Porsche 911

911 Sünden auf dem Sachsenring

Die Anfahrt zum Sachsenring verursacht schon riesige Vorfreude. Es dreht sich alles nur noch um das Auto, Racer-Werbung, Tuning-Zeugs, alles verspricht Fahrspaß. Meine Mundwinkel schieben sich immer weiter nach oben, je näher wir der Strecke kommen. Als ich das erste „Porsche“-Schild sehe, hüpft mein Petrolhead-Herzchen schneller. Der Porsche 911 Carrera S steht bereit. Das Wetter stimmt. Es ist trocken. Ich war noch nie bei Nässe auf einer Rennstrecke und davor hätte ich einen Riesenrespekt gehabt. Doch bei trockener Fahrbahn ein performantes Auto „fliegen zu lassen“, das mache ich nicht zum ersten Mal. Fiorano kenne ich und Ricardo di Tormo hat auch Spaß gemacht. Nun Sachsenring. Ich lese schon über Facebook, ich solle mich vor der Omega (Kurve) in Acht nehmen. Respekt ja, aber in Acht nehmen? Niemals.

Doch bevor ich mich an den Endorphinrausch mache, teste ich den Porsche Panamera Hybrid. Bringe mich langsam in Stimmung, indem ich ihn auf der Autobahn bis ans Limit seiner M+S Reifen fahre (240km/h). Die von Porsche empfohlenene Strecke mit schönen Aussichtspunkten fahre ich nicht, es dauert mir zu lange, bis ich wieder zurück wäre.

Wieder angekommen an der Strecke, donnern wieder viermal 400 PS an mir vorbei. Die Vorfreude steigert sich ins unermessliche. Doch was ist das? Wo sind die ganzen Autos hin? „Tankpause“ wird mir gesagt. Ich muss mich gedulden. Ich suche Timo, den Instruktor, der mir auf Facebook empfohlen wurde. Timo würde seinen Job excellent machen. Ich vertraue meinen „Freunden“ und erzähle ihm von dem Lob. Er freut sich, nimmt aber sofort seinen Kollegen Michael mit ins Boot. DAS gefällt mir. Wir sprechen ab, dass wir gleich starten werden. Ich suche mir den weißen 911 aus. Da sonst keiner direktes Interesse zeigt, die anderen wohl gerade einen Kaffee trinken oder Probefahrt mit dem Panamera machen, starten wir zu zweit. Ich habe meinen eigenen Instruktor, der im Wagen vor mir fährt, wie genial ist das denn?

Ich stelle meinen Sitz ein, das Lenkrad, die Spiegel. Drücke alle möglichen Sport-Plus und Fahrwerks-Tasten, die mir die „performanteste Erfüllung“ bringen sollen. Die Paddles zum Hoch- und Runterschalten sind hinter dem Lenkrad. Passt. Ich liebe Paddle-Schaltung.

Runter vom Auto und reingesetzt. Es geht los! Start your engine, Lady! Yessss, schon im Stand ist der Dialog zwischen dem weißen Zuckerschatz und mir eine Wonne. Mein weißer Löwe rollt los, leicht brüllend, bereit zum Sprung auf die Rennstrecke. Ich rolle aus der Boxengasse raus, sehe die Ampel, sie steht auf grün. Ich darf loslegen. Doch zuerst heißt es, die Strecke kennen zu lernen. So haben wir es vereinbart. Wir fahren nicht lahm, aber eben noch nicht a(n meine)m Limit entlang. Ich bestaune die Kurven, blinden Streckenabschnitte und das Auf- und Ab der gesamten Rennstrecken-Architektur. Die rot-weißen Hütchen, also die Pylonen sind echte Hilfen, solange man die Strecke noch nicht kennt. Schon allein für den Instruktor, denn wie will man sich sonst orientieren, wie dem „Rennsport-Amateur“ etwas erklären?

