 km lange Strecke. Ich blieb ganz dicht dran, das ist kein Problem. Ich nehme seine Linie auf, versuche ebenso das Bilster-Berg-Ballet mit dem 911 Turbo zu tanzen. Da, ein bisschen zu spät vom Gas und schon hört man die Pneus etwas deutlicher schnaufen. Aber der 911 Turbo S behält seine Stabilität, solange man nicht den Harry-Potter-Stunt machen will. Physik ist Physik, also immer schön ingenieursmäßig dran denken, dass alles seine Grenzen hat. Wobei Thomas von Autogefühl da etwas anderes schreibt: Die Physik hat keine Grenzen mehr … lest selber!

Porsche 911 Turbo SSie liegt vor uns, die Rechtskurve, die jeder Anfänger ohne Instruktor in „schönen“ Rechts-Links-Rechts-Schlängeln fahren würde. Doch nein, diese Kurve fährt man in einer großzügigen Rechtskurve und touchiert die Curbs links mit den linken Rädern. Leichter Blindflug über die Minikuppe, doch einfach weiter draufhalten. Ich folge dem Instruktor mit all dem fahrerischen Urvertrauen, das ich aufbringen kann, ich bleibe dran. Ich höre sein „sehr gut“, meint er etwa mich? Ich lasse mich nicht bauchpinseln oder ablenken, obwohl es ein tolles Lob ist. Weiter volle Konzentration! Es geht leicht runter, der 911 Turbo S nimmt Geschwindigkeit auf, doch es heißt die Linkskurve so weit wie möglich rechts anzufahren, um diese „eierige“ Kurve elegant durchfahren zu können. Orientiere Dich am Instruktor, er weiß, was er tut und er kennt die Strecke. Auf die Pylone rechts aus der Kurve heraus und schon ist sie da, die Herausforderung.

Nun wird es wild! Die Mausefalle liegt vor uns. Ein welliges Gefälle mit 26% Gefälle. Gefühlt noch viel mehr. Man meint, man müsse diese Kurve eng fahren, doch weit gefehlt. Pylonen helfen, dass man diesem Linksdrall in der Links-Abwärts-Kurve nicht nachgibt. Denn nach einer wirklich fiesen Kurve, die man auch gern mal versemmeln kann, geht es wieder aufwärts. Hier hatten die meisten Leute das Problem auf dem Gas zu bleiben, stellte ich fest, nachdem ich nicht mehr hinter dem Instruktor fuhr, sondern wir die Plätze getauscht hatten (jeder fährt mal Position 1-4 hinter dem Instruktor). 21% las ich nach, ging es nach oben.

Und irgendwann ist „nach oben“ auch wieder vorbei. Man kann die Kurve mit demselben Lenkradeinschlag durchfahren, don’t worry. Das erste Mal fand ich das sehr mutig. Doch wenn man (wie ich) am Instruktor „kleben“ bleibt, sieht man sehr schön, wie man fahren muss. Lücken nach hinten zu den anderen Fahrzeugen stellen sich ein. Wobei ich gar nicht viel Zeit habe, um in den Rückspiegel zu schauen, denn es geht weiter an schöne anzubremsende Kurven, die sich zuziehen, über Curbs, in Rechts-Links.Kombinationen und dann ist sie da: die Gerade. Doch Vorsicht: 2 größere Wellen sind eingebaut, damit keiner zuuu schnell wird. 210 – 220 km/h kann man hinter dem Instruktor schon erreichen, bevor man in die nächste Linkskurve abbremsen muss. Eine tolle Kurve! Auch diese wird wieder so „unlogisch aussehend“ angefahren, dass man die Punkte mit Pylonen deutlich gemacht hat. Und so macht es auch richtig Laune, denn nachdem man die letzte Pylone im Ausgang der Kurve erreicht hat, kann man wieder ganz schön Gas geben! Auch hier brauche ich Mut. Aber ich folge dem Instruktor, er zeigt mir den nächsten optimalen Bremspunkt und brettert wieder über die Curbs. Eine letzte Schikanen-Kurve leitet wieder auf Start/Ziel. Wir tauschen die Positionen und es geht insgesamt 4x über den Kurs. Plus der 5. Runde zum Abkühlen … für uns und für den Porsche. Ich habe die ganze Zeit gesucht, wie ich die Sitzheizung aus bekomme, aber sie war gar nicht an … Hot, hot, hot … so ein Turbo S. Wer schlau ist, fährt die Abkühlrunde „für die Galerie“ und eine wunderschöne Ideal-Linie. Denn so prägt sich die Strecke gut ein!

Porsche 911 Turbo SJeder Turn geht mal zu Ende und es geht wieder in die Boxengasse zurück. Tempolimit 50 km/h! 

Was mich bass erstaunt hat, ist die neue serienmäßige Hinterachslenkung bei der Ausfahrt aus der Boxengasse. Ich stand ziemlich ungünstig im Winkel zur Torausfahrt. Normalerweise hätte ich gedacht, dass ich nochmal zurücksetzen müsste. Aber ich konnte ganz einfach „durchziehen“. Doll! Hat mich überzeugt bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Bei hohen Geschwindigkeiten ist die Hinterachslenkung aber anders optimiert. Dann liegt der Porsche 911 Turbo einfach unheimlich satt auf der Straße und Rennstrecke. Das neue System Porsche Active Aerodynamics (PAA). findet sich dazu passend bei Front- und Heckspoiler. Der Frontspoiler ist sogar in drei Stufen einstellbar. Drinnen, also eingefahren, seitlich draußen und dann kommt die Mitte dazu, dass er ganz draußen ist. Mehr Bodenfreiheit vorne, wenn man ohne Spoiler fährt, also die Alltagstauglichkeit ist auf jeden Fall um ein großes Stück gewachsen. Beeindruckende Zeiten auf der Rundstrecke sind mit dem vollen Spoiler-Programm möglich.

Mein Mitfahrer durfte nun das Steuer übernehmen und ich habe ein bisschen kommentiert, soweit mir die Luft nicht weggeblieben ist … hier seht Ihr die Strecke mal aus der Kamera-Sicht des Beifahrers:

Nachdem mir ein Journalist auch noch sagte, dass mir der Wagen echt gut stehen würde, lächelte ich zurück – sprachlos. Das war das Netteste seit langem, ein irre tolles Kompliment. Ich überlege jetzt schon, wie ich die Hundertfünfundneunzigtausend aufbringen soll … Mannomann, da muss ich echt noch lange für stricken. Umso mehr hat es mich erfreut, dass mir Porsche diesen Wagen anvertraut hat. Danke für die endorphingetränkte Einladung. Jederzeit gern wieder!Porsche 911 Turbo S

Info:
Bilster Berg Website

 

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