Wir drehen unsere Runden. Die zweite wird schon schneller gefahren, es wird interessanter für mich. Die Power zu spüren, die Physik auszureizen, die Perfektion einer Kurvenfahrt zu spüren, das ist mein Ding. Mein Instruktor kann sich ganz auf mich einstellen, wir steigern uns mehr und mehr, nicht nur in der Geschwindigkeit, sondern auch die Gas- und Bremspunkte, die Linie, alles wird immer klarer, wo und wann. Je schneller, desto schneller tauchen auch mal Fahrfehler auf, doch immer geht alles gut, denn ich spüre schnell, wann ich wieder etwas zurücknehmen muss.

Nach vielen, vielen Runden tauchen wir wieder in der Boxengasse auf. Ich steige aus dem weißen und heißen Begleiter aus. Wäre er aus Zucker, würde er langsam karamellisieren. Ich schmelze auch dahin, vor Begeisterung über das Kraftpaket.
Mein Mitteilungsbedürfnis beschränkt sich momentan auf ein breites und sehr zufriedenes Grinsen.

Man könnte jetzt zufrieden sein, doch mich lockt die Rennstrecke ein drittes Mal. Diesmal möchte ich mich sogar mit den anderen messen. Ein untypischer Zug von mir im normalen Leben, da ich gern im Team arbeite und ein Miteinander bevorzuge. Doch ich scheine viel Adrenalin in mir zu haben, dass es mir nicht abwegig erscheint. Kann ich mit den Männern mithalten?

Mit mir fahren zwei weitere 911, vorweg der Instruktor. Ich bin sehr aufgeregt, ob ich gleich den Supergau erlebe und zur Rennschnecke und Spaßbremse mutieren sollte. Oder ob ich lässig mithalten kann, ich vermute letzteres, aber man wird sehen, denke ich. Obwohl es um nichts geht, habe ich ein leichtes Gefühl von „Competition“.

Es geht los. Ich fahre als Drittes. Juchhu, ich behalte super den Anschluss. Dadurch, dass ich vorher mit Timo so intensiv geübt habe, finde ich meine Ideallinie auch, wenn die beiden vor mir sie ein bisschen verwischen. Nach ein paar Runden wechseln wir die Positionen. Ein geniales Gefühl, wenn man auf Start- und Ziel den anderen überholen kann. Er lässt einen natürlich, aber ich brettere an ihm vorbei. Ich kann Rennfahrer nun noch besser verstehen. Überholen ist wie Geburtstag haben ohne Älter zu werden!

Später bin ich dann an Position 2 in der Mitte, alles geplant gewechselt, und nun merke ich, wie der Wagen vor mir anzieht. Verdammt, einmal die Kurve etwas verpeilt gefahren, schon sind Sekunden Abstand entstanden. Ich versuche es auszugleichen, auf den Geraden noch mehr Gas zu geben, die Kurven wieder härter zu nehmen, ich gebe alles! Ich kann mich wieder langsam herantasten, habe den Anschluss wieder. Doch was ist mit Nr. 3? Er hat uns völlig verloren, kommt nicht mehr an uns heran, kann nicht ausgleichen. Ich bin sehr sehr stolz auf mich. Ich freue mich nicht, dass es der andere nicht geschafft hat, sondern ich freue mich, DASS ich es geschafft habe.

Was für ein toller Tag! Viel zu früh möchte das Shuttle mich wieder zum Flughafen bringen. Ich steige ein, einen Blick zurück und gebe dem Sachsenring mein Versprechen: wir sehen uns wieder!

Fotos: Frank Ratering, Porsche

Andere Kollegen waren einen Tag vor mir da: Elfer Lustspiel am SachsenringMit dem Porsche 911 Carrera S auf dem Sachsenring, Porsche am Sachsenring: Infiziert vom Virus.

Disclosure: Porsche hat mich eingeladen und die Reisekosten übernommen. Meine Begeisterung kommt ausschließlich „von innen“ und ist nicht käuflich … 😉

6 Gedanken zu “911 Sünden auf dem Sachsenring

